DAX Charttechnik: Ein bisschen schwarzer Freitag

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Der berühmte Fondsmanager Peter Lynch brachte es einst auf den Punkt: Die Liste der Eigenschaften, die man als Anleger haben sollte, umfasst Geduld, Selbstvertrauen, gesunden Menschenverstand, Leidensfähigkeit, Offenheit, Hartnäckigkeit, Bescheidenheit, Flexibilität, die Bereitschaft Fehler einzugestehen und die Fähigkeit, allgemeine Panik zu ignorieren“.

Panik? Ja, das ist dieses Gefühl, das entsteht, wenn die breiten Medien aus einer Mücke einen Elefanten machen. So titelte Spiegel-Online am Donnerstag „Eurozone rutscht in die Rezession“. Die Begründung: Das Bruttoinlandsprodukt der 17 Mitgliedsstaaten verschlechterte sich im dritten Quartal – und jetzt halten Sie sich bitte fest – um -0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das ist ungefähr so, als wenn Sie normalerweise 3.000 Euro monatlich verdienen und plötzlich sind es nur noch 2.997 Euro – nicht wirklich bedrohlich.

Aber zurück zum Markt: Nach genau 50 Handelstagen haben wir heute wieder die 6 an vorderster Stelle im DAX gesehen. Auffällig dabei: Der Privatanleger-Index der Börse Stuttgart scheint wieder genau ins Schwarze getroffen zu habe. Denn wie schon im März fand der DAX auch diesmal sein Top als die Masse der Anleger auf die Long-Seite wechselte. Mit 9.8 Punkten ist die Stimmung so gut wie seit April nicht mehr. In den vergangenen Wochen waren deshalb vor allem Calls gefragt. Tendenziell spricht der „starke“ Optimismus allerdings aus technischer Sicht gegen eine mögliche Jahresendrallye, da Sentiment-Indikationen immer negativ interpretiert werden. Hier lautet der Grundsatz: Auf lange Sicht verliert die Masse.

Für uns war die Handelswoche im DAX-Daytrading ein Wechselbad der Gefühle. Nach einem Gewinntrade von 88,51 Prozent (Long) am Freitag, konnten wir am Dienstag 81,69 Prozent mit einem schnellen Short-Engagement erzielen. Der zweite Short-Trade folgte direkt am Mittwoch, doch dieser wurde ärgerlich ausgestoppt als wir den Stop-Loss zur Gewinnsicherung nachgezogen haben.

Übrig blieb ein kleines Plus von 17,39 Prozent. Den Dämpfer gab es am heutigen Freitag. Long hieß die Devise, weshalb wir vorbörslich ein Kauflimit bei 6.975 Punkten platziert haben. Dieses hat der DAX mustergültig abgearbeitet. Der Stop wurde dementsprechend auf den Einstandspreis nachgezogen. Über 7.000 Zähler kam der DAX im Tagesverlauf im ersten Anlauf nicht hinaus. Er ging erneut in die Knie, „fischte“ unseren Stop ab und orientierte sich erst dann wieder nach oben – ärgerlich.

Wie weit es aber noch nach unten gehen kann, bleibt schwierig abzuschätzen. Denn auf die Kurse drücken derzeit auch politische Probleme (Stichwort: US-Fiskalklippe). Eine rasche Einigung zwischen Demokraten und Republikaner scheint noch nicht in Sicht. Und in Europa weigert sich Spanien weiter konsequent Hilfen zu beantragen. Damit sind auch der EZB die Hände gebunden. Im Endeffekt sind positive Nachrichten im Augenblick nur schwer zu finden. Wir bleiben daher unserer Linie treu und sind weiter darauf bedacht bei unseren Trades das Risiko schnellstmöglich aus den Positionen zu nehmen. Das hat zwar die Folge, dass man manchmal ärgerlich „abgefischt“ wird, ist aber auf langfristige Sicht der einzige Weg zum Erfolg. Unser Musterdepot verbesserte sich in dieser Woche auf eine Gesamtperformance von 85,94 Prozent seit Dezember 2011 … was sagte Peter Lynch noch gleich über „Bescheidenheit“?

Sebastian Hoffmann ist Trading-Analyst bei Prime Quants. Dort ist er vor allem für die Intraday-Analysen, die Handelssysteme und die Trading-Services verantwortlich.


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