Deutsche Bank: Stellenabbau im Investmentbanking – neue Töne bald auch bei der Commerzbank?

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Nach den überraschenden, ersten Zahlen zum zweiten Quartal seitens der Commerzbank (WKN 803200) am Vorabend überrraschte heute Branchenführer Deutsche Bank (WKN 514000) heute mit einem heftigen Stellenabbau im Investmentbanking. Konkret sind sparten- und konzernweit 1.900 Stellen betroffen, davon 1.500 im Bereich Corporate Banking & Securities. Das ganze soll zu Einsparungen von etwa 350 Mio. Euro pro Jahr führen. Angesichts dieser Menge an Stellenstreichungen (weitgehend außerhalb Deutschlands im übrigen) stellt sich die Frage, ob und wenn ja, wann bei der Commerzbank ähnliche Schritte folgen.

Noch viel interessanter ist der Absatz in der Pressemitteilung unter der Überschrift „Kultureller Wandel“. Dort heißt es: „Die Deutsche Bank bekennt sich dazu, beim Kulturwandel in der Finanzindustrie in der vordersten Reihe zu stehen. Als Teil einer Reