Die Sache mit der Konjunktur – die EZB, die Pfandbriefe und die BIP-Prognose

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am heutigen Donnerstag mal wieder für viel Gesprächsstoff an den Finanzmärkten gesorgt. Neben der erwartungsgemäß ausgebliebenen Änderung des historisch niedrigen Leitzinsniveaus standen vor allem die Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung und Details zu dem am 7. Mai angekündigten Rückkauf von Pfandbriefen (Covered Bonds) im Fokus.

Nachdem die Leitzinsen bei nur noch 1,00 Prozent stehen, musste sich die EZB etwas einfallen lassen. Um nicht wie die US-Notenbank Fed Staatsanleihen aufkaufen zu müssen und damit die Geldmenge noch weiter ansteigen zu lassen, hat man sich auf den Aufkauf von Pfandbriefen verständigt. Dazu gab es heute nun einige Details. Die Notenbank will dabei Pfandbriefe bester und guter Bonität im Wert von insg. bis zu 60 Mrd. Euro aufkaufen. Das Programm beginnt im Juli 2009 und endet spätestens im Juni 2010. Die jeweilige Emission soll dabei einen Umfang von mind. 100 Mio. Euro bzw. im Idealfall 500 Mio. Euro haben. Das Rating wurde für den Regelfall mit „AA“ angegeben. Im schlechtesten Fall aber geht eine Emission bis „BBB-„/“Baa3“. Die relevante Laufzeit wurde mit zwischen drei und zehn Jahren angegeben. Alles in allem spricht man zurecht von einem „neuen geldpolitischen Kapitel“ (Handelsblatt). Wie man irgendwann wieder aus dem Markt gehen will bleibt nämlich noch offen.

Zudem hat die EZB ihre Prognosen zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts nach unten angepasst. Alles in allem beurteilt die EZB die Lage nach dem verheerenden ersten Quartal 2009 nicht mehr ganz so dramatisch. Für die kommenden Quartale werden nun weniger harte Rückschläge erwartet. Ab Mitte 2010 soll es dann wieder positive Signale geben. Für 2009 gehen die Notenbänker dennoch von einem BIP-Rückgang in der Eurozone zwischen 5,1 und 4,1 Prozent aus. Für 2010 wird nun ein BIP-Wachstum von -1,0 Prozent bis +0,4 Prozent erwartet. Bei der Inflationsrate erwartet die Notenbank für 2009 in einen Wert von durchschnittlich 0,3 Prozent. Im Jahr 2010 soll die Inflationsrate bei 1,0 Prozent liegen.

Das wir mit dem ersten Quartal 2009 vielleicht schon das schlimmste hinter uns gebracht haben, lässt sich heute bspw. auch anhand der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen zum Eisenbahngüterverkehr ablesen. Zwar schrumpfte der deutsche Eisenbahngüterverkehr in den ersten drei Monaten 2009 um 21,2 Prozent auf 74,7 Millionen Tonnen Güter. Allerdings zeigte innerhalb des Zeitraums von November 2008 bis März 2009 der Januar mit –27,9 Prozent die schlechtesten Werte, im Februar und März hat sich der Rückgang mit –20,6 Prozent beziehungsweise –14,8 Prozent wieder abgeschwächt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Lage derzeit wirklich ernst ist, wir aber das gröbste wohl schon hinter uns haben. Zumindest was den konjunkturellen Abschwung angeht. Dass sich der Aufschwung an den Börsen daher weiter fortsetzen wird, sehe ich derzeit dennoch n och nicht. Zwar werden an der Börse immer Erwartungen gehandelt, aber die sind ja nun mal überhaupt nicht rosig. Das Jahr 2009 wird für viele Unternehmen richtig schlecht ausfallen. Und dies sehe ich aktuell überhaupt nicht eingepreist. Angenommen einige Blue-Chips überraschen in den kommenden Wochen mit Gewinnwarnungen, dann dürfte die Stimmung auch auf breiter Anlegerfront wieder kippen. Besonders der Sommer dürfte nochmal richtig spannend werden. Derzeit tauchen in der Presse ja nur schon seit langem kränkelnde Unternehmen (Karstadt, Opel) auf. Die Krise macht sich aber auch bei „gesunden“ Unternehmen durchaus drastisch bemerkbar. Man sollte also Augen und Ohren offen halten.


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