BRIC – Was ist noch übrig? Eine Analyse über Chancen und Risiken!

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Die BRIC-Staaten, später um das S erweitert, stehen für die Länder Brasilien, Russland, Indien, China und eben später dann auch für Südafrika. So beschrieb Jim O’Neill, Asset Manager und CEO von Goldman Sachs Asset Management, im Jahre 2001 in einer Studie den Wandel von der wirtschaftlichen Bedeutung der sieben großen Industriestaaten hin zu den Entwicklungsländern. Und dabei definierte er dann die vier oben genannten Nationen,  als die wichtigsten Länder mit dem höchsten Aufstiegspotential, wodurch sich der Begriff BRIC(S) weltweit etablierte.

Heute, zwölf Jahre später, stelle ich mir nun die Frage, was aus diesem Begriff, als Zeichen für Aufschwung und Wachstum, noch übrig ist, wer diese Versprechen halten konnte und vielleicht immer noch ein Investment wert ist oder eben nicht!

Dafür werden diese vier Staaten im Folgenden einmal genauer unter die Lupe genommen und geschaut, welche Chancen aber auch Risiken sich dahinter verbergen.

Brasilien:

Brasilien ist im BRIC-Vergleich in den letzten 10 Jahren die Wirtschaft, die am meisten Volatilität aufweist, wenn man zur Bemessung das Bruttoinlandsprodukt heranzieht. In 2012 wurde lediglich ein Wirtschaftswachstum von 1,00% nach 7,53% in 2010 und 2,70% in 2011 gemessen. In 2013 soll dieses jedoch immerhin wieder auf ca. 3,50% ansteigen. Der größte brasilianische Aktienindex, der BOVESPA, liegt im Vergleich zu den anderen BRIC-Nationen auf Platz 3. und konnte immerhin ein Wachstum von 169 Prozentpunkten erreichen (s. Grafik). Für die Zukunft sehe ich jedoch viele Chancen im Land des Karnevals und der technisch so begabten Fußballer. Gerade hier sehe ich eine Stärke denn in 2014 wird Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft austragen. Direkt zwei Jahre später kommen dann die Olympischen und Paraolympischen Spiele an den Zuckerhut. Mit beachtlichen Mehreinnahmen (WM ca. 82.Mio€ zusätzlich aufs BIP) und einer Politik, die endlich verstanden hat in grundlegende Probleme wie z.B. Infrastruktur zu investieren, ergibt sich daher die Möglichkeit für nachhaltige Investitionen, die das Land meiner Meinung nach mittelfristig weiter sehr attraktiv machen.

Russland:

Russland ist sicherlich das Land welches bereits am weitesten Entwickelt war, als die Studie und der Begriff „BRIC“ in 2001 veröffentlicht wurde. Mit einem stabilen Wachstum des BIP von in 2010 sowie 2011 4,30%, in 2012 mit 3,60% und einem erwarteten Wachstum von 3,70% in 2013. Aufgrund der starken Industrie im Bereich Rohstoffe (Gas, Öl) besitzt das Land exzellente Möglichkeiten. So gehe ich davon aus, dass das Land von den Voraussetzungen her mittelfristig um ca. 4% wachsen könnte, was das Wachstum der Eurozone übertreffen wird. Sicherlich wäre auch mehr möglich, jedoch sehe ich in der politischen Führung des Landes einen Schwachpunkt. Diese halte ich für zu steif und unflexibel. Umfangreiche Reformen, sowie mehr Offenheit wären notwendig, allerdings sehe ich hier mit Putin als Alleinunterhalter an der Spitze nicht die besten Chancen, das komplette Potential des Landes auszuschöpfen.

Indien:

Der BSE SENSEX Index, der bekannteste Aktienindex Indiens, war in Vergangenheit nicht unbedingt als Schnäppchen bekannt. Durch bereits hohe Bewertungen der Unternehmen, sowie nicht unbedingt üppigen Dividendenzahlungen war es „nur“ der Faktor Wachstum der bei Investments in der Vergangenheit eine Rolle gespielt hat. Nun sollten Anleger unbedingt die magische Grenze von 20.000 Punkten beachten. Bereits vor der weltweiten Finanzkrise in 2008 konnte der Index diese Überwinden, sich jedoch nicht langfristig darüber etablieren. Und auch im Januar dieses Jahres hat der Index über 20.000 Punkte markiert, ist nun aber wieder bis auf 18.414 Punkte zurück gefallen.

Die Wirtschaft im Land der heiligen Kühe wies in den letzten Jahren stets ein, im Verhältnis zu unseren Zahlen, enormes Wachstum auf. Ebenfalls bedingt durch die weltweite Finanz- und Schuldenkrise brach das Wachstum der Wirtschaft in 2012 auf 4,50% von 7,90% im Vorjahr ein. Für 2013 erwartet der Internationale Währungsfonds allerdings bereits wieder eine Steigerung des Wachstums um 5,90%.

