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Standortproblem Börsengänge: Nun sagt auch Rheinmetall den KSPG-Börsengang ab

Der deutsche Börsenstandort hat ein gewaltiges Problem. Innerhalb weniger Monate haben drei große Unternehmen ihren Börsengang abgesagt. Heute gab der MDAX-Konzern Rheinmetall (WKN 703000) bekannt, dass er für einen überschaubaren Zeitraum keine Voraussetzungen für einen Börsengang seiner Autosparte KSPG sieht. Und das ganze trotz zuletzt positiver ESM-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, QE3 der Fed und neuer Hochs bei DAX und Co.

Nach den Rückziehern von Evonik im Juni und Talanx am Mittwoch folgte nun am heutigen Freitag der Automobilzulieferer und Rüstungskonzern aus Düsseldorf. In einer kurze Erklärung heißt es: „Aufgrund der nach wie vor hohen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten innerhalb der Eurozone sieht Rheinmetall für einen überschaubaren Zeitraum keine Voraussetzungen für einen Börsengang seiner Automotive-Sparte KSPG. Der IPO von KSPG bleibt aber eine Option für die Zukunft, wenn mit Blick auf die Märkte das erforderliche Maß an nachhaltiger Stabilität gegeben ist.“ Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt wird zudem mit den Worten zitiert: „Wir stehen unter keinem Zeitdruck, weil die Unternehmensentwicklung mittelfristig auch ohne einen Börsengang von Automotive gesichert ist. Wir konzentrieren uns jetzt voll auf die weitere Performancesteigerung unserer beiden Unternehmensbereiche.“

So bleibt man als Anleger und Marktbeobachter ratlos zurück. Auf was für ein Börsenklima wollen die Unternehmen denn noch warten? Deutliche bessere Bedingungen als mit Geld geflutete Märkte gibt es eigentlich nicht. Für den Börsenstandort Deutschland ist die heutige Absage jedenfalls die zweite Klatsche innerhalb weniger Tage und gleicht einer Bankrotterklärung. Selbst bei einem DAX von jenseits der 7000er Marke traut sich kein namhaftes deutsches Unternehmen an den Kapitalmarkt. Banken sind offenbar nicht in der Lage hier ihrer Aufgabe entsprechend als Mittler zwischen Unternehmen und Kapitalgebern zu agieren. Das einzige Segment was derzeit boomt sind Mittelstandsanleihen. Doch so lukrativ die ein oder andere Anlage hier auch ist: Eine Unternehmensanleihe ist eben kein gleichwertiger Ersatz für Aktien. In einem guten Portfolio braucht es beide Anlageklassen. Doch neue Aktien sind in Deutschland rar – leider.


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