Wochenrückblick KW 7: DAX in Wartestellung, Deutsche Telekom unter Druck

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Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse

Am deutschen Aktienmarkt läuft es derzeit nicht rund. Während die US-Märkte durch positive Konjunkturdaten immer wieder nach oben gepusht werden, senkt sich in Europa der Mehltau der Euro-Krise wieder über die Stimmung. Doch nicht nur die Konjunktur bereitet hier Sorgen. Auch die mögliche Einführung der Finanztransaktionssteuer bereitet immer mehr Anlegern Kopfzerbrechen. Denn was soll ein 10mal so hoher Steuersatz auf den Aktienhandel, wenn Derivate (die ja sooooo verteufelt wurden) mit nur 0,01 Prozent Steuersatz belohnt werden? Die Logik dahinter kann nur lauten: Aktien sind böse, lasst euch von den Banken übers Ohr hauen (Stichwort Lehman-Zertifikate). In Deutschland kommt noch ein grandioses Scheitern eines Börsenneulings hinzu. Der Leuchtenhersteller Hess (WKN A0N3EJ) hat nach nicht mal einem halben Jahr auf dem Parkett Insolvenz angemeldet – wegen Bilanzfälschung etc. Zu Anfang hatte ich den Umfang etwas unterschätzt, mittlerweile scheint jedoch klar zu sein, dass das Unternehmen nicht so ohne weiteres überleben wird. Lead Manager und Sole Bookrunner beim damaligen Börsengang war übrigens die Landesbank Baden-Württemberg. Der Schaden für den IPO-Standort Deutschland dürfte wohl nachhaltig sein. Ob nach der LEG Immobilien (WKN LEG111) dieses Jahr noch ein weiteres Unternehmen den Gang aufs Parkett wagen wird?
Womit auch ein holpriger Übergang zur T-Aktie (WKN 555750) gelungen wäre. Die einstige Volksaktie scheint immer mehr aufs Abstellgleis zu geraten. Trotz der noch immer attraktiven Dividendenrendite, wird das operative Geschäft nicht leichter. Die Fusion von T-Mobile USA mit Metro PCS steht vor großen Hürden, die wohl nicht so schnell überwunden werden können. Zudem erwächst vielleicht bald mit der Kombination aus Vodafone (WKN A0J3PN) und Kabel Deutschland (WKN KD8888) ein veritabler Konkurrent in sämtlichen Geschäftsfeldern heran. Alles keine guten Aussichten für den Ex-Monopolisten, weshalb der Aktienkurs sich zuletzt in Richtung 8 Euro bewegte. Gute Nachrichten sind hier dringend gesucht, ansonsten steht hier bald ein neues Allzeittief auf dem Kurszettel – nicht unbedingt gerechtfertigt, aber wo nur schlechte Nachrichten zu Hause sind, vertreibt man eben auch den letzten Käufer.

Der DAX und sein Chart

Der DAX bietet weiterhin Spannung. Wie wir in unserem Ausblick DAX schreiben, droht unter der Haltezone im Bereich von 7.600 Punkten ein Test des Jahrestiefs der Vorwoche bei 7.537. Erst bei einem Sprung über das Hoch dieser Woche bei 7.737, sind kurzfristig weitere Kurssteigerungen zu erwarten.