Ebenso naht mittlerweile eine Einigung im Freihandelsabkommen mit Deutschland. Dies könnte dem asiatischen Land weiterhin starken Auftrieb verleihen und steht für mich symbolisch für die aktuelle Politik im Land. Denn im generellen unternimmt die indische Regierung viel um das Land voran zu treiben, wo ich im Vergleich zu den anderen BRIC-Staaten den größten Vorteil sehe. Durch starke Einsparungen, allerdings auch hohen Investitionsraten über dem Durchschnitt der Schwellenländer, wird versucht die besten Voraussetzungen für das Land mit den 1,2 Mrd(!) Einwohnern. Die Industrie in Indien besitzt, meiner Meinung nach, die größte Diversifikation, was das Risiko mindert und somit in vielen Marktlagen erhebliche Chancen bietet.

China:

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis des CSI300 von ca. 10,35 für das aktuelle Jahr ist der Aktienmarkt in China noch sehr günstig bewertet. Ebenso steht China im 4-Länder Vergleich in Sachen Wirtschaftswachstum am besten dar, auch wenn erst diese Woche die Meldung rauskam, dass das BIP-Wachstum im ersten Quartal binnen Jahresfrist „nur“ 7,70% betrug. Gefahr für die Weltwirtschaft und ein Rückgang der globalen Wachstumsdynamik waren hier erste Kommentare, die zu vernehmen waren. Ebenso folgten am heutigen Montag panikartige Verkäufe in fast allen Rohstoffklassen. Die Verschuldung Chinas hat in den letzten 5 Jahren um knapp 13 Prozentpunkte von 113% auf 126% zugenommen. Hier würde ich mir jedoch noch keine Sorgen machen, da die Verschuldung vor allem bei den Unternehmen und privaten Haushalten zu finden ist, was für eine steigende Investitionsfreude der Menschen im Reich der Sonne spricht.

Betrachtet man die vier wichtigsten Indices der BRIC-Staaten, ist deutlich erkennbar, dass Russland sich seit September 2000 mit Abstand am stärksten entwickelt hat. Gefolgt vom Sensex aus Indien und dem Bovespa aus Brasilien, die fast gleichauf liegen und sich über die gesamte Distanz sehr ähnlich entwickelt haben. Nur der CSI300 aus China, der erst seit April 2005 existiert hat hier noch Nachholbedarf. Daher sehe ich hier, auch aufgrund der niedrigen Bewertung gute Chancen.

Fazit:

Meinem Erachten nach bietet China momentan die besten Chancen für ein Investment. Hier würde ich mich jedoch auf gezielte Investmentfonds oder Produkte auf einen gesamten Index entscheiden, da die Durchsichtigkeit im noch nicht so sehr geöffneten China für den Laien sicher nicht sehr einfach sein dürfte. Durch die noch sehr geringe Bewertung liegt das einwohnerstärkste Land der Welt daher in meinem persönlichen Ranking vor Indien. Hier sind es die strukturellen Gegebenheiten, sowie die hohe Vielfalt innerhalb der indischen Wirtschaft, die mich mittel- und erst recht langfristig positiv stimmen. Laut OECD sollen allein diese beiden Staaten in 2060 46% der gesamten Weltwirtschaft ausmachen. Brasilien hat für mich auf Platz 3, gerade aufgrund der kommenden Events, die Chance hieraus nachhaltig zu profitieren. Mit einer noch sehr günstigen Bewertung des Bovespa mit einem KGV von ca. 7,9 sowie einem KBV von ungefähr 1,2 bleibt also auch hier noch deutlich Luft nach oben. Beobachten sollte man jedoch genau die Entwicklung des Landes. In Russland sehe ich im BRIC-Vergleich am wenigsten Chancen, jedoch auch am wenigsten Risiken. Für eher Risiko avers ausgerichtete Anleger, daher sicher eine gute Anlage, mehr Potential und somit höhere Gewinnchancen sehe  ich jedoch eher in den anderen 3 Ländern.

Abschließend lässt sich also sagen, dass der Wachstumstrend noch intakt ist, wenn auch nicht mehr so deutlich wie in 2001. Chancen bieten sich für aufmerksame Investoren aber auf jeden Fall.

Ihr Andreas Meyer

 

Andreas Meyer ist momentan Student der internationalen Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Finanzen in Frankreich. Dadurch erlernt er das Funktionieren von Unternehmen, sowie der Finanzmärkte im generellen von der Pike auf. Mit dem weltweiten Geschehen an den Börsen beschäftigt er sich jedoch bereits  seit seinem 16. Lebensjahr. Praktische Erfahrungen konnte er schon im Derivategeschäft, sowie im Asset Management gewinnen. Des Weiteren hat Andreas Meyer neben dem Studium mit der Gründung von A.M. Capital Research den Weg in die Selbstständigkeit angetreten. A.M. Capital Research beschäftigt sich professionell mit der Analyse der Finanzmärkte und von Unternehmen im Einzelnen speziell mit dem Schwerpunkt aufs „Value-Investing“.

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