GDF SUEZ: Schlafender Energieriese mit Turnaround Potenzial

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Bildquelle: Pressefoto Gazprom

Für langfristig orientierte Investoren mit einem Fokus auf wertorientierte Titel (auch Value-Investing genannt) bietet das französische Versorgungsunternehmen GDF SUEZ S.A. momentan spannende jedoch auch riskante Möglichkeiten. Gerade erst am 28.02 hat das Unternehmen in Paris seinen Jahresabschluss für 2012 veröffentlicht. Aufgrund außerordentlicher Abschreibungen auf Unternehmenswerte von ca. 2 Mrd.€ blieb der Unternehmensgewinn von 1,55 Mrd.€ jedoch hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Viel wichtiger, und wie bereits von bekennenden Value-Investoren wie Max Otte beschrieben, ist jedoch hingegen das Umsatzwachstum. Vor allem auf lange Sicht macht sich eine Steigerung der Erlöse bezahlt, da Gewinne häufig von einzigartigen Ereignissen beeinflusst werden können. GDF SUEZ ist hier ein Paradebeispiel. Lediglich durch außerordentliche Abschreibungen wurde der Gewinn deutlich gedrückt. Das Umsatzwachstum des Energieunternehmens konnte jedoch deutlich überzeugen und sorgte an den Märkten für Überraschung. Durch zu hohe Kosten und die sich immer noch auswirkende schwache Konjunktur, wie bereits durch die beschriebenen Sonderabschreibungen, konnte das hohe Umsatzwachstum jedoch leider nicht in steigende Gewinne umgemünzt werden. Dadurch befindet sich das Unternehmen momentan in einer Phase der Umstrukturierung. Kosten sollen drastisch eingespart und unrentable Sparten aufgegeben werden. Nun bleibt hier abzuwarten ob der Président Directeur Générale (CEO) Gerard Mestrallet, die von ihm angekündigten Maßnahmen in den sogenannten Übergangsjahren 2013/2014 vollziehen kann.


Wenn man sich nun einmal die fundamentalen Zahlen anschaut, können Anleger auf der Suche nach Value-Titeln jedoch aufhorchen. Mit einem aktuellen KBV von 0,57 ist das Unternehmen deutlich unterbewertet. Konkurrenz-Unter-nehmen wie (s. Peergroup-Analyse) die E.ON oder Iberdrola notieren zwar ebenso sehr niedrig jedoch sticht GDF SUEZ hier nochmals deutlich heraus. Gerade in den letzten Monaten wurde die Aktie auf Talfahrt (s. Grafik) geschickt und konnte sich zum CAC40 nicht halten. Daher bietet das Unternehmen gerade in einem aktuell niedrigen Zinsumfeld mit momentan ca. 9,80% Dividendenrendite eine sehr attraktive Beteiligung am Unternehmenserfolg, was bei jedem Dividendenjäger für Aufmerksamkeit sorgen sollte. Gerade in Zeiten geringer Inflation, wie momentan mit 1,5%, verspricht das Unternehmen daher eine gute Verzinsung des eingesetzten Kapitals.

Im weiteren Vergleich mit der Konkurrenz sticht das Unternehmen ebenso heraus. Mit einem Wachstum des EBITDA von +3,6% übertrifft es die internationale Konkurrenz, die eine durchschnittliche Steigerung von 2,4% aufweist mit 1,2 Prozentpunkten. Auch der europäische Energiesektor erreichte im Durschnitt lediglich ein Wachstum im Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von +3,5%. Somit konnte GDF SUEZ auch im heimischen Markt übertreffen.

