Deutsche Bank-Bilanz: …und foodwatch hat mal wieder was zu sagen

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Ich habe bewusst in den vergangenen Wochen nichts zum Thema Deutsche Bank (WKN: 514000), Nahrungsmittel-Spekulation, foodwatch und der lieben Frau Aigner geschrieben. Hatte zwar eine große Rechereche betrieben, aber leider nicht die Zeit dieses im Blog umzusetzen. Doch heute kann ich nicht anders:

Da präsentiert Deutschlands größte Bank ihre Bilanz und die Jungs von foodwatch nehmen natürlich das zum Anlass, um mal wieder was dazu zu sagen. Ich bin aber auch nett, und gebe Ihnen einmal hier die Plattform. Jeder User darf sich selbst mal ein Bild machen, wie Pressearbeit ala „aus der Hüfte geschossen“ betrieben wird.

Diese PM ging heute von foodwatch um 9:43h raus, da war die Bilanzpräsentation der Deutschen Bank noch gar nicht zu Ende:

foodwatch zu Deutsche Bank / Bilanz / Nahrungsmittelspekulation

Berlin (ots) – Zur heute vorgelegten Bilanz der Deutschen Bank erklärt Thilo Bode, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch:
„Aus der Jahresbilanz wird klar, warum die Deutsche Bank an der Nahrungsmittelspekulation festhält: Würde sie die unverantwortliche Zockerei beenden, fielen ihre Zahlen noch schwächer aus. Dass Jain und Fitschen um des guten Geschäfts willen Hungerleidende und Hungertote in Kauf nehmen, nennt man im Deutsche-Bank-Deutsch wohl peanuts.
Fest steht: Könnten diejenigen, die durch spekulationsbedingt gestiegene Lebensmittelpreise in den Hunger getrieben werden, die Deutsche Bank wegen Körperverletzung vor Gericht verklagen, dann ging es bei der Vorstellung der Bilanz nicht nur um Rückstellungen wegen diverser Prozessrisiken – denn dann hätte die Deutsche Bank längst Insolvenz anmelden müssen.“

Herrlich. Mehr hatte foodwatch nicht zu sagen. 827 Zeichen schnell versandt. Anders gesagt: Was für ein Riesen-Quatschkram! Allein dieser Satz:
„Aus der Jahresbilanz wird klar, warum die Deutsche Bank an der Nahrungsmittelspekulation festhält“.

Man hätte ja auch mal die betreffenden Stellen aus der Bilanz gleich mitliefern können in der PM, wäre schön gewesen. Ging nicht? War wohl zu schwer in der kurzen Zeit es rauszusuchen – die PM musste ja schließlich zeitnah zur Bilanzveröffentlichung der Deutschen rausgehen.
„Fest steht: Könnten diejenigen, die durch spekulationsbedingt gestiegene Lebensmittelpreise in den Hunger getrieben werden, die
Deutsche Bank wegen Körperverletzung vor Gericht verklagen, dann ging es bei der Vorstellung der Bilanz nicht nur um Rückstellungen wegen diverser Prozessrisiken – denn dann hätte die Deutsche Bank längst Insolvenz anmelden müssen.“

Was für eine Polemik ist das denn? Wer in Deutschland wirklich das Ziel verfolgt, dass Nahrungsmittelspekulation ein Ende hat – der sollte bitte als eingetragener Verein etwas anders agieren. So, das war es erst einmal wieder mit „Plattform-geben“ für foodwatch.
Bin gespannt, was für Anmerkungen aus Berlin kommen…

2 KOMMENTARE

  1. Hallo Herr Scherbaum,

    das wird ja ein regelmäßiger Dialog auf dieser Seite und zu diesem Thema!

    Schade, dass Sie trotz Ihrer umfangreicher Recherche, zu der wir in der vergangenen Woche ja auch mit Material beitragen konnten, nichts von dem in Ihren Text einfließt, was wir Ihnen zur Verfügung stellten.

    Schade, dass Sie schreiben: „Mehr hatte foodwatch nicht zu sagen“, aus unserer Presseerklärung aber gerade den Verweis auf „mehr“ wegschneiden, bevor Sie sie hier in Ihrem Blog wiedergeben. Dem geneigten Leser sei gesagt, dass eine Kommentierung der hochspekulativen Finanzprodukte auf Basis von Agrarrohstoffen der Deutschen Bank keineswegs „aus der Hüfte“ erfolgt, sondern (u.a.) auf Basis eines rund 90-Seiten starken Reports, der die Studienlage und Erfahrungen aus der Praxis zusammenträgt (auf den in der oben zitierten Presseerklärung auch verwiesen wurde: http://www.foodwatch.de/report-spekulation). Weitere Studien, die nach Erscheinen unseres Reports publiziert wurden, habe ich Ihnen per E-Mail genannt – Sie gehen darauf nicht ein. Stattdessen halten Sie sich daran auf, dass wir das Festhalten der Deutschen Bank an der Agrarspekulation kommentieren, bevor bei ihrer Bilanzpressekonferenz in Frankfurt die letzten Häppchen vertilgt worden sind. Nun gut. Die entscheidenden Bilanzzahlen, auf die wir Bezug nehmen, waren zu diesem Zeitpunkt jedem, der sie kennen wollte, längst bekannt.

    Dass Sie eine andere Meinung zu den Auswirkungen der Nahrungsmittelspekulation haben als foodwatch sie vertritt, bedauern wir natürlich, aber das ist ja völlig legitim. Schade aber, dass Sie das Thema so einseitig darstellen. Als „Leitsatz“ für Ihre Arbeit versprechen Sie: „Unsere Beiträge sind neutral, kritisch und fundiert recherchiert“ – gleichzeitig führen Sie Unternehmen aus der Finanzindustrie in Ihrer Kundenliste auf. Wie neutral lässt sich da über ein Thema berichten, das diese Kunden betrifft? Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass Sie zumindest die Quellen und Argumente der anderen Seite darstellten, dann kann sich tatsächlich jeder selbst ein Bild machen. Wir stellen Ihnen auch weiterhin gerne das Material zur Verfügung, dass uns zu unserer Sicht der Dinge veranlasst.

    Viele Grüße, Martin Rücker/foodwatch

  2. @Martin Rücker:
    „Schade, dass Sie schreiben: “Mehr hatte foodwatch nicht zu sagen”, aus unserer Presseerklärung aber gerade den Verweis auf “mehr” wegschneiden, bevor Sie sie hier in Ihrem Blog wiedergeben.“
    –> Ich habe sogar auf den GESAMTEN FEED von foodwatch im Beitrag verlinkt, mehr geht nicht. So konnte zumindest der User hier ALLES von Ihnen lesen.

    Und Zum Thema „gleichzeitig führen Sie Unternehmen aus der Finanzindustrie in Ihrer Kundenliste auf.“
    –> Es ist mir als Journalist durchaus möglich, mit dem Finger auf jemanden (auch unsere Kunden) zu zeigen, nur machen wir es nicht so pr-orientiert wie manch andere…

    Dennoch finde ich es sehr schön, dass Sie hier geantwortet haben, wenngleich sich die besagte PM in sich überhaupt NICHT auf ihre Reports (zu denen es auch kritische Stimmen aus der Wissenschaft gibt..) bezogen hat. Und noch eines an dieser Stelle gesagt: Ich möchte keinen Kleinkrieg mit foodwatch beginnen, sondern lediglich aus meiner Sicht auf eine manchmal zu „offensive“ PR-Arbeit aufmerksam machen.

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