Commerzbank: Back to hell?

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„Satz mit X“ So könnte die Kurzkommentierung der heutigen Quartalszahlen der Commerzbank (WKN 803200) lauten. Nachdem die zweitgrößte deutsche Bank bereits vor zwei Wochen einen ersten Einblick in das abgelaufene Geschäftsquartal geliefert hatte, war die Hoffnung groß, dass eine Kehrtwende erreicht werden könnte. Doch weit gefehlt, rückläufige Erträge konnten nur teilweise durch reduzierte Kosten kompensiert werden. Die Commerzbank-Aktie nimmt derweil erneut Fahrt in Richtung Pennystock-Niveau auf.

Das Operative Ergebnis der Commerzbank lag im zweiten Quartal 2012 bei 451 Mio. Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum nur 55 Mio. Euro erzielt worden waren. Der Rückgang gegenüber dem ersten Quartal 2012 (584 Mio. Euro) ist dabei insbesondere dem rückläufigen Marktzinsniveau und der weiter zunehmenden Kundenzurückhaltung geschuldet. Während die Segmente Mittelstandsbank und Central & Eastern Europe ein solides Ergebnis erreicht haben, standen die Segmente Privatkunden und Corporates & Markets unter dem Druck des herausfordernden Marktumfelds. Das Konzernergebnis lag im zweiten Quartal 2012 bei 275 Mio. Euro, nach 369 Mio. Euro im ersten Quartal 2012 und 24 Mio. Euro im zweiten Quartal 2011.

Problemfeld Nummer eins ist derzeit das Kernbank-Segment Privatkundengeschäft. Hier lag das Operative Ergebnis im ersten Halbjahr 2012 bei 126 Mio. Euro und blieb damit deutlich hinter dem des Vorjahreszeitraums von 195 Mio. Euro zurück. Auch im Jahr vier nach der Dresdner Bank-Übernahme steht damit das eigentliche Kerngeschäft einer Bank noch immer nicht auf soliden Füßen. Finanzvorstand Stephan Engels erklärte dazu: „Zwar entwickeln sich die Kosten dank der realisierten Synergien aus der Übernahme der Dresdner Bank und des aktiven Kostenmanagements nach Plan. Da die Erträge aber marktbedingt hinter unseren Erwartungen zurückbleiben, werden wir die strategische Weiterentwicklung des Segments vorantreiben.“

Problemfeld Nummer zwei ist das Segment Corporates & Markets. Hier ging das Operative Ergebnis im ersten Halbjahr von 521 Mio. Euro deutlich auf 75 Mio. Euro zurück. Als Ursache wurden auch hier die branchenweit infolge des unsicheren Marktumfelds weiter zunehmende Zurückhaltung der Kunden sowie die deutlich reduzierten Risikoaktiva genannt. Ohne die Effekte aus der Bewertung der Own-Credit-Spreads konnte das Segment im ersten Halbjahr 2012 ein Operatives Ergebnis von 217 Mio. Euro erwirtschaften, ggü. 492 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2011.

Für den Rest des Geschäftsjahres konnte Finanzvorstand Engels denn auch wenig Optimismus verbreiten. „Für das zweite Halbjahr 2012 erwarten wir weiterhin keine Stabilisierung des Marktumfelds. Wir sehen daher derzeit auch keine Anzeichen dafür, dass sich der Druck auf das Operative Ergebnis reduziert“, sagte er. „Die Kosten haben wir fest im Griff. Im zweiten Halbjahr erwarten wir zwar eine leichte Erhöhung, wir werden unser Kostenziel von 7,6 Milliarden Euro aber deutlich unterschreiten. Unser Ziel für die Risikovorsorge von 1,7 Milliarden Euro ist erreichbar. Allerdings ist dieses Ziel angesichts der sich weiter verschlechternden Marktbedingungen zunehmend ambitioniert. Vor diesem Hintergrund wird das Konzernergebnis im zweiten Halbjahr unter dem der ersten sechs Monate liegen.“

Doch trotz aller schlechten Nachrichten hatte die Commerzbank auch etwas positives zu vermelden: Die Commerzbank hat das Kapitalziel der European Banking Authority (EBA) von 5,3 Mrd. Euro per 30. Juni 2012 um 2,8 Mrd. Euro deutlich übererfüllt. Die Core-Tier-1-Quote wurde im zweiten Quartal deutlich von 11,3 Prozent per Ende März 2012 auf 12,2 Prozent per Ende Juni 2012 erhöht. Hierzu erklärte der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing: „Wir haben uns in den vergangenen sechs Monaten darauf konzentriert, die Kapitalbasis der Bank weiter deutlich zu stärken und Risiken zu reduzieren. Das ist uns gelungen. So haben wir trotz des nach wie vor herausfordernden Marktumfelds das EBA-Kapitalziel klar übererfüllt. Damit ist die Bank gut für die weiterhin schwierigen Marktbedingungen gewappnet. Das nachhaltige Kapitalmanagement und die weitere Reduzierung von Risiken werden auch künftig Priorität haben.“

Betrachtet man nun das Zahlenwerk als Ganzes wird deutlich: Bei der Commerzbank gibt es noch einiges zu tun. Vor allem operativ muss die Bank erst wieder zeigen, dass alles rund läuft. Immerhin herrscht in Sachen Kernkapital erstmal Ruhe vor. Dennoch sollte man auch die Eurohypo-Abwicklung nicht ganz aus den Augen verlieren. Immerhin kündigte Finanzvorstand Engels an, derzeit alle Geschäftsbereiche zu überprüfen. „Der Management-Fokus liegt sowohl auf der strategischen Weiterentwicklung des Segments Privatkunden als auch auf der Strategie für die Abwicklung der Portfolios des Segments Non Core Assets“, so Engels. „Aufgrund der schwierigen Ertragslage unterziehen wir auch die Kosten einer konsequenten Prüfung. Strategisches Ziel bleibt es, die Commerzbank konsequent auf kundengetriebenes und nachhaltig profitables Kerngeschäft zu fokussieren und Risiken sowie die Kapitalbindung weiter zu reduzieren.“ Insofern muss man diese Ergebnisse erst einmal abwarten, bevor man die weitere Entwicklung beurteilen will.


Quelle: comdirect

Für den Kurs der Commerzbank-Aktie bedeutet dies aber weiterhin große Unsicherheit und zugleich Abhängigkeit vom allgemeinen Marktgeschehen. Der heutige Kurssturz zeigt, dass der Titel noch Luft in Richtung Pennystock-Niveau hat. Ob das tatsächlich noch erreicht wird, oder derzeit eine Bodenbildung knapp darüber stattfindet, bleibt abzuwarten. Nächster Test nach unten dürfte das bisherige Allzeittief bei 1,12 Euro sein. Kurzfristig bleibt die Aktie also ein nicht kalkulierbarer Zock. Nur langfristig orientierte Anleger mit einem Anlagehorizont von mehreren Jahren könnten sich von einem niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 0,3 und einem günstigen 2013er-KGV von 5 zu einem Einstieg hinreißen lassen.


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