Dow Jones: Fiskal-Klippe bremst

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Da sitzt man nun als Investor am letzten Tag des Jahres 2012 vor dem Monitor und fragt sich, was Demokraten und Republikaner in den USA nun schon wieder treiben.

Dow im Bann der Fiskal-Klippe und unter GD200

Darüber scheint auch der Dow Jones Industrial mehr als verwundert zu sein. Schließlich ist er am vergangenen Freitag – allerdings unter geringen Umsätzen – unter den von institutionellen Investoren stark beachteten gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Tage gefallen. Mit einem Schlusskurs von 12.938 Zählern liegt er nun zumindest spürbar unter dem GD200, der bei 13.014 Punkten verläuft.

Uns interessieren solche “klassischen” Durchschnitte zwar nur am Rande, aber ich denke, dass der Hinweis durchaus seine Berechtigung hat, schließlich gibt es genug Investoren, die darauf achten.

Nun der Blick auf den Point&Figure-Chart mit der Kästchengröße von 100 Punkten, einem Reversal von 3 und dem 10 und 20er GD:

DOWXundO31122012

Point&Figure Dow: Leicht angeschlagen

(Chart vergrößert sich durch Anklicken)

Mit dem aktuellen Rücksetzer hat sich der amerikanische Leitindex dem 10er GD massiv genähert. Er hat ihn noch nicht klar unterschritten, das wäre bei 12.900 der Fall. Der 20er GD verläuft aktuell bei rund 12.700 Zählern und ist damit noch nicht in Gefahr. Was allerdings ein wenig Anlass zu Sorgen gibt, ist die Tatsache, dass der Dow in dieser kurzfristig zu verstehenden Charteinstellung ein aktives Verkaufssignal aufweist, dass am 7. November durch Unterschreiten von 12.900 Punkten generiert wurde. Das horizontale Kursziel betrug hier 12.500 und wurde bereits am 15. 11 erreicht und unterschritten. Das vertikal berechnete Ziel liegt mit rund 10.200 Zählern deutlich tiefer.

Was machen wir denn jetzt aus diesem Chartbild?

Zuerst einmal das Wichtigste:

Wer nicht grade zur Klasse der “Hardcore-Glücksritter” gehört, sollte auf jeden Fall abwarten, was Demokraten und Republikaner erarbeiten. Das wird auch keine lange Geduldsprobe werden, schließlich tickt die Uhr. Kommt bis heute (31.12) bis Mitternacht keine Einigung zu Stande, werden die US-Steuern automatisch erhöht und eine weltweite Rezession droht.

Da ich ja –erstaunlicherweise- immer noch an den gesunden Menschenverstand glaube, gehe ich von einer Einigung aus, die dieses Szenario verhindert.

Achtung: Aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass dann die Bullen jubilieren können.

Und hier kommt die Marke von 12.900 ins Spiel. Sollte diese fallen, dürften wir einer Wiederholung der zweiten November-Woche sehen, die den Dow bis unter 12.400 trieb. Darüber zu spekulieren, ob sich dann dort ein Boden bildet, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch zu früh. Ein Rückeroberung der 13.050 und damit ein Überschreiten des am Anfang des Artikels erwähnten GD 200 wäre hingegen ein bullishes Signal. Ich werde hier auf jeden Fall den Schlusskurs am kommenden Mittwoch abwarten, bevor ich Dispositionen tätige.

Ich weiß nicht, was Sie nun tun. Ich zumindest werde nun die letzten Besorgungen für die anstehende Silvester-Party erledigen.

Mit bleibt nun noch, Ihnen und Ihren Lieben einen guten Rutsch und ein frohes Neues Jahr zu wünschen.

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Ihr Jörg Mahnert

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1 KOMMENTAR

  1. United States „Fiscal Cliff“ 2012/2013: US-Präsident Obama sucht Last Minute Deal

    Bis zum 31.12.2012 sind US-Präsident B. Obama und die Spitzen der US-Republikaner aufgerufen, eine Einigung im Streit um das Rekord-Haushaltsdefizit zu finden, wenn nicht mit Wirkung zum 01.01.2013 ein neuer Haushaltsnotstand die Vereinigten Staaten in Richtung Rezession abdrängen sollte. Aller Voraussicht nach werden die Vereinigten Staaten zum 31.12.2012 ihr derzeitiges Schuldenlimit von 16,4 Billionen US-Dollar erreichen, prognostiziert US-Finanzminister Timothy Geithner.

    Dieser politische Prozess einer Zitterpartie wird als „Fiskal-Klippe“ bzw. United States „fiscal cliff“ bezeichnet: In the United States, the „fiscal cliff“ refers to the economic effects that could result from tax increases, spending cuts and a corresponding reduction in the US budget deficit beginning in 2013 if existing laws remain unchanged. The deficit—the difference between what the Government takes in and what it spends—is projected to be reduced by roughly half in 2013.

    Worum geht es hierbei genau?

    Unter United States „fiscal cliff“ wird eine steuerliche Klippe verstanden, in der eine Reihe von Steuererleichterungen in Form verschiedener Gesetze mit Wirkung zum 31. Dezember 2012 (Mitternacht) auslaufen, was 2 umfangreiche Folgen hat:

    Einmal natürlich für die Bürger in Form von Steuererhöhungen für die „durchschnittlichen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen“; zum anderen für den Staat und selbstverständlich auch für die Wirtschaft (Ausgabenkürzungen für staatliche Programme und Folgen im Hinblick auf das Haushaltsgesetz 2011).

