Charttechnik/ deutsche Märkte: In sommerlicher Lethargie..

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Die Sommerpause in der deutschen Politik ist vorbei. Die Kanzlerin meldet sich aus dem Urlaub zurück, der im Grunde kein wirklicher war. Frau Merkel war nur eine kurze Zeit reduzierten Arbeitens vergönnt. Die Feuer in der europäischen Währungsfrage loderten unter der Brandschutzdecke weiter aber zeitweilig war wenigstens aus dem befürchteten Flächenbrand ein Schwelbrand geworden.

So ein Feuer ist aber nicht minder gefährlich. Oberflächlich betrachtet sieht so ein Brand nicht so spektakulär aus, raucht, qualmt und pufft. Aber jenseits des Rauchs kann der Brand in Bereiche vordringen, die zuvor noch nicht gefährdet waren. Zwar ist nicht zu erwarten, dass die Eurokrise in der Kurzzeitpause so eine Entwicklung genommen hat, doch die relativ ruhigen Tage sind für unsere Kanzlerin vorbei. Jetzt heißt es wieder: „Die Eurorettung hat höchste Priorität“.

Die zentrale Frage für viele Börsianer in dieser Woche ist, ob der DAX die 7.000er-Marke knacken kann. Bisher ist der deutsche Leitindex mehrfach an dieser Marke abgeprallt. Einige Analysten halten mittlerweile eine Konsolidierung der imposanten Kursrallye für überfällig. Allein in den letzten zwei Monaten legte der DAX um 1.000 Punkte zu. Während dem Index der 30 größten deutschen Unternehmen sehr viel Aufmerksamkeit zuteilwird, fristet der MDAX, sozusagen der kleine Bruder trauriges Dasein. Seine Existenz wird zwar registriert, aber es wird kaum bemerkt, dass der MDAX schon dicht vor seinem Rekordhoch von 2007 steht. Mit etwa 11.000 Punkten fehlt nicht mehr viel bis zu den Allzeithochs, die knapp über 11.250 Punkten liegen. Die zweite Reihe der deutschen Unternehmen ist demnach schon sehr gut gelaufen und zeigt an, wie stark die Aktien dort bereits bewertet werden.

Fundamentale Daten auf Länderebene

Die Börsen reagieren dieser Tage sehr sensibel auf jeden noch so kleinen Schnipsel Information. Erhöhen sich Zinsen am primären Anleihemarkt, reagieren die Aktienkurse ebenso heftig, als wenn ein Unternehmen unerwartete Gewinnrückgänge verzeichnen muss. Für unseren Geschmack ist diese Tendenz übertrieben, aber wir können die Fakten nicht ignorieren.

Am Anleihemarkt sind in dieser Woche keine bösen Überraschungen zu erwarten, da schlichtweg keine Auktionen anstehen. Spanien hat keine Anleiheplatzierungen für den August geplant und Italien hat eine ursprüngliche angesetzte Versteigerung kurzerhand gestrichen. Einziges Achtungsmoment wird sehr wahrscheinlich Griechenland erhalten. Hier werden innerhalb der nächsten zwei Wochen Staatspapiere über 3,2 Mrd. Euro fällig und der Preis zu dem Hellas die fälligen Papiere am Geldmarkt auslösen kann, wird die Börsenkurse mit Sicherheit beeinflussen. Neben der griechischen Geldmarktaktion werden in dieser Woche die BIPs der Eurozone, Frankreichs und vor allem Deutschlands erwartet. Allgemein wird von rückläufigen Zahlen ausgegangen. Die prognostizierten -0,2 Prozent sind allerdings noch nicht die Spitze des Eisbergs. Das dicke Ende soll im dritten Quartal auf uns zukommen, wo die Verluste noch einmal größer ausfallen werden. Deutschland überzeugt bei den Prognosen noch mit einem leichten Wachstum, das aber durch die Verluste vom italienischen und spanischen BIP nivelliert wird.

Unterm Strich stehen in dieser Woche einige Daten an, aber die richtig großen Market-Mover sind nicht dabei. Für den DAX bedeutet das eine als ruhig zu erwartende Woche, wo der Test der 7.000 Punkte ansteht, aber jederzeit infolge einer Konsolidierung auch einen kleinen Rückschlag in den Bereich um 6.800 Punkte erfolgen kann.

Stilblüten der Politik

Während die Woche von fundamentaler Seite relativ wenige entscheidende Aktionen oder Daten zu erwarten sind, kommen innerhalb der Datenleere echte Stilblüten zu Tage. So wird den Deutschen jetzt ihre Leistung als Exportnation vorgeworfen. Das Ungleichgewicht unserer Handelsbilanz soll angeblich gefährlich hoch sein. Von ihm gehe ein destabilisierender Einfluss aus. Fakt ist, dass unser Überschuss auf Rekordwerte steigt. 2012 werden es höchstwahrscheinlich 210 Mrd. Euro sein – so viel wie kein anderes Land. Auch China kann mit erwarteten 203 Mrd. Euro nicht mithalten. Fakt ist weiter, dass Deutschland damit in Sphären vorstößt, die unmittelbar vor der Finanzkrise erreicht wurden. Das von derart großen Handelsbilanzüberschüssen systematische Probleme für die Weltwirtschaft ausgehen, ist ein Ammenmärchen. Sie sind vielmehr Ergebnis von denkbaren Verwerfungen.

Möglicherweise ist der Binnenkonsum in Deutschland zu niedrig oder die Nettoimporteure sind nicht in der Lage in ebenso hohem Maße Produkte oder Dienstleistungen anzubieten. Was auch immer dafür sorgt, dass ein Land derart hohe Überschüsse im Handel erzeugt, zu so einer Betrachtung gehören immer mindestens zwei Seiten. Unserer Meinung nach wird hier durch Unwissenheit gepaart mit politischen Absichten die Chance ergriffen auf Deutschland Druck zu erzeugen. Druck der zu einem Einlenken bei den Eurobonds führen könnte. Das Argument ist jedoch nicht stichhaltig.

Sebastian Hoffmann ist Trading-Analyst bei Prime Quants. Dort ist er vor allem für die Intraday-Analysen, die Handelssysteme und die Trading-Services verantwortlich.


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