Peergroup-Analyse 2013e

 

GDF Suez Iberdrola RWE E.ON
KBV 0,57 0,73 0,99 0,65
KGV 10,82 9,96 7,26 10,00
KCV 3,62 4,42 2,99 3,70
Ergebnis pro Aktie 1,35 0,40 3,98 1,31
Dividendenrendite in% 10,20% 7,65% 7,01% 5,63%

 

Das politische Umfeld, im momentan von der sozialistischen Partei um François Hollande regierten Frankreich, erschwert das Agieren im heimischen Markt jedoch deutlich. Durch die Deckelung der Gaspreise beispielsweise ist das Unternehmen dazu gezwungen seine Preise monatlich anzupassen, was eine sichere Kalkulation der Einnahmen erschwert. Des Weiteren ist die wirtschaftliche Lage um Frankreich meiner Meinung nach deutlich schlechter, als es z.B. die Zinsen der Staatsanleihen darstellen. Bereits viele große Investoren, wie u.a. auch Warren Buffett haben dies erkannt, und daher dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein bis auch die Grande Nation, mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit einschließlich der Rating Agenturen geraten wird. Somit ist das Unternehmen dazu angehalten, den Nach-fragerückgang im heimischen und europäischen Markt durch das Wachstum in den Schwellenländern auszugleichen.

Durch ein geringes Kurs-Cashflow Verhältnis beweist die Aktie eine starke Ertragskraft und bietet somit ein weiteres Indiz für einen günstigen Einstiegskurs, was ja bereits ein KBV von aktuelle 0,57 untermauert. Allerdings arbeitet die Gesellschaft auch daran ihre stark gestiegenen Verbindlichkeiten abzubauen. Dies ist unabdingbar, will man auch in Zukunft handlungsfähig bleiben und Wachstumschancen in den Emerging Markets nutzen. Somit Plant GDF SUEZ S.A. unter anderem eine Reduktion der Nettoverschulung bis Ende 2014 um 30 Mrd. €!

Hier stellt sich nun also die Frage, ob das Unternehmen den Turnaround schafft. Daher ist die Aktie sicher eher als langfristige Anlage für Dividendenjäger zu empfehlen, die Beachtung auf einen wertorientierten Titel legen und der alten Kostolany-Weisheit Glauben schenken, dass der Hund dem Herrchen stets hinter her rennt. Im übertragen Sinne also der Kurs der Aktie, der im Laufe der Zeit zum eigentlichen Wert des Unternehmens aufschließen wird. Aufgrund der Umstrukturierung und stark gestiegener Verbindlichkeiten handelt es sich um ein Investment mit jedoch auch moderaten Risiken, das einen langen Atem benötigt. Schaut man sich die aktuelle Bewertung jedoch, an wird der Titel an der Börse momentan immerhin mit 68% Sicherheitsmarge zum inneren Wert des Unternehmens gehandelt. Für Value-Investoren also die Gelegenheit, wie es Warren Buffett sagen würde 1$ für (fast) 0,50$ zu kaufen.

Ihr Andreas Meyer

Andreas Meyer ist momentan Student der internationalen Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Finanzwirtschaft in Frankreich. Dadurch erlernt er das Funktionieren von Unternehmen, sowie der Finanzmärkte im generellen von der Pike auf. Mit dem weltweiten Geschehen an den Börsen beschäftigt er sich jedoch bereits  seit seinem 16. Lebensjahr. Praktische Erfahrungen konnte er schon im Derivategeschäft, sowie im Asset Management gewinnen. Des Weiteren hat Andreas Meyer neben dem Studium mit der Gründung von A.M. Capital Research den Weg in die Selbstständigkeit angetreten. A.M. Capital Research beschäftigt sich professionell mit der Analyse der Finanzmärkte und von Unternehmen im Einzelnen speziell mit dem Schwerpunkt aufs „Value-Investing“.

Bildquelle: Pressefoto Gazprom


3 KOMMENTARE

  1. Ich sehe auch nicht, warum energeversorger langfristig so sstark unter dem buchwert notieren sollten, das unterstellt massive verluste. selbst ein kleiner gewinn ist noch ein gewinn und mittelfristig werden diese unternehmen ihre daseinsberechtigung auch behaupten.

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