Point&Figure: Nokia im Chartcheck

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Bildquelle: Pressefoto Nokia

In den vergangenen Tagen erhielt ich zahlreiche Mails zum Thema Nokia mit der Bitte, diese Aktie nach Point&Figure zu analysieren und vielleicht ein paar Worte zu den Fundamentals zu verlieren.

Nokia: Erschreckende Entwicklung der Notierungen

Ich gebe es zu, dass ich einen Schreck bekommen habe, als ich nach längerer Zeit einmal wieder einen Blick auf die Aktie des ehemaligen Weltmarktführers bei Handys geworfen habe.

Da leuchtete mir ein Kurs von 2,41 Euro entgegen. Allein in den vergangenen 12 Monaten hatte der Kurs 11,40% verloren. Verglichen mit dem Allzeithoch aus dem Jahr 2000 von 65 Euro sprechen wir hier von einem Verlust von rund 96%.

Erst einmal kurz zu den Fundamentals:

Geschätztes KGV für 2013 : Rund 90

Für 2014 wird eines von 12,07 erwartet

Ramschniveau bei Bonität erreicht

Die Ratingagentur Moody’s hat die langfristige Bonität Nokias von "Baa3" auf "Ba1" – also auf Ramschniveau – gesenkt und den Ausblick für die Kreditwürdigkeit weiterhin auf "negativ" belassen.

Aktuell noch massiver Cash-Burner

Damit wird es für den Konzern noch teurer, sich Kredite zu verschaffen. Er hat bis zum Ende des ersten Quartals über eine Nettoliquidität in Höhe von 4,17 Milliarden Euro oder 1,12 Euro pro Aktie verfügt. Unter Berücksichtigung der operativen Verluste und der Restrukturierungsmaßnahmen dürfte die Nettoliquidität bis Ende 2013 allerdings auf 1,63 Milliarden Euro oder 0,44 Euro pro Aktie sinken. Das ist wahrlich nicht zu viel für einen Konzern dieser Größe und mit dieser Wettbewerbsposition.

Bis auf das  geschätzte KGV von 12,07 für 2014, wobei wir hier von einer noch extrem unsicheren Annahme ausgehen müssen, finde ich aktuell wenig fundamental Begeisterndes.

Smartphone Lumia: Ein Schritt in die richtige Richtung

Mit der Einführung der Lumia-Smartphones hat Nokia zumindest einen Schritt in die richtige Richtung getan. 18% Marktanteil am weltweiten Handymarkt 2012 sind auch so übel nicht. Die viel beachtete Apple liegt im Vergleich dazu nur bei 9,2%.

Man verkauft viel, allerdings mit wenig Marge

Das hört sich gut an, allerdings setzt Nokia sehr viele günstige Telefone mit magerer Rendite ab.

So war es nicht erstaunlich, dass auch die heute gemeldeten Quartalszahlen wenig erfreulich ausfielen. Nokia musste erneut einen Quartalsverlust von 150 Millionen Euro hinnehmen. Da tröstet es wenig, dass im Vorjahreszeitraum gleich mal 1,33 Milliarden Euro “verbrannt” wurden.

Smartphone-Sparte relativ klein

Der als “Apple-Killer” von einigen Börsenmedien kolportierte Hoffnungsträger Lumia verkaufte sich mit 5,6 Millionen Stück auch nicht berauschend. Zum Vergleich: Apple setzte im gleichen Zeitraum 37 Millionen Geräte und Samsung 61 Millionen Stück veräußert hat.

Mein Fazit beim Blick auf die Fundamentals:

Begeisterung sieht anders aus. Positiv vermerke ich den Trend, zumindest schon mal weniger Geld als im Vorjahr zu “versenken”.

Point&Figure Nokia: Die Charttechnik gibt weiterhin keine Kaufsignale

Nach dem Blick auf die (noch) wenig motivierenden Daten:

Der Point&Figure-Chart der Nokia-Aktie in der Bulls-Eye-Broker-Einstellung mit aktuell 0,05 Euro pro Kästchen:

 image

(Chart vergrößert sich beim Anklicken)

Das erste was ins Auge sticht, ist, dass es seit Monaten ein Verkaufssignal nach dem anderen hagelt.

Am 7.2 kam es noch einmal zur Ausprägung eines Kaufsignals, allerdings fand das unterhalb der Baisse-Resistance statt und war daher eh mit Vorsicht zu genießen.

Es folgten ständig tiefere Tiefs und damit war und ist der Abwärtstrend intakt.

Ohne potenziellen Nokia-Aktionären zu Nahe treten zu wollen: Zumindest aus der Sicht des Point&Figure-Analysten gibt/gab es keinen Grund, diese Aktie zum aktuellen Zeitpunkt oder – noch schlimmer – in der jüngsten Vergangenheit zu kaufen.

Wer als Trader die mögliche technische Gegenreaktion auf die heutigen Kursverluste nutzen will, soll das ja gerne tun. Aber für Investoren gibt die Aktie eben seit Monaten kein Kaufsignal her!

Mein Gesamtfazit:

Es mag ja sein, dass Nokia und damit die Aktie wieder durchstartet. Sollte das aber der Fall sein, wird der Point&Figure-Chart noch früh genug ein Kaufsignal geben.

Wer jetzt mit dem Argument kauft, dass er an die Nokia-Story glaubt, den wird niemand davon abhalten. Er soll sich aber bewusst sein, dass er versucht, ein fallendes Messer zu fangen. Das kann ja manchmal sogar klappen. Aber wenn es nicht funktioniert, ist das Ergebnis in der Regel sehr blutig.

Und da es tausende Aktien gibt, die aktuell ein charttechnisch besseres Bild mit gesunden Fundamentals abgeben, ziehe ich für mich die Folgerung: Nokia, aktuell noch "NEIN DANKE!”

Ich lasse den Wert aber auf der Watchlist, schließlich ist eine charttechnische Situation nicht in Stein gemeißelt.

Ihr Jörg Mahnert

www.xundo.info (Alles rund um die Point&Figure-Charttechnik und Heimat des Point&Figure-Investor)

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Bildquelle: Pressefoto Nokia


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