    Demnach kommt es unweigerlich in den USA zu Steuererhöhungen infolge des Ablaufs der Steuererleichterungen und zum Anstieg der Arbeitslosigkeit (Insurance Reauthorization Job Creation Act 2010), weil bisherige Regelungen auslaufen.

    Diese bisherigen Steuererleichterungen stammen noch aus der Regierungszeit des vorherigen US-Präsidenten G. W. Bush. Diese Steuervorteile aus der Bush-Ära werden um Mitternacht am 31. Dezember 2012 auslaufen. Aktien oder andere Wertpapiere könnten ggfs. kurzfristig am kommenden Montag veräußert werden, weil viele Finanzexperten glauben, dass die langfristigen Kapitalgewinne durch neue Steuersätze aufgezehrt werden könnten, weil prognostiziert wird, dass etwa 8% im kommenden Jahr der Steuer zum Opfer fallen würden und zwar unabhängig von jeglichen Kompromiss, der mit dem US-Kongress möglicherweise noch in letzter Minute erreicht werden könnte.

    Und weil dieser Last Minute Deal noch nicht in Sichtweite ist, wird die Verunsicherung weiter verstärkt. Experten versuchen zu beruhigen: „Natürlich bedeutet dies nicht, dass Sie jetzt alle Ihre langfristigen Beteiligungen liquidieren sollten …“ (Of course, this doesn’t mean that you should necessarily liquidate all of your long-term holdings for the sole purpose of paying a lower tax rate on the sale; this can deprive you of future gains that you may need for retirement or other expenses).

    Dies markiert zugleich das politische Dilemma: US-Präsent Obama muss einerseits den Staatshaushalt der USA zukunftsfähig machen, eine Mammutaufgabe; anderseits muss er mit der Republikanischen Partei und deren Splittergruppen einen Kompromissfinden, wohlwissend, das die US-Republikaner an den Steuervorteilen aus der Bush-Ära festhalten wollen. Eine schier paradoxe Situation: die verfassungsmäßig begrenzte Staatsschuldenobergrenze der Vereinigten Staaten wurde erst im Sommer 2011 (Budget Control Act 2011) angehoben, erhebliche Einschnitte in den Verteidigungshalthalt und in den medizinischen Versorgungssektor (Medicare) wären unvermeidlich und würden sogar ab 01.01.2013 automatisch erfolgen.

    Darauf reagiert US-Präsident B. Obama mit seinem großen Optimismus, der ihn zum Hoffnungsträger und Präsidenten machte – und ihm die zweite Amtszeit einbrachte. Er sei jedenfalls weiter optimistisch, dass noch vor Ablauf der Frist zum Jahresende eine Einigung mit beiden Häusern des Kongresses erzielt werden könne.

    Was bewegt sich bei den Republikanern?

    Diese hatten allen Ernstes vorgeschlagen, dass die Bush Steuersenkungen in ihrer Gesamtheit ausgedehnt werden könnten. Im August 2012 schätzte CBO, dass die Ausweitung dieser Steuersenkungen für die Zeit von 2013 bis 2022 etwa $ 3180000000000 ausmachen würden – auf die Staatsverschuldung, bestehend aus $ 2740000000000 in Form entgangener Steuereinnahmen plus weitere $ 0440000000000 für Zinsen und Schuldendienst Kosten.

    Am 3. Dezember 2012 schlug John Boehner einen Plan der Republikanischen Partei vor, der im Volumen von $ 2200000000000 Defizit-Einschnitte über einem Jahrzehnt enthalten hat. Einnahmen würden vor allem durch Senkung der Steuern und Aufwendungen (Ausnahmen und Abzüge) generiert werden.

    Immerhin: Eine erstaunliche Mehrheit der Amerikaner (über 75%) erhielt bisher eine Steuerrückerstattung, wenn sie ihre Steuererklärung jedes Jahr eingereicht hatten. Die durchschnittliche Steuererstattung entspricht damit etwa $ 3.000. Dies ging bislang ganz eindeutig zu Lasten des Staatshaushaltes und führte zur explosionsartigen US-Staatsverschuldung.

    Die Republikaner wollten eine Erhöhung des Medicare Regelaltersgrenze von 65 auf 67 und eine Verlangsamung bzw. Anpassung der Aufwendungen für die soziale Sicherheit durch die Reduzierung der Lebenshaltungskosten.

    Am 18. Dezember 2012 kündigte Boehner an, dass ein neuer „Plan B“ die Steuersätze für diejenigen erhöhen sollte, die mehr als eine Million US-Dollar verdienen p.a. Am 20. Dezember 2012 wurde klar, dass die Mehrheit der in sich zerstrittenen Republikaner diesen Plan nicht unterstützt und Boehner seinen Vorschlag zurückziehen musste. Dessen ungeachtet zeigt aktuell der republikanische Minderheitsführer, Mitch McConnell, Zuversicht.

    Ohne Einigung steigt die Steuerbelastung automatisch um rund 536 Milliarden US-Dollar. Von diesen Erhöhungen sind fast alle US-Bürger betroffen. Für viele Amerikaner wird damit zum Jahresende 2012 die Steuererklärung und die weitere Finanzplanung eine heikle Angelegenheit, wenn sie ihre Steuerersparnis für die kommenden Jahre maximieren wollen.
    Sandro Valecchi

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