Jetzt also Solarworld: Der letzte macht das Licht aus

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Die deutsche Solarwirtschaft bleibt weiter in einer Mischung aus konjunkturellen und hausgemachen Problemen gefangen. Nun hat der deutsche Branchenführer SolarWorld (WKN 510840) rückläufige Umsätze und tiefrote Zahlen für das erste Halbjahr gemeldet. Dabei begründete er die Entwicklung erneut mit der durch die „aggressiven und von illegalen Handelspraktiken geprägten Marktlage“. Doch reine Abwehrhaltung gegenüber den chinesischen Wettbewerbern wird die Ertragsschwäche der deutschen Hersteller auch nicht zurückbringen – nicht ohne Grund wird heutzutage so gut wie keine Heimelektronik mehr in Deutschland gebaut. Sollte sich SolarWorld nicht rasch auf innovativere und ertragsstabilere Geschäfte konzentrieren, könnte auch der einstige Solar-Superstar den Weg alles Irdischen gehen. Für die Aktie bedeutet das nichts gutes.

Zunächst aber ein Blick auf die Fakten. Trotz Absatzanstieg von Modulen und Bausätzen von 269 Megawatt auf nun 316 Megawatt sank der Umsatz aufgrund des durch Preisdumpings ausgelösten Preisverfalls von 533,6 Mio. Euro auf nun 340,1 Mio. Euro. SolarWorld erklärte dazu: „Während das 1. Quartal von Vorzieheffekten im deutschen Markt geprägt war, lag im 2. Quartal das größte Absatzvolumen in Ausland. Insgesamt hatte der Absatz außerhalb Deutschlands im 1. Halbjahr 2012 einen Anteil von 60,0 (H1 2011: 69,1) Prozent. Die deutsche Nachfrage nach Bausätzen für Dachanlagen verhielt sich im 2. Quartal politisch bedingt spürbar zurückhaltend. Dies konnte durch ein gestiegenes Auslandsgeschäft, vor allem in Italien, nur teilweise ausgeglichen werden. Die volle Integration der Solarparc AG in den SolarWorld-Konzern zahlte sich im Bereich Großprojekte aus.“

Infolge des gesunkenen Preisniveaus mussten nicht cashwirksame Wertberichtigungen auf das Vorratsvermögen in Höhe von 33,5 Mio. Euro und von 80,8 Mio. Euro auf geleistete Anzahlungen auf Silizium vorgenommen werden. Diese Faktoren beeinflussten das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) negativ. Das EBIT belief sich im ersten Halbjahr 2012 auf -143,8 Mio. Euro, nach 70,5 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2011. Das Finanzergebnis verbesserte sich im ersten Halbjahr von -31,3 Mio. Euro auf -26,9 Mio. Euro. Das Konzernergebnis der SolarWorld belief sich im ersten Halbjahr 2012 auf -159,3 Mio. Euro, nach 22,2 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2011. Die liquiden Mittel betragen zum Stichtag 320,1 Mio. Euro, nach Rückzahlung von 175 Mio. US-Dollar Kreditverbindlichkeiten an US-Investoren.

Nach dem enttäuschend verlaufenen ersten Halbjahr sieht SolarWorld auch für das restliche Jahr schwarz. Dazu heißt es: „Unter Berücksichtigung der aggressiven und von illegalen Handelspraktiken geprägten Marktlage wird die SolarWorld AG im Geschäftsjahr 2012 aus heutiger Sicht kein positives EBIT erzielen.“ Vorstandschef Frank Asbeck machte dann auch klare Aussagen: „Dem Preisdumping müssen wir mit technologischen Innovationen begegnen.“ Der Konzern wird offenbar weitere 50 Mio. Euro investieren, mit Schwerpunkt in die Entwicklung neuer Produkte speziell für die hochwirtschaftliche Eigenstromnutzung sowie in die Überführung von Forschungsergebnissen und patentgeschützten Produktionsinnovationen in die deutsche und amerikanische Zellfertigung. Diese neuen Verfahren sollen die Leistung der Module bei gleichzeitiger Senkung des Materialeinsatzes und somit der Produktionskosten steigern.
Wenn dies gelingt, kann sich SolarWorld wieder etwas Zeit kaufen. Doch sollte man mittlerweile auch die asiatische Konkurrenz nicht unterschätzen.


Quelle: comdirect

Die Aktie befindet sich ja bereits seit einiger Zeit im Tal der Tränen. Und ob sie dieses auf absehbare Zeit verlassen kann, bleibt fraglich. Generell haben Solarwerte jegliches Vertrauen in der Anlegerschaft verloren. Auch der einstige Branchenführer SolarWorld kann hier nicht ausgenommen werden. Zwar notiert die Aktie noch über dem Allzeittief bei 1,02 Euro, doch ob diese Marke lange standhalten wird, darf bezweifelt werden. Der heutige Kurssturz in diese Richtung macht jedenfalls auch deutlich, dass die Erwartungshaltung der Anleger einmal mehr enttäuscht wurde. Insofern sollte man wohl besser die Finger von Solarwerten weglassen. Das sieht übrigens auch die Schar der Analysten so. Ausreißer nach oben mag es zwar immer mal geben, aber sicher nicht in diesem Sektor. Selbst wenn handelsrechtliche Beschränkungen („Strafzölle„) für die asiatischen Hersteller durchgesetzt werden könnten – was ja noch keineswegs sicher ist – stellt dies nur eine kurzfristiges Erholung dar. Generell sind die deutschen Hersteller einfach zu teuer bzw. für das hohe Preisniveau viel zu wenig innovativ. Und eine Besserung ist weiter nicht in Sicht.


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