Zehn vor Zehn: Erleichterung nach Zypern-Rettung, Gigaset will wieder Gewinne einfahren

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Nachdem uns das Hin und Her in der Zypern-Frage die gesamte vergangene Woche beschäftigte, zeigen sich die DAX-Anleger am Montagvormittag erleichtert, dass in letzter Minute doch noch eine Einigung über die Rettung Zyperns erzielt werden konnte.

Erste Erfolge der Neuausrichtung

Nachdem der Münchner Telefonhersteller Gigaset im Jahr 2012 einen Verlust ausweisen musste, soll im laufenden Geschäftsjahr wenigstens ein Betriebsgewinn erzielt werden. „2012 war das Jahr, in dem wir aufgeräumt haben. Im laufenden Jahr geht es nun darum, die Neuausrichtung, die wir begonnen haben, konsequent umzusetzen. Und da sind wir gut auf Kurs“, sagte Vorstandschef Charles Fränkl der „Süddeutschen Zeitung“.

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1 KOMMENTAR

  1. Für Zypern brechen in jedem Fall neue Zeiten an; wie diese im Einzelnen aussehen werden, bleibt offen. Sicher ist indes eins: „Kapital ist flüchtig“ und die großen Vermögen werden kurzfristig umgeparkt.Erleichterung sieht anders aus.

    Allerdings ist Zypern jetzt keine Option mehr für Oligarchen – jedenfalls bis auf weiteres. Über Kapitalabflüsse hatten bereits verschiedene Medien berichtet, so z.B. die FAZ: „Allein in der vergangenen Woche könnten also Geldvermögen in Milliardenhöhe aus Zypern abgeflossen sein, obwohl die zyprische Notenbank eigentlich eine Sperre ausgesprochen hatte“, konstatierte die renommierte FAZ.

    Und die Oligarchen setzten jetzt noch eines drauf: Alexey Voloboev, im Ölgeschäft und seit 7 Jahren in Zypern: „Die Russen werden Zypern definitiv verlassen! Ich selbst werde nach London oder Edinburgh ziehen. Die Insel wird eine Katastrophe erleben, wenn sie all das russische Geld verliert.“
    Zypern verbleibt im Euro-Währungsverbund: eine Beschlussfassung, auf die harte und ebenso verhasste Währung, den Euro, verzichten zu wollen, konnte oder wollten die Parlamentarier auf Zypern offensichtlich nicht fassen. Über das Zahlungsverkehrs-System „Target“ wurden auflaufenden Verbindlichkeiten der zyprischen Notenbank gegenüber der Europäischen Zentralbank im Volumen von ca. 100 bis 200 Millionen Euro – Tendenz anteigend – erfasst. Und zwar täglich. In den vergangenen Tagen sei, nachdem das Parlament das Stabilisierungsprogramm zunächst hatte scheitern lassen, der tägliche Wert auf mehr als das Doppelte gestiegen, kommentierte die FAZ.

    Der politische Amoklauf Zyperns fand zwar jetzt ein vorläufiges, glückliches Ende – bevor der EU-Inselstaat völlig handlungsunfähig wurde. Hilfe kommt von der EU und dem IWF, ansonsten kam von keiner anderen Institution Hilfe, wie nicht anders zu erwarten gewesen war.

    Die „Option Russland“ platzte wie eine große Seifenblase: der zyprische Finanzminister Michalis Sarris reiste vollmundig mit viel Pressegefolge nach Russland. „Er wolle dort solange bleiben, bis er eine Verhandlungslösung mit Russland in der Tasche habe“, erklärte er sinngemäß über die Medien und startete „als Löwe“ – um „als Bettvorleger“ zu landen. Die weniger tatsächlichen Machthaber im engsten Regierungszirkel in Moskau verwehrtem dem krisengeschüttelten EU-Mitglied Zypern neue Finanzhilfen. „Die Verhandlungen sind beendet!“, vermeldete bereits am Freitag die Nachrichtenagentur Interfax und Berufung auf den russischen Finanzminister Anton Siluanow: Es gebe kein Interesse an den Vorschlägen des zyprischen Finanzministers Michalis Sarris.

    Zypern musste allen laufstarken Unkenrufen zum trotz wieder mit der EU verhandeln. EU-Währungskommissar Olli Rehn forderte, die Verhandlungen zwischen der zyprischen Regierung und internationalen Geldgebern müssten bis zum gestrigen Abend abgeschlossen sein. Die Gruppe der Euro-Finanzminister setzte die finalen Beratungen auf Punkt 18:00 Uhr an, zugleich letzte Chance der politischen Akteure auf Zypern die Verhandlungen über das 5,8 Milliarden Euro umfassende Spar-Beitragspaket abzuschließen.

    Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler, hat in einer vertraulichen Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Bundestags auf die hohen Schwarzgeldsummen aus Russland bei zypriotischen Banken hingewiesen, vermeldet die Agentur „Die Presse.“ Laut dem Protokoll der Sitzung, das in einem ersten Entwurf dem „Handelsblatt“ (heutige Montagsausgabe) vorliegt, hat der BND nicht an Einzelfällen gearbeitet, sondern „systematische Faktoren“ über in Zypern angelegtes russischen Geld aus Geldwäsche und Schwarzgeld zusammengestellt. Diese Faktoren, so Schindler vor den Bundestagsabgeordneten, „geben uns zu denken“. So seien etwas 40 % der Nettogeldabflüsse aus Russland Schwarzgeld oder „aus Geldwäsche entstanden“, schreibt das „Handelsblatt“ vorab. Insgesamt seien aus Russland 2012 rund 40 Milliarden US-Dollar abgeflossen, davon ein großer Teil nach Zypern – und dort umgeparkt.

    Nach Sachstand des BND soll auf zypriotischen Banken noch ein Volumen in der Größenordnung verblieben sein, welches höher ist, „als das Bruttosozialprodukt von Zypern insgesamt“.

    Am Finanz-Gau gerade noch vorbei gekommen: „Den größten Unfall haben die Euro-Finanzminister gerade noch verhindert“, kommentiert heute „Spiegel-Online“;

    • Zypern erhält das Rettungspaket im Volumen von über 10 Milliarden Euro (EU/IWF);
    • Good Bank und Bad Bank: Die zweitgrößte Bank der Insel, Popular Bank oder Laiki-Bank, wird abgewickelt;
    • Vermögen von mehr als 100.000 Euro werden zur Sanierung des Finanzsektors herangezogen und den Betroffenen drohen somit hohe Verluste. Auf Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro soll bei der marktführenden Bank of Cyprus eine Zwangsabgabe von „etwa 30 %“ erhoben werden.

    Angeblich will Russland jetzt doch noch einen Beitrag zur Rettung des EU-Krisenstaates Zypern leisten, berichtet FOCUS unter Bezugnahm auf Interfax. Wladimir Putin habe die Regierung angewiesen, die Bemühungen der Eurogruppe zu unterstützen, so die letzte aktuelle Meldung. Die internationalen Finanzmärkte bleiben indes gelassen. An den Börsen schossen die Kurse am heutigen Montag sogar nach oben. Der deutsche Aktienindex nimmt mit gefühlter Leichtigkeit freundlich gestimmter Angeleger und Investoren die Marke von 8.000 Punkten; die Aktienhausse des laufenden Geschäftsjahres 2013 scheint demnach nichts entgegen zu stehen; andere Analysten reagieren vorsichtiger und prognostizieren ein schwieriges Jahr mit hoch-volatilen Märkten.
    Sandro Valecchi

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