Einzeltitel aus Deutschland

Unter den DAX-Titeln stand vor allem die Commerzbank-Aktie (WKN 803200) unter Beobachtung. Doch auch die Bilanzvorlage brachte nichts neues. Die Commerzbank bleibt ein Short-Kandidat.
Deutlich besser läuft das Geschäft dagegen bei HeidelbergCement (WKN 604700). Der Baustoffkonzern hat, wie viele andere DAX-Konzerne, in den vergangenen Jahren sehr stark auf den Ausbau des Geschäfts in den Schwellenländern gesetzt und sich so immer unabhängiger vom europäischen Heimatmarkt gemacht. Besonders im Zuge der Euro-Krise und der wachstumsschädigenden Sparprogramme der europäischen Regierungen, zeigen sich nun die Vorteile dieser Strategie. Gleichzeitig wären auch die Heidelberger betroffen, wenn das chinesische Wachstum nicht wie erhofft wieder anziehen und der US-Aufschwung aufgrund der Haushaltsstreitigkeiten ins Stocken geraten würde. Mehr dazu hier.
Der Stuttgarter Autobauer Daimler (WKN 710000) zeigte mit den Geschäftszahlen für das Jahr 2012 einmal mehr, dass er im Premiumsegment der Automobilbranche insbesondere auf der Ergebnisseite gegenüber den deutschen Konkurrenten BMW und der Volkswagen-Tochter Audi ins Hintertreffen geraten ist. Allerdings konnte die einstmals unangefochtene Nummer eins bei den Oberklasse-Automobilen gleichzeitig auch einige erfreuliche Ergebnisse präsentieren und könnte mit einer neuen Strategie für den wichtigen chinesischen Automobilmarkt bei den Anlegern Hoffnungen auf Besserung wecken. Mehr dazu hier.
Die zweite Reihe, sprich der MDAX, hatte in der vergangenen Woche ebenfalls zum Teil sehr positive Meldungen zu bieten. Der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger (WKN 590900) konnte starke Zahlen für 2012 und Erfolge beim Konzernumbau vermelden. Zudem soll die Dividende erhöht werden, was die Attraktivität der Aktie sicher weiter erhöht.
Charttechnisch sieht es im MDAX aktuell für zwei Werte besonders gut aus: Den Profiküchenausrüster Rational (WKN 701080) und das Chemieunternehmen Wacker Chemie (WKN WCH888). Letzerer ist auch aus fundamentalen Gründen durchaus spannend zu beobachen, wie wir hier schreiben.
Mit Dürr (WKN 556520) gibt es zudem eine weitere spannende MDAX-Aktie. Dort wurde vergangene Woche wieder einmal ein neues Jahreshoch markiert. Damit wächst rund eine Woche vor Veröffentlichung der nächsten Quartalszahlen die Chance auf weitere Kursgewinne. Die Dreistelligkeit ist dabei nicht mehr ausgeschlossen, wie wir hier schreiben.
Zum Schluss noch ein Blick in den SDAX. Als ob die Euphorie rund um den niedersächsischen Saatgutproduzenten KWS Saat (WKN 707400) nicht schon hoch genug gewesen wäre, konnte das Unternehmen nun dank eines „hervorragenden“ ersten Geschäftsquartals die Umsatz- und Ergebnisprognose für das am 30. Juni 2013 endende Geschäftsjahr nach oben schrauben. Damit könnte der steile Anstieg des Aktienkurses weitere Nahrung erhalten. Wie wir bereits in unserer Reihe „Aktien 2013“ berichtet hatten, verspricht diese Trendaktie aus dem SDAX weiterhin eine solide Performance für jedes Depot.
Der Rohstoffhunger in der weltweiten Wirtschaft wächst immer weiter. Da jedoch immer tiefer gegraben werden muss um die wertvollen Rohstoffe an die Oberfläche zu holen, wachsen auch die Ansprüche an die Schienensysteme, die für eine reibungslose Mobilität in den Minen dieser Welt sorgen sollen. Das SDAX-Unternehmen SMT Scharf (WKN 575198) hat sich dabei auf entgleisungssichere Bahnsysteme spezialisiert und eine weitere Erfolgsgeschichte für die deutschen Nischenanbieter geschrieben. Mehr dazu hier.
Zwar konnte die Beteiligungsgesellschaft GESCO (WKN A1K020) nach neun Monaten im laufenden Geschäftsjahr (Ende März) nicht ganz an den hohen Vorjahreswert beim Konzernergebnis herankommen, jedoch konnte einmal mehr der Umsatz nach oben geschraubt werden. Gleichzeitig ist der etwas geringere Gewinn auf die Kosten im Zuge einiger Unternehmensübernahmen zurückzuführen, womit die Gewinne in Zukunft wieder steigen sollten. Mehr dazu hier.
Bei der angeschlagenen Baumarkt-Kette Praktiker (WKN A0F6MD) bleibt es spannend. Am Montag kündigte der SDAX-Konzern den Rückzug aus dem Türkei-Geschäft an. Man will das Geschäft im In- und Ausland zu alter Ertragsstärke zurückführen. Dabei könne man sich dauerhafte Verlustbringer nicht leisten, heißt es dazu vom Unternehmen. Praktiker nimmt den Konzernumbau sehr ernst und scheut auch harte Schnitte nicht. Dem Kurs kann dies eigentlich nur nutzen.
Im TecDAX hat sich der Solartechnikhersteller SMA Solar (WKN A0DJ6J) für das laufende Jahr das ehrgeizige Ziel gesetzt schwarze Zahlen zu schreiben. Zu diesem Zweck will das Unternehmen insbesondere bei den Herstellungskosten sparen. Ob der große Wurf jedoch angesichts des anhaltenden Preisverfalls in der Branche gelingen kann, bleibt abzuwarten, wie wir hier schreiben.

Internationale Einzelwerte

International richtete sich der Blick wieder einmal auf die Apple-Aktie (WKN 865985). Gerüchte über die iWatch machten mal wieder die Runde und die Anlegerschar schaute mal wieder auf die Kultaktie. Doch charttechnisch sieht es düster aus – auch wenn fundamental die Aktie immer billiger wird. Dennoch könnte die Aktie noch billiger zu haben sein…ein Kursziel unter 400 Dollar muss nicht unrealistisch sein.
Dass die Bäume auch für den weltweit größten Nahrungsmittelkonzern Nestlé (WKN A0Q4DC) nicht unendlich weit in den Himmel wachsen, zeigte sich nun anhand der Ergebnisse für das abgelaufene Geschäftsjahr. Insbesondere das organische Wachstum fiel weniger stark aus als in den Jahren zuvor. Allerdings zeigten die Ergebnisse, dass die Bäume für Nestlé eben weiterwachsen. Trotz der leichten Abschwächung des Wachstums konnten die Schweizer allerdings im Rahmen der eigenen Erwartungen bleiben. Die Aktie ist im Hausse-Modus.
Der Bergbauriese Rio Tinto (WKN 852147) musste in der vergangenen Woche eine unrühmliche Premiere feiern, denn erstmals seit der Zusammenlegung der australischen und britischen Aktivitäten im Jahr 1995 schrieb der Bergbaukonzern rote Zahlen. Für den ausgewiesenen Nettoverlust von 2,99 Mrd. US-Dollar waren insbesondere hohe Abschreibungen auf das Kohlegeschäft in Mosambik und das Aluminiumgeschäft verantwortlich. Mehr dazu hier.

Wochenvorschau: Unternehmenstermine

In Sachen Quartalszahlen stehen in der kommenden Woche wieder zahlreiche Veröffentlichungen auf der Agenda stehen. So berichten u.a. Bertrandt, TAG Immobilien (Montag); Deutsche Börse, Dell und Marriott (Dienstag); BHP Billiton, Crédit Agricole, IAMGOLD, Kabel Deutschland, Raiffeisen und Tesla Motors (Mittwoch); AIG, Hewlett-Packard, Hertz Global, Newmont Mining, Swatch, Swiss Re und Wal-Mart (Donnerstag); Abercrombie & Fitch (Freitag).

Wochenvorschau: Konjunkturdaten

In Sachen Konjunkturdaten richtet sich der Blick am Dienstag auf die ZEW-Konjunkturerwartungen (Februar). Am Mittwoch folgen die Erzeuger- und Verbraucherpreise (Januar), bevor am Donnerstag die vorläufigen Daten zu den Einkaufsmanagerindizes im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor (Februar) bekannt gegeben werden. Am Freitag stehen die detaillierten Ergebnissen zum deutschen BIP (viertes Quartal) und der ifo-Geschäftsklimaindex (Februar) auf der Agenda.
Am Montag werden die Daten zur Euroland-Leistungsbilanz (Dezember) veröffentlicht, bevor am Dienstag die europäische Produktion im Baugewerbe (Dezember) folgt. Am Mittwoch steht schließlich das europäische Verbrauchervertrauen (Februar) auf der Agenda. Am Donnerstag wiederum folgen noch einige europäische Einkaufsmanagerindizes (Februar).
In den USA findet am Montag aufgrund des Presidents Day kein Börsenhandel statt. Wichtige Konjunkturdaten sind die Erzeugerpreise (Januar) und die Fed-Minutes am Mittwoch. Am Donnerstag folgen schließlich die Verbraucherpreise (Januar) und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.

Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse


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