Rohstoffe im Fokus: WTI und Brent nähern sich an – eine Anlegerchance(?)

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Bildquelle: Pressefoto Shell

Bis zum Jahr 2010 haben amerikanisches WTI- und europäisches Brent-Öl nahezu gleichviel gekostet. Neben den hohen Lagerbeständen aufgrund der fehlenden Pipelinekapazitäten gibt es auch noch andere Ursachen für die große Lücke zwischen den Preisen. Einige Analysten gehen nun davon aus, dass sich der Spread im Laufe des Jahres auf etwa 10 Dollar verringern wird – WTI soll dann etwa 115 Dollar kosten — und damit 20 Dollar mehr als aktuell. Eine Chance für Anleger.

WTI und Brent gehören zu den Referenzsorten für Öl. Sie sind relativ leicht und haben einen niedrigen Schwefelgehalt, sie sind deshalb ideal, um sie zu Benzin zu raffinieren. Ihre Bedeutung zeigt sich auch in den verschiedenen Rohstoffindizes:

Zuletzt hat sich die Bedeutung der einzelnen Sorten mehr in Richtung Brent verschoben. Im GSCI-Total-Return-Index wurde die Gewichtung von 16 Prozent auf 22 Prozent erhöht, während die von WTI von 33 Prozent auf 25 Prozent verringert wurde, dennoch hat WTI immer noch eine große Bedeutung. Durch das sogenannte Fracking kam es zu einem Überangebot an WTI und zu einem großen Preisunterschied der beiden Ölsorten, der jetzt verringert werden soll.

Die Sache mit dem Fracking…

Fracking bezeichnet die Förderung von Erdöl und Erdgas, bei der in Tiefbohrungen eine Flüssigkeit („Fracfluid“) eingepresst wird, um im Gestein Risse zu erzeugen, aufzuweiten und zu stabilisieren. Dadurch wird die Gas- und Flüssigkeitsdurchlässigkeit der Gesteinsschicht erhöht, so dass Fluide wie Erdgas, Erdöl oder Wasser nun leichter zur Bohrung hin fließen können. Damit kann bei der Förderung von Erdöl und Erdgas die Wirtschaftlichkeit der Förderung erhöht werden. Wussten Sie das folgende?

In der US-Kleinstadt Cushing im amerikanischen Oklahoma staut sich seit mehreren Jahren das Erdöl Amerikas. Denn dort fließt nahezu alles Öl zusammen, das auf dem nordamerikani-schen Kontinent gefördert wird, doch der Abfluss in Richtung Küste und Häfen ist zu gering. Die in den 80er Jahres des letzten Jahrhunderts gut ausgebaute Pipeline-Infrastruktur war einst der Grund, warum Cushing zum offiziellen Auslieferungszentrum für leichtes Rohöl in den USA wurde.

Durch das Fracking konnten bisher ungenutzte Gas- und Erdölquellen aus-gebeutet werden, was besonders im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten zu einem wahren Boom geführt hat, so hat sich alleine in North Dakota die Produktion von Öl aus Schiefer-sanden im vergangenen Jahr verdreifacht. Zudem wird auch mehr Öl aus Kanada importiert, da die Ausbeutung der Ölsande durch die steigenden Erdölpreise rentabler ist als bislang. Das führt dazu, dass es mittlerweile ein Überangebot an Öl in den Vereinigten Staaten gibt. Anstatt es von Cushing aus zu verteilen, musste nun ein Großteil des Öls in Richtung des nächsten Hafens nach Freeport bei Houston in Texas transportiert werden. Dafür waren allerdings keine ausreichenden Pipeline-Kapazitäten vorhanden.

Viele Gründe für Spread

Das wurde ab 2010 zu einem großen Problem, als sich immer mehr Öl staute. Seitdem wurden mehrere Lager neuerbaut, um das Öl aufzufangen – aktuell lagert mit etwa 52 Millionen Barrel so viel Öl wie nie zuvor in Cushing. Um den Stau aufzulösen, wurde zunächst die Fließrichtung der Seaway-Pipeline umgekehrt. Wo früher Öl von Houston nach Cushing floss, fließt es heute von Cushing nach Houston, dabei reichte die Kapazität nicht aus. Daher wurde eine Parallelpipeline zur Sea-way gebaut und damit die Transportkapazität von 140 000 Fass am Tag auf über 400 000 Fass fast verdreifacht. Dennoch würde es trotzdem immer noch ein halbes Jahr dauern, um die Lager in Cushing zu leeren, vorausgesetzt, dass kein neues Öl nach Cushing fließt. Des-halb soll die Kapazität bis 2015 abermals verdoppelt werden, um die Lager wieder entleeren zu können.

Neben den hohen Lagerbeständen aufgrund der fehlenden Pipelinekapazitäten gibt es auch noch andere Ursachen für die große Lücke zwischen den Preisen. So gab es 2010 eine hohe Nachfrage nach Öl in Asien, vor allem in China. Da es aus Amerika nicht transportiert werden konnte, griffen die Käufer auf Brent zurück — auch die räumliche Nähe zu Asien spielt dabei eine Rolle. Ebenso wurde in Europa mehr Brent-Öl nachgefragt, da die Lieferungen aus Liby-en wegen des Bürgerkriegs ausblieben. Die Versorgung ist nun wieder stabil — und damit die Nachfrage nach Brent niedriger. Deshalb gehen viele Analysten davon aus, dass sich der Preis zwischen Brent und WTI wieder annähert und der Spread somit verringert wird. Während er im Herbst des Jahres 2011 bei knapp 30 Dollar lag, hat er sich mittlerweile auf etwa die Hälfte bei 15 Dollar halbiert. Einige Analysten gehen davon aus, dass sich der Spread im Laufe des Jahres auf etwa 10 Dollar verringern wird – WTI soll dann etwa 115 Dollar kosten — und damit 20 Dollar mehr als aktuell.

Mit Alpha- und Discount-Zertifikat auf den Spread setzen

Anleger könnten nun nicht nur auf fallende und steigende Preise setzen, sondern auch auf den Preisunterschied zwischen WTI- und Brent-Öl. So gibt es sogenannte „WTI long/Brent short“-Zertifikate:

Damit setzen Investoren auf einen steigenden WTI-Preis und einen gleichzeitig sinkenden Brent-Preis — also einer Verkleinerung des Spreads zwischen beiden Erdöl-Sorten. Von einer möglichen Spread-Verengung, also einer Verringerung des Preisunterschiedes der beiden Ölsorten, können Anleger mit Alpha-Zertifikaten profitieren. Diese Produkte kombinieren jeweils ein Long-Investment in den S&P GSCI WTI Crude Oil Excess Return Index mit einem Short-Investment in den S&P GSCI Brent Crude Excess Return Index mit einem Hebel von eins oder drei.

Anleger können also mit oder ohne Hebelwirkung darauf setzen, dass sich der Spread zwischen den beiden Ölsorten wieder verringert. Es gibt natürlich auch Produkte für die umgekehrte Bewegung – also für Anleger, die künftig mit einer Ausweitung des Spreads rechnen. Entscheidend für eine positive Rendite des Investors ist allerdings, dass die relative Wertentwicklung des Long-Investments höher ausfällt als die des Short-Investments, dabei ist außerdem zu beachten, dass mögliche Rollverluste die Preisentwicklung der Zertifikate teils erheblich beeinflussen können.
Weitere Informationen zu den Alpha-Zertifikaten finden Sie hier, zum Discount-Zertifikat WTI Future 11/2013, welches aktuell einen Discount von über 7% und eine noch maximal mögliche Rendite p.a. von 7,50% aufweist, mit der WKN SG3HY7 der Société Générale gelangen Sie hier.

Bildquelle: Pressefoto Shell


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