Talanx konkretisiert Börsenpläne – Noch im Herbst solls aufs Parkett gehen

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Etwas überraschend kam vor kurzem die Pressemitteilung, dass der Versicherungskonzern Talanx noch im Herbst an die Börse strebt. Das wäre voraussichtlich einer der größten Börsengänge der vergangenen Jahre. Geplant ist eine Platzierung von Aktien ausschließlich aus einer Kapitalerhöhung. Der Mittelzufluss soll zur Wachstumsfinanzierung und zur weiteren Stärkung der Kapitalbasis eingesetzt werden, so die Hannoveraner. Darüber hinaus wird Meiji Yasuda Life Insurance als strategischer Partner von Talanx eine seit November 2010 gehaltene nachrangige Wandelanleihe mit einem Volumen von 300 Mio. Euro im Zuge des Börsengangs zum Platzierungspreis in Talanx-Aktien wandeln. Talanx-Eigentümer HDI V.a.G. plant, dauerhaft Mehrheitsaktionär von Talanx zu bleiben. Zusätzlich zur Notierung an der Frankfurter Wertpapierbörse strebt Talanx eine Notierung an der Börse Hannover an.

Zu den Beweggründen für den aktuellen Schritt erklärte Talanx-Chef Herbert K. Haas: „Das Marktumfeld hat sich verbessert und Talanx ist bestens vorbereitet. Wenn die Rahmenbedingungen weiterhin stabil bleiben, wollen wir noch im Herbst an die Börse gehen. Dabei werden wir die Vorstellungen der Gesellschaft und unseres Eigentümers HDI V.a.G. ebenso im Blick haben wie die Perspektiven für unsere neuen Aktionäre. Unser gutes Ergebnis im ersten Halbjahr 2012 untermauert die Stärke des Konzerns, so dass wir unser Ziel eines erfolgreichen Listings in der aktuellen Marktsituation mit Zuversicht verfolgen.“

Der weltweit in rund 150 Ländern aktive Talanx-Konzern war im Jahr 2011, gemessen an den gebuchten Bruttoprämien, die drittgrößte deutsche und die elftgrößte europäische Versicherungsgruppe. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte Talanx Prämieneinnahmen in Höhe von rund 23,7 Mrd. Euro. Der Konzern ist in der Industrieversicherung, in der deutschen und internationalen Privat- und Firmenversicherung sowie in der Rückversicherung tätig. An der Hannover Rückversicherung AG (WKN 840221) ist Talanx mehrheitlich beteiligt.

Das erste Halbjahr 2012 schloss Talanx mit einem signifikanten Anstieg im operativen Ergebnis ab: In den ersten sechs Monaten des Jahres wurde ein operatives Ergebnis (EBIT) von 855 Mio. Euro erzielt und damit der Vorjahreswert nahezu verdoppelt. Das Konzernergebnis nach Minderheitenanteilen wuchs um 65 Prozent auf 354 Mio. Euro. Die gebuchten Bruttoprämien der Gruppe erhöhten sich im ersten Halbjahr 2012 im Vergleich zur Vorjahresperiode um rund 9 Prozent (währungskursbereinigt rund 7 Prozent) auf 13,6 Mrd. Euro.

In Bezug auf das angestrebt Wachstum erklärte der Versicherungskonzern, vorwiegend durch organisches Wachstum aber auch durch den selektiven Erwerb von Gesellschaften in den strategischen Zielmärkten Lateinamerika sowie Mittel- und Osteuropa wachsen zu wollen. Der Schwerpunkt liege dabei auf der internationalen Privat- und Firmenversicherung. In der Industrieversicherung will der Konzern die globale Präsenz weiter ausbauen. Talanx strebt insgesamt an, den Anteil der Prämieneinnahmen aus der internationalen Erstversicherung auf 50 Prozent der gesamten Erstversicherungsbruttoprämie zu steigern. Im Zuge der Umsetzung dieser Strategie hat Talanx zuletzt die polnischen Versicherungsgruppen TU Europa und TUiR Warta erworben. Beide Akquisitionen wurden vor wenigen Wochen abgeschlossen. Im Bereich Industrieversicherung baut der Konzern seine globale Präsenz durch jüngst eröffnete Niederlassungen in Singapur und Bahrain sowie durch ein neues Gemeinschaftsunternehmen in Indien aus.

Der Talanx-Börsengang könnte also durchaus spannend werden, wenngleich ein Teil von Talanx (Hannover Rück) ja bereits prominent auf dem Kurszettel platziert ist. Da noch offen ist, wie groß die für den Börsengang geplante Kapitalerhöhung sein wird, kann man über eine künftige Indexzugehörigkeit nur spekulieren. Aber der MDAX dürfte durchaus zu den Zielen gehören.


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