Baumärkte als Konjunkturindikator – was machen Praktiker, Hornbach und Co?

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Die Krise hat viele Gesichter

Über die Krise gibt es ja derzeit viele Berichte. Ist sie nun vorbei oder erst noch am Anfang? Wenn man da heute den Auftragseingang im Maschinenbau sieht, könnte man erst vom Anfang der Krise ausgehen. So teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit, dass der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau im April 2009 um real 58 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres lag. Aber das ist nur ein Indikator unter vielen. Gestern zeigten die deutschen Verbraucherpreise das erste Mal seit 1987 Preisstabilität. Von daher ist es interessant wie es bei den Unternehmen direkt aussieht.

Baumärkte als Konjunkturindikator

Spannend sind da immer die Baumärkte, denn hier lässt sich vieles erkennen. Zum Einen können viele Kurzarbeiter die freie Zeit nutzen um notwendige Renovierungen und sonstige Arbeiten selbst zu tun – dies würde den Umsatz ankurbeln. Auf der anderen Seite sorgt die krisenbedingte Verunsicherung dafür, dass nur wirklich allernotwendigste Reparaturen – selbst – durchgeführt werden. Aber lassen wir mal die beiden börsennotierten Branchengrößen Praktiker und Hornbach zu Wort kommen.

Praktiker bedingt optimistisch

Im Rahmen der gestrigen Hauptversammlung äußerte sich Wolfgang Werner, Vorstandsvorsitzender der Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte Holding AG, nur bedingt optimistisch:

Eine Prognose über den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2009 wollte Werner – wie schon auf der Bilanzpressekonferenz und im Rahmen der Berichterstattung über das erste Quartal – nicht abgeben. Stattdessen bekräftigte er die Erwartung des Managements, dass „wir auch bei einem rückläufigen Umsatz noch ein angemessenes positives Ergebnis erzielen können“. Was sich inzwischen allerdings deutlicher abzeichne als noch vor zwei Monaten sei eine „tektonische Verschiebung im geschäftlichen Fundament der Praktiker Gruppe“, die gar nicht so nachteilig wäre: „nämlich dass sich das Deutschland-Geschäft 2009 stabiler entwickelt als das internationale Geschäft und daher einen etwas höheren Anteil zum Umsatz und Ertrag des Konzerns beisteuern dürfte, als in den Jahren zuvor“.

Hornbach ebenfalls nicht euphorisch

Auch Albrecht Hornbach, der Vorstandsvorsitzende der HORNBACH HOLDING AG, klang auf der gestrigen Bilanzpressekonferenz in Frankfurt nicht euphorisch:

Albrecht Hornbach sieht „vorsichtig optimistisch“ in die Zukunft. Allerdings, so der Vorstandsvorsitzende, sei die Prognosebasis wegen der Wirtschaftskrise durch erhebliche Unsicherheiten belastet. HORNBACH begegne diesen Unsicherheiten mit einer im Vergleich zur Vergangenheit defensiveren Unternehmensplanung. „Unser oberstes Ziel ist dabei die Flexibilität in der Unternehmenssteuerung sowie die Sicherung der Liquidität und Ertragskraft im Gesamtkonzern der HORNBACH HOLDING AG.“

Für das laufende Geschäftsjahr sind zwei Neueröffnungen geplant. Bereits im März eröffnete in Rumänien in Brasov die dritte HORNBACH-Filiale. Voraussichtlich zum Jahresende wird in Galgenen im Großraum Zürich (Kanton Schwyz) der fünfte Markt in der Schweiz eröffnet. Auf Ebene des Gesamtkonzerns rechnet Albrecht Hornbach im Geschäftsjahr 2009/2010 mit einem Umsatzanstieg „im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich“.

Zur Ergebnisprognose heißt es in dem heute veröffentlichten Geschäftsbericht 2008/2009, im laufenden Geschäftsjahr (2009/2010) seien nach 50 Mio. Euro im Vorjahr keine bedeutenden Veräußerungsgewinne aus Immobilientransaktionen geplant. Aus diesem Grund werde 2009/2010 das Betriebsergebnis (EBIT) im Gesamtkonzern der HORNBACH HOLDING AG auf einen positiven Wert deutlich unter dem Niveau des Geschäftsjahres 2008/2009 zurückgehen.

Große Kaufzurückhaltung ist ausgeblieben

Somit zeigt sich, dass bei beiden Konzernen die Krise zwar angekommen ist, aber dennoch die große Kaufzurückhaltung ausgeblieben ist. Eigentlich ein gutes Zeichen, denn damit offenbart der (deutsche) Konsument doch mehr Zuversicht, als ihm eigentlich zugetraut wird. Ich will jetzt keinen grenzenlosen Optimismus verbreiten, aber dennoch auch auf die positiven Signale, die es immer wieder gibt hinweisen. Die Praktiker-Aktie und die Hornbach-Aktie dürften daher weiter im Fokus der Anleger stehen.


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