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Im Fokus: Goldman Sachs und die Folgen der Krise

Da sind sie also nun, die ersten Einblicke in das Bankgeschäft im zweiten Quartal. Und Goldman Sachs versucht es gleich mit einem „Paukenschlag“. Aber war es wirklich so überraschend? Schauen wir uns doch erstmal die Zahlen an. Zum einen erhöhten sich die Umsatzerlöse von 9,42 Mrd. Dollar im Vorjahresquartal auf nun 13,76 Mrd. Dollar. Der Nettogewinn wiederum stieg von 2,05 Mrd. Dollar bzw. 4,58 Dollar je Aktie auf nun 3,44 Mrd. Dollar bzw. 4,93 Dollar je Aktie. Die Markterwartungen hatten sich hingehen auf lediglich einen Gewinn je Aktie von 3,54 Dollar und Umsätze von 10,66 Mrd. Dollar belaufen. Somit wurden die Erwartungen übertroffen und alles ist gut. Krise vorbei, Bank steht top da und weiter gehts.

Aber ist wirklich alles gut? Zunächst mal möchte ich an die Milliarden von Staatshilfe erinnern, die zwar teilweise schon wieder zurückgezahlt wurden, aber eben doch zunächst einmal geflossen sind. Merkwürdigerweise konnten diese so sinnvoll eingesetzt werden, dass sie sich in der Zwischenzeit (selbst?) finanziert haben und daher inzwischen weitgehend obsolet geworden sind. So hatten die Banker also alle Möglichkeiten und nutzten sie. Diese Möglichkeiten wurden durch einen zweiten Punkt noch erheblich verbessert: Nämlich die unglaublich günstigen und zugleich fast grenzenlosen Refinanzierungsmöglichkeiten, sprich die Nullzinspolitik der Fed bei gleichzeitiger Geldmarktflutung. Somit hatten die Banker quasi garkeine Chance kein Geld zu verdienen. Die zuvor problematischen „toxischen“ Papiere konnte man durch legale „kreative“ Buchführung auf das richtige Maß zurecht rechnen und somit ungehemt agieren.

Es wird deutlich, dass die Banken ansich also gezwungen waren Geld zu verdienen. Aber wenn nun der Geldhahn wieder zugedreht werden sollte und die Wirtschaft sich tatsächlich erholt, werden die Altlasten irgendwann wieder auftauchen. Und dann wird es wieder eng bei einigen Instituten. Das heißt aber auch im Umkehrschluss, dass im derzeitigen Umfeld alle! Banken glänzende Geschäfte machen (können). Bilanztechnisch wird nicht mehr ganz so genau hingesehen. Billiges Geld ist im Überfluss da und bei volatilen Finanzmärkten lohnt sich jede Spekulation. Aber ob sich das Ganze dann auch auf die Aktienkurse der Banken auswirken wird, muss man abwarten. Denn langfristig sieht es nicht so rosig aus, wie es derzeit ist. Obgleich auch hier die berechtigte Hoffnung besteht, dass auch in Zukunft kein großes Problem zu groß für eine staatliche Intervention ist. Einen zweiten Fall Lehmann Brothers wird wohl nicht geben. Eins ist sicher, solange das Geld in diesen Mengen kursiert, wird die Bewegung an den Börsen deutlich zu spüren sein. Zwar wird sich kein positiver Trend durchsetzen (können), denn die realwirtschaftlichen Rahmenbedinungen sind einfach noch zu schlecht. Das sieht man auch an den heutigen ZEW-Konjunkturdaten. Aber dennoch sollte für spekulativ engagierte Anleger in den kommenden Wochen einiges rauszuholen sein.


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