Eine Draghi(sche) Show an den Märkten?

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Bildquelle: Pressefoto Europäische Zentralbank

Die Frage, ob die Sommer-Rallye an den Aktienmärkten eine Fortsetzung finden kann, dürfte sich zu einem großen Teil daran entscheiden, ob die Zentralbanken dem Ruf der Anleger nach weiteren Geldspritzen für die Wirtschaft in dem geforderten Maße nachkommen werden. EZB-Chef Mario Draghi scheint diese Erwartungen erfüllen zu wollen.

Notenbanken stehen bereit

Die Hoffnungen der Anleger auf weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen durch die internationalen Notenbanken haben an den Aktienmärkten zu einer Sommer-Rallye geführt. Bei dieser etablierte sich der deutsche Leitindex DAX wieder in der Region der psychologisch wichtigen Marke von 7.000 Punkten. Dabei werden die Erwartungen an weitere Geldspritzen für die Märkte genährt sowohl durch die angekündigten Staatsanleihekäufe der EZB als auch durch das Warten auf ein drittes Programm zum Ankauf von Staatsanleihen („QE3“) seitens der US-Notenbank Federal Reserve.

Zwar wurden die hohen Anlegererwartungen enttäuscht, die sich im Vorfeld der Rede des Fed-Chefs Ben Bernanke auf dem jährlichen Notenbanker-Treffen in Jackson Hole gebildet hatten. Jedoch löste dies trotzdem keine unmittelbaren Kursstürze an den Aktienmärkten aus. Obwohl Bernanke keine weiteren Stützungsmaßnahmen für die US-Wirtschaft ankündigte, machte er wieder klar, dass er und seine Notenbank zu ungewöhnlichen Maßnahmen wie dem häufig ins Spiel gebrachten „QE3“ bereit seien, wenn die ökonomischen Bedingungen diese erfordern würden.

Genauso wie die US-Notenbank Fed ist auch die EZB bereit, der Wirtschaft geldpolitisch unter die Arme zu greifen. Dabei kündigte EZB-Chef Mario Draghi bei der jüngsten Notenbank-Sitzung ein Kaufprogramm in unbegrenzter Höhe an. Mit diesem sollen Anleihen finanzschwacher Euro-Länder mit einer Laufzeit von einem bis drei Jahren angekauft werden können. Im Unterschied dazu waren die bisherigen Anleihekäufe der EZB im Umfang begrenzt. Allerdings soll es diese Hilfen nicht zum Nulltarif geben. Denn die betroffenen Länder müssen sich der strikten Kontrolle der Euro-Rettungsfonds unterwerfen.

Konjunktur schwächelt weiter

Aufgrund der weiterhin schwächelnden Konjunktur steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Notenbanken veranlasst sehen, Stützungsmaßnahmen durchzuführen. Beispielsweise gab es zuletzt erneut eine Eintrübung bei der Unternehmensstimmung im Euroraum zu vermelden. So ist der entsprechende Einkaufsmanagerindex im August weiter gefallen. Laut endgültigen Zahlen des Forschungsinstituts Markit ist der Index von 46,5 Punkten im Vormonat auf nun 46,3 Zähler abgerutscht. In einer ersten Schätzung war allerdings noch ein Wert von 46,6 Punkten ermittelt worden. Damit bleibt dieser Frühindikator weiter deutlich unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Gleichzeitig kann sich das bisherige Musterland Deutschland den Auswirkungen der schwächelnden Euroraum-Konjunktur immer weniger entziehen. Der ifo-Geschäftsklimaindex verzeichnete im August den vierten Rückgang in Folge. Der Frühindikator ist von 103,2 Punkten im Vormonat auf 102,3 Punkte gesunken. Volkswirte hatten allerdings nur mit einem Rückgang auf 102,7 Punkte gerechnet.

Fazit

Aufgrund der immer noch schwierigen konjunkturellen Lage in Europa und der damit verbundenen Risiken für die Weltwirtschaft wäre es angebracht, weiter Vorsicht walten zu lassen. Da diese Unsicherheiten weiter bestehen bleiben, sollte man sich auf wenig zyklische Blue Chips konzentrieren.

Bildquelle: Pressefoto Europäische Zentralbank


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