Charttechnik/DAX: Über 7000 – und wie geht es nun weiter?

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Was sich in den vergangenen Sitzungen zunehmend abzeichnete ist endlich Realität geworden: Der DAX ist zum ersten Mal seit Anfang April wieder über die Marke von 7.000 Punkten geklettert. Für den letzten Anstoß sorgten der chinesische Ministerpräsident und unsere Bundeskanzlerin, die beide Hoffnung auf weitere Maßnahmen der Notenbanken schürten. So sieht man in China aufgrund der abflachenden Inflation wieder Spielraum für geldpolitische Maßnahmen, während Angela Merkel betonte, dass Deutschland hinter dem Ansatz der EZB zur Verteidigung des Euro stehe. Der DAX hatte in dieser Woche bereits zuvor für Nervosität unter den Bären gesorgten, denn die von vielen Beobachtern erwartete Schwächephase im Bereich von 6.950 Punkten blieb schlichtweg aus. Der Index pendelte ganze sieben Tage in einem engen Korridor von nur 100 Punkten ohne eine klare Tendenz herauszubilden.

Auffällig war/ist das weiter sehr skeptische Sentiment, das sich bspw. im Euwax- Barometer ausdrückt. Kaum jemand scheint wirklich daran zu glauben, dass die Krise nun ein Ende finden könnte. Verständlich, denn es ist kaum abzuschätzen welcher Anteil der Aufwärtsbewegung auf das Konto der Notenbanken geht, zumal der Wirkungsgrad und Stabilisierungseffekt in den vergangenen Monaten nicht wirklich lange anhielt. Selten war es daher so schwierig der bullishen Charttechnik zu folgen und auf den Hausse-Express aufzuspringen. Mit Logik kann man diese Erholungsbewegung schlichtweg nicht erklären. Dabei sehen wir alle, dass die Aufwärtstrends klar intakt sind. Der Abstand zum GD200 ist mittlerweile bereits auf 9 Prozent angewachsen. Unter dem Strich ist es wohl eine Mischung aus dominierender Skepsis im Wissen, dass die Noten-banken im Notfall die Geldschleuse öffnen, gepaart mit extrem hohen Cashquoten seitens institutioneller Anleger, was die Kurse nach oben treibt – oder zumindest eine größere Reaktion abwärts verhindert.Bildschirmfoto 2012-08-17 um 16.07.54.png

Dennoch lassen sich durchaus charttechnische Argumente für das Lager der Pessimisten finden. So trifft der DAX oberhalb von 7.000 Punkten im Bereich von 7.075/7.090 Zähler bereits auf die nächste hartnäckige Hürde. Dort verläuft die erste 2011er-Abwärtstrendgerade, die stark bremsend auf die Erholung wirken dürfte. Im DAX-Daytrading versuchen wir dort unser Glück auf der Short-Seite, nachdem wir im August bislang vorwiegend die Füße stillgehalten haben. So eine Out-Phase kann manchmal wirklich an die Nerven gehen. Aber sei es drum, auch das gehört schlichtweg zum Geschäft. Erzwingen kann man an der Börse nicht.

Zu denken gibt aber weiter das skeptische Umfeld. So hatte der DAX im März sein Jahreshoch erst gefunden, als die Masse von „Short“ auf „Long“ wechselte. Davon sind wir aber noch meilenweit entfernt. Es könnte also durchaus sein, dass sich der DAX oberhalb von 6.900 Punkten – diese Zone wurde ja in den vergangenen Tagen ausgiebig auf den Prüfstand gestellt – festsetzt. Das Maß aller Dinge dürfte aber dennoch ein Anstieg bis 7.380/7.400 Zähler, also bis zur 2007er-Abwärtstrendgerade, bleiben. Ein weiteres Etappenziel liegt dazwischen bei 7.194 Punkten (bisheriges Jahreshoch). Nennenswerte Verkaufssignale ergeben sich allerdings erst unterhalb von 6.830 bzw. 6.750 Punkten.

Sebastian Hoffmann ist Trading-Analyst bei Prime Quants. Dort ist er vor allem für die Intraday-Analysen, die Handelssysteme und die Trading-Services verantwortlich.


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