Preissturz bei Silber und Gold: Kaufchance oder platzt die Blase?

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Bildquelle: Pressefoto Heraeus

Wer dieser Tage erstaunt auf die Preise von Gold und Silber schaut, wundert sich ob der starken Kursverluste. Am Freitag rauschte Gold unter 1500 Dollar, heute geht es weiter in Richtung 1400 Dollar und darunter. Manch einer sieht endlich die Edelmetallblase patzen, andere freuen sich über neue Einstiegschancen. Generell hat sich ja an den Argumenten für Edelmetalle nichts geändert. Papiergeldflut und Krisenangst, v.a. in der Eurozone. Dagegen sprechen natürlich die Seitwärtsbewegungen der vergangenen Monate und die jüngsten Kurseinbrüche. Es wird deutlich, dass mit Anlageformen wie Aktien zuletzt deutlich mehr Rendite zu holen war. Es spaltet sich also die Anlegerschaft in solche, die Gold & Co. als normale Anlageklassen sehen und andere, die Edelmetalle eher als Versicherung für schlechte Zeiten einschätzen.

Einer der immer für schlechte Nachrichten zu haben ist, ist Marc Faber. In einem Interview auf Bloomberg verwies er heute wieder einmal auf die generelle Sinnhaftigkeit von Goldanlagen. Zugleich erhofft er sich angesichts des aktuellen Kurssturzes bald neue Kaufgelegenheiten für Goldfans. Bei Aktien dagegen sieht er eher die Möglichkeit eines deflationäres Szenarios, was wiederum gegen diese Anlageform spricht. Alles in allem typisch Faber. Doch ist da vielleicht nicht doch auch viel Wahres dran?

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Gold war seit 2008 die Krisenwährung. Es folgte ein Kursanstieg in ungeahnte Höhen. 2000 Dollar je Unze wurden schon als „sicher“ verkauft. Doch dann erfolgte die „Krisenlösung“ mittels Druckerpresse. Eigentlich ein Grund dafür, das Gold weiter steigt. Doch stattdessen stagnierte der Goldpreis und fiel nun sogar deutlich zurück. Es zeigt sich: Der Goldmarkt ist eben doch anders. Besonders die Anfälligkeit durch die großen Player macht Gold so schwankungsanfällig. Neben den Notenbanken sind mittlerweile auch die großen Investmentbanken und Fonds zu unberechenbaren Akteuren geworden. So fallen solche Ereignisse wie die indische Hochzeitssaison kaum noch ins Gewicht. Und dennoch dürfte sich über kurz oder lang der Markt zuungunsten der bisherigen Akteure verschieben. Denn die Notenbanken der BRICS und anderer Schwellenländer entdecken zunehmend Gold und sind aktiv auf der Käuferseite zu finden. In kriselnden Eurostaaten, wie aktuell Zypern, wird dagegen über den Verkauf laut nachgedacht. Wird also Gold wieder zu einer stabilen Größe, nur eben außerhalb des „Westens“? Ein Grund vielleicht über sein eigenes Golddepot nachzudenken, wenn das „anteilige Gold“ durch die Notenbank verkauft wird…

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Und was ist mit dem kleinen Bruder Silber? Vor zwei Wochen ergab sich erst eine interessante Kaufgelegenheit. Doch die Risiken waren damals ebenfalls schon klar: „Sollte der Silberpreis nun unter 26 USD und damit die erwähnte massive Unterstützung “rauschen”, sollten sich weitere massive Kursverluste einstellen.“ Aktuell rauscht der Kurs bis auf fast 23 Dollar nach unten. Und dennoch gilt auch hier: Es zeichnet sich eine Verschiebung in Richtung Schwellenländer ab.

Alles in allem: Der aktuelle Sell-off dürfte kurzfristig bei vielen Anlegern alle Dämme brechen lassen. Doch langfristig dürfte es wieder deutlich rosigere Zeiten geben. Sollte sich die Konjunktur tatsächlich abschwächen, werden krisensichere Alternativen, wie etwa Edelmetalle, wieder gesucht.

Als Abrundung dazu ein Kommentar von Citi Research der Citigroup:
We are of the view that gold prices will struggle to maintain current levels in the second half of the year, as there appears to be little in the way of short or medium term risk, with inflation concerns being pushed further and further forward into the future, while low interest rates and growing liquidity have tended to favour other asset classes such as equities over gold. Additionally, the prospect of US rates backing up—the 10Y Treasury perhaps 60-70 basis points from current levels to around 2.50% during the latter part of this year according to our rates team—also serves as a potential headwind for the yellow metal.

Bildquelle: Pressefoto Heraeus


4 KOMMENTARE

  1. Man muss sich hier auch vor Augen halten dass viele der Fundamentalthesen schlichtweg falsch waren. Hyperinflation ist nicht aufgetreten, diese sogenannte extreme Geldvermehrung konzentriert sich in den Büchern der Zentralbanken statt in der Realwirtschaft und der Niedrigzins ändert nicht viel für Haushalte die ihre Schuldenlast nennenswert reduzieren müssen oder schon reduziert haben.

    Wenn ich dann sehe wie viele Goldspekulanten ihre These immer wieder modifizieren weiß ich schon dass man es hier nicht mit fundierten Argumenten zu tun hat sondern nur mit „confirmation bias“. Zuletzt hörte man nun Geschichten von einem Kartell um JP Morgan (die Bank, die meisten stimmen zu dass J. P. Morgan tot ist) das als Verschwörung den Markt um „Papiergold“ niedrig hält. Das klingt schon lange nicht mehr rational.

    Bei Silber sind wir inzwischen so weit dass viele Minen nicht mehr profitabel sein werden.

  2. Dazu noch, rein technisch sieht der Preisverfall nicht nach einer gesunden Marktkorrektur aus 😉

  3. Es ist auf jedenfall interessant, wie viele Adressen, auch große, von dem Einbruch kalt erwischt wurden. Ob und wer da plötzlich seine Edelmetalle-Papiere (der Absturz kam ja vom Futures-Markt) verkauft hat, wird man vielleicht irgendwann wissen. Sicherlich lagen die Inflationsgurus falsch, was die Geschwindigkeit angeht. Aber dennoch bin ich der Ansicht, dass die Unsummen Geld nicht auf Dauer in den Büchern der Zentralbanken verbleiben… dazu lockt die staatliche Entschuldung per Inflation viel zu sehr!

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