Commerzbank oder wie krank ist dieses Aktien-Gezocke eigentlich?

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Bildquelle: Pressefoto Commerzbank AG

Was für ein Wochenauftakt. Erst die Einigung über das Rettungspaket für Zypern, danach dann die „Erleichterung“ des Marktes darüber, dass wir endlich mal wieder Milliarden gen Südeuropa schicken können – wohl mit der Gewissheit, dass wir diese nie wieder sehen. Aber wir wollen jeden im Club der Euro-Liga ja behalten – und eine Commerzbank-Aktie (WKN: 803200) ist mal wieder im Fokus des DAX-Handels.

Dann der Nachmittag. Dunkle Wolken am Horizont, weil reale und wirklich uns betreffende Probleme auftauchen. Die 5 Jungs der Wirtschaftsweisen sagen nämlich, dass sie den Standort Deutschland wohl nicht mehr so in 2012 als „Outperformer“ sehen. Das wiederum macht die anderen Jungs – die Börsianer mal richtig nervös und der Dax ging mächtig auf Tauchstation. Der Chart sagt alles.


Und die Gewinner vom morgen? Sind die Verlierer am Nachmittag. Und jetzt darf man raten, wer das sind. Natürlich die Bankenwerte. Allen voran die Aktie der Commerzbank. Hier der Chart:

Die meistgehandelte Aktie am Montag war BASF. Über 4 Millionen Stück brachten es auf Xetra auf einen Umsatz von knapp 285 Mio. Euro. Dahinter? Jepp! Die Commerzbank-Aktie. 3,42 Millionen Aktien. Mit einem Wert von knapp 85 Mio. Euro. Deutschland ist im Zocker-Fieber.

Die Hoffnung, dass aus dieser „Coba“ eine zweite Infineon wird, muss mittlerweile wie eine Grippe durch die deutsche Anlegerschaft gehen. Man erinnere sich bitte einmal an dieser Stelle an die Ausgangslage. Das ist eine Aktie einer Bank, deren Mitarbeiter seit Jahren sicherlich einen Höllenjob machen, weil sie von A nach B verkauft und integriert werden sollen und immer wieder aber auch zugleich sich im Mittelpunkt der Börse sehen – sie aber eigentlich nur ihren Job machen wollen. Das erinnert mich an dieser Stelle ein bisschen an MLP und an das Geschehen nach dem DAX-Aufstieg und den anschließenden Abstieg…

Aber zurück zur Commerzbank. Lassen wir einfach mal das ganze Nachrichten-Gesapere weg und konzentrieren wir uns auf die Charttechnik. Hier mal eine kleine Auflistung der letzten Trend-Indikatoren:

22.03.13 Commerzbank mit neuem 6-Monats-Tief
19.03.13 Commerzbank mit neuem 6-Monats-Tief
14.03.13 Commerzbank mit neuem 6-Monats-Tief
12.03.13 Commerzbank unter 200-Tage-Linie
05.03.13 Commerzbank über 200-Tage-Linie

Die gesamte GD-Lage: ALLE Gleitenden Durchschnitte sind nach unten durchschritten. Punkt. Ende. Das ist alles.

Ein Hauch von „Long-Feeling“ gibt einem vielleicht noch das Momentum. Es flackert leicht im grünen Terrain. Mehr aber auch nicht.

Das will aber so mancher nicht wissen. Der schreibt dann lieber so coole Beiträge wie „Commerzbank – große Kursgewinne, derzeit ein Traum?“. Hammer, preisverdächtig. „joa, läuft“, würde Stromberg sagen, weil wie soll das auch bei der Chartlage. Aber das Schöne daran ist:

Die Deutschen Anleger stehen wohl anscheinend darauf. Deshalb schreiben auch diverse Finanzportale JEDEN TAG mindestens EINE NEWS zur Commerzbank-Aktie. Weil das nämlich gelesen wird. Auch wenn inhaltlich einfach mal der Chart runtergeleiert wird und nichts an Substanz drin steht. Aber das will wie gesagt auch keiner. Denn es geht um die lieben PIs. Um nichts anderes. Wenn mir schon ein ehemaliger Content-Kunde sagt, dass ich doch lieber mal über die Commerzbank oder Sky schreiben soll, „weil das wird immer gelesen und zieht die Leute auf unsere Seite“ – dann wissen wir, was hierzulande in Sachen Aktien-Content läuft.

Wir von diebörsenblogger.de könnten das auch machen. Wir lassen das aber. Weil wir nach wie vor denken, dass wir nur über eine Aktie schreiben, wenn es wirklich ETWAS zu erzählen gibt. Und nicht nur um PIs abzugrätschen. Das ist einfach nur billig. An dieser Stelle auch gesagt, dass ich damit nicht unseren Content in den Himmel lobe. Ganz und gar nicht. Auch wir schreiben bestimmt ab und zu mit der „0815-Feder“. Aber dafür sind wir ein Blog und kein Möchte-gern-Portal, dass mit dumpfbackigen Commerzbank-Artikeln die Leser auf seine Seite ziehen möchte. Daher:

Mitte April wird die Commerzbank ihre Hauptversammlung haben. Im Vorfeld wird es die Aktie bestimmt wieder in alle Richtungen werfen. Wir werden aber wohl erst wieder die Coba-Aktie im Fokus haben, wenn es wirklich was Neues und Relevantes zu schreiben gibt. Und bis dahin bleiben wir bei unserer Einschätzung des vorherigen Beitrages – auch und erst recht, was das Kursziel angeht. Letztlich wird da nämlich mit einer Aktie gezockt, von einem Unternehmen, das ein „paar“ Mitarbeiter hat, die wiederum an ihrem Job hängen. Ein bisschen Respekt hätten diese schon verdient…

Bildquelle: Pressefoto Commerzbank


16 KOMMENTARE

  1. Schön, das es noch Schreiberlinge gibt, die diesen ganzen Quatsch der Möchtegern-Newsletter oder -Produzenten mal kritisch beleuchten. Es wurde noch so viel abgeschrieben wie heute (alle Meldungen enthalten den gleichen Mist), und so viel Unsinn verbreitet, der bar jeder wirtschaftlichen Kenntnis ist.

    Die Börse insgesamt ist zu einer Riesenzockerbude geworden, die mit Fundamentaldaten bestenfalls im Langfristbereich noch was zu tun hat.

    Das kurzfristige Geschehen ist durch Gezocke, „zittrige Hände“ und Psychologie (Psychopathen?) geprägt und den Computerhandel, der aus jeder noch so kleinen Meldung, nach festgelegten Regeln – (zu) grosse Bewegungen am Markt generiert… Natuerlich nur um die liquiditaet am Markt zu erhalten.
    Honi soit qui mal y pense!!

    Marc Ernsting

  2. Tatsächlich gibt es noch Börsianer die sich trauen einen realistischen Beitrag zur Commerzbank-Aktie zu veröffentlichen. Es ist nur zu hoffen, daß diese Warnung bei den Lesern des Beitrages ankommt.

  3. naja, ich weiss nicht.
    über coba müsste eigentlich viel mehr berichtet werden. über enteignung von aktionären, nicht vorhandene kurspflege und ein scheinbar unfähiges management. was für folgen der re split haben wird. wo denn der reale wert der coba liegt.
    künstlich kleingerechnete gewinne und der sinn dahinter. wenn ich den kurs der aktie vor der euro krise nehme, die KEs einberechnen, die kernkapitalerhöhung die unbereinigten gewinne, eurohypo,schiffsfinanzierung usw usw dann komm ich auf einen wert weit über 5 euro. warum steht der kurs nicht da?

  4. also 5 Euro 🙂 – die Zeiten wird es bei einer Coba-Aktie (lange) nicht mehr geben. Es sei denn, ein chinesischer Staatsfonds will mal geschwind sich in D einkaufen, *loll* 🙂 Mal ehrlich, woher soll die Substanz kommen für diese Kurse?

  5. Wie lange wird der unfähige Dijsselbloem Europa erhalten.
    So lange es Anti-Wirtschaftler wie Dijsselbloem gibt, so lange wird sich Europa nicht erholen können.
    Die Sozialisten wollen das Geld mit andere teilen, nur nicht mit sich selbst.
    Sozialiste Politik ist ruinöse finanzielle Politik.

  6. @Jazznrhythm: Eindeutig nein :-), die „typischen Beiträge“ kann jeder auf 4Investors lesen, wo jeden Tag anscheinend nur 5 Aktien gepostet werden, die gut auf finanznachrichten geklickt werden. So einfach ist das…

  7. Sehr schöne Headline, die mir aus der Seele spricht. Und Respekt, dass ihr mal Klartext sprecht bezüglich der „Commerzbank-Artikel-ziehen-Leser-an-deshalb-schreiben-wir-darüber-auf-Teufel-komm-raus“-Thematik. Toll, dass ihr da nicht mitzieht, nur um mehr Leser zu erhalten.

  8. Dieser Artikel und dann 3 COBA Headlines auf der Startseite, ist klar 😉

    „Von überall die Commerzbank-Aktie traden – unsere Finanz-Apps-Tipps“
    „Commerzbank: Rote Zahlen erwartet“
    „Was Uli Hoeneß mit der Commerzbank-Aktie gemeinsam hat“

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