Die neue Investment-Wortschöpfung: (So ein) MIST

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Einige Investoren glauben, dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) bald in den Schatten treten und das Feld den so genannten MIST-Ländern (Mexiko, Indonesien, Südkorea und Türkei) überlassen könnten. Doch es könnte verfrüht sein, die führenden Schwellenländer abzuschreiben und den wirtschaftlichen Erfolg der Nachzügler auszurufen.

BRIC als Synonym für Wirtschaftswachstum

Schwellenländer zeichnen sich durch ein hohes Wirtschaftswachstum, eine geringe Staatsverschuldung und eine junge, nach Erfolg strebende Bevölkerung aus. Daher haben viele Investoren in den vergangenen Jahren die Emerging Markets für ihre Portfolios entdeckt. Damit die Erfolgsgeschichte der Schwellenländer für westliche Investoren noch greifbarer wurde, erfand der damalige Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jim O’Neill vor elf Jahren die Abkürzung BRIC. Er bescheinigte diesen vier Staaten die größten Wachstumschancen unter den Schwellenländern und eine zukünftig führende Position in der Weltwirtschaft. Von da an stand dieses Akronym stellvertretend für den wirtschaftlichen und politischen Aufstieg der Schwellenländer.

In der Folge wurde nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung in den BRIC-Staaten zu einem Erfolg, sondern auch die verschiedenen Anlage-Vehikel, die sich der Investition in diese Volkswirtschaften verschrieben hatten. Im Zuge ihrer wirtschaftlichen Entwicklung schafften es diese Länder, sich im Rahmen der G20 auf der weltweiten wirtschaftspolitischen Bühne Gehör zu verschaffen, während die Finanzmärkte immer mehr BRIC-Fonds auflegten, um von der rasanten Entwicklung in diesen Volkswirtschaften zu profitieren.

Doch in jüngster Zeit haben die BRIC-Staaten ein wenig von ihrem Glanz verloren. Denn beispielsweise hat sich die Wachstumsdynamik Chinas verlangsamt, seines Zeichens Wachstumsmotor der Weltwirtschaft. Aber auch Indien und Brasilien hinken mit ihrer wirtschaftlichen Entwicklung den hochgesteckten Zielen von Marktteilnehmern wie Jim O’Neill ein wenig hinterher. Russland beeindruckt zwar immer noch mit ordentlichen Wirtschaftswachstumsraten, jedoch schrecken die Rohstoffabhängigkeit des Landes und die unsichere Rechtslage viele Investoren ab, ihr Geld in dem flächenmäßig größten Land der Erde zu investieren.

Gehört MIST die Zukunft?

Aus diesem Grund gilt es, sich nach Alternativen umzusehen. Dabei sollen neue Wachstumsmärkte identifiziert werden, die die Erfolgsgeschichte der Emerging Markerts fortschreiben sollen – für den Fall, dass die BRIC-Staaten ihrer Vorreiterrolle nicht mehr gerecht werden können. Da man in der Finanzwelt sehr gerne mit markanten Begriffen oder Abkürzungen hantiert, fasste man auch die zukünftigen Stars bei den Schwellenländern unter einem einprägsamen Begriff zusammen. Dabei ist die Abkürzung MIST gerade für den deutschsprachigen Raum sehr unglücklich gewählt. MIST steht für die vier Staaten, die an den Erfolg der BRIC-Staaten herankommen und diesen womöglich sogar noch übertreffen sollen.

Ob dies gelingen kann, muss sich noch herausstellen. Die Frage nach den zukünftigen Wachstumschancen der MIST-Staaten kann nicht für die Länder-Gruppe als Ganzes beantwortet werden, da ihre Mitglieder alles andere als homogen sind. Somit ist bereits die Zusammenstellung dieser Gruppe fragwürdig, da Südkorea eher zu den Industriestaaten zu zählen ist als zu den Schwellenländern. Zudem weist das Land immer mehr Merkmale westlicher Industriestaaten auf, z. B. die alternde Bevölkerung und das schwächer werdende Wirtschaftswachstum.

Chancen und Risiken

In der Regel fallen die Ausschläge an den Aktienmärkten der Schwellenländer wesentlich deutlicher als an den Märkten in den USA oder Europa aus. Dies hat sich sowohl bei den jüngsten Aufschwüngen gezeigt, als auch bei den Abschwüngen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers oder den Turbulenzen infolge der Euro-Krise.

Daneben ist die Gefahr einer hohen Inflation in den Schwellenländern deutlich größer. Denn aufgrund des rasanten wirtschaftlichen Aufstiegs könnten sich in einigen Volkswirtschaften Überhitzungstendenzen anbahnen. Außerdem ist es gerade bei wenig entwickelten Volkswirtschaften zu beobachten, dass ein großer Teil des Einkommens der Bevölkerung für landwirtschaftliche Rohstoffe und Nahrungsmittel verbraucht wird. Wenn dann die weltweiten Nahrungsmittelpreise anziehen, wirkt sich dies vor allem in den Schwellenländern preistreibend aus. Eine solche Entwicklung kann zusätzlich die Inflation begünstigen.

Um einer höheren Inflation zu begegnen, könnten die regionalen Zentralbanken versucht sein, die Leitzinsen zu erhöhen, was sich jedoch negativ auf das Investitionsverhalten und das Wirtschaftswachstum dieser Länder auswirken würde. In einem solchen Fall könnte die Erfolgsgeschichte der Schwellenländer in Gefahr geraten.

Im speziellen Fall der MIST-Staaten sollten die möglichen Chancen und Risiken von Investitionen in diesen Ländern einzeln betrachtet werden, da sie teilweise deutliche Unterschiede aufweisen. Aufgrund dieser Heterogenität sollte man als Investor weniger einer weiteren Modeerscheinung folgen und diese Volkswirtschaften nicht aufgrund einer einprägsamen Abkürzung als Einheit betrachten.

Gehören Mexiko und Südkorea wirklich dazu?

Mexiko ist die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas. Trotzdem kann das Land immer noch mit ordentlichen BIP-Wachstumsraten punkten. Diese können zwar nicht mit denen der BRIC-Staaten mithalten, liegen aber deutlich über den Wachstumsraten der entwickelten Industriestaaten. Der IWF erwartet in diesem Jahr ein Anwachsen des mexikanischen BIP von 3,9 Prozent. 2013 soll die Wirtschaft immerhin noch um 3,6 Prozent wachsen. Zudem zeigt sich der mexikanische Aktienmarkt in diesem Jahr in positiver Stimmung. Der IPC-Aktienindex der Bolsa de Valores (BMV) legte seit Jahresbeginn um etwa 10 Prozent zu. Auf der anderen Seite hat das Land beispielsweise mit dem anhaltenden Drogenkrieg und der Korruption zu kämpfen. Außerdem wird die Wirtschaft vielfach von staatlichen und privaten Monopolen bestimmt. Genauso zeichnet Mexiko eine enge Verbundenheit zu der US-Wirtschaft aus. In Aufschwung-Phasen könnte dies durchaus verstärkend, jedoch könnte der derzeitige Rückgang bei der Wachstumsdynamik der US-Wirtschaft ebenso negative Effekte für die mexikanische Konjunktur mit sich bringen.

Ähnlich wie im Fall Mexikos hat auch Südkorea ein Niveau beim BIP erreicht, von dem aus keine hohen einstelligen Wachstumsraten wie in den Schwellenländern zu erwarten sind. Vielmehr überzeugt das Land mit einer im Vergleich zu den Schwellenländern sehr hohen politischen Stabilität. Zudem hat das Land im Vergleich zu anderen OECD-Ländern eine sehr niedrige Arbeitslosenquote. Jedoch zeigt Südkorea aufgrund seines hohen Entwicklungsstands bereits einige negative Merkmale entwickelter Industriestaaten, z. B. eine alternde Bevölkerung.

Türkei und Indonesien beeindrucken mit hohem Wirtschaftswachstum

Im Gegensatz zu Mexiko und Südkorea können die Türkei und Indonesien mit relativ hohen Wirtschaftswachstumsraten beeindrucken. Indonesien konnte in den vergangenen sieben Quartalen ein Wachstum von über 6 Prozent p. a. erreichen. Daneben punktet das größte muslimische Land der Welt mit einer jungen Bevölkerung und einer relativ stabilen politischen Situation. Zudem ist es mit knapp 238 Millionen Einwohnern das Land mit der viertgrößten Bevölkerung weltweit.

Mit 8,5 Prozent konnte die Türkei im vergangenen Jahr sogar noch ein höheres BIP-Wachstum verzeichnen. Damit soll aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstage erreicht sein. Denn laut Regierungsplänen soll die Wirtschaft von Platz 17 zur Nummer zehn der größten Volkswirtschaften der Welt aufsteigen. Das Pro-Kopf-Einkommen soll gleichzeitig von 10.525 auf 25.000 US-Dollar anwachsen. Allerdings hatte die Türkei zuletzt mit Inflationsraten von mehr als 10 Prozent zu kämpfen.

Fazit

Das Akronym BRIC wurde in den vergangenen zehn Jahren zu einem Synonym für den wirtschaftlichen Aufschwung der Schwellenländer. Doch es bleibt abzuwarten, ob den MIST-Staaten ein ähnlicher Erfolg gelingt. Außerdem dürfte es eher angebracht sein, die aufstrebenden Märkte einzeln nach ihren Chancen und Risiken zu betrachten. Genauso bietet es sich an, den Diversifikationsgrad zu erhöhen und in mehr als nur vier Länder zu investieren. Beispielsweise können Schwellenländerfonds wie der Fidelity Funds – Emerging Markets Fund A-USD die Wachstumschancen der Schwellenländer nutzen und gleichzeitig durch Investitionen in ein breites Portfolio von 100 bis 120 Titeln eine große Risikostreuung erreichen.

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Dabei verbindet das Fondsmanagement bei der Titelauswahl die Bottom-up-Strategie mit einem quantitativen Top-Down-Ansatz. Er ist für die regionale Länder- und Branchengewichtung zuständig. Bei der Unternehmensauswahl konzentriert sich das Fondsmanagement auf finanzielle Stärke, Rentabilität, Wachstumsaussichten, Cashflow und Unternehmensbewertungen. Außerdem wird eine Top-Down-Analyse angewendet, um Risiken zu minimieren und Parameter für die regionale Länder- und Branchengewichtung festzulegen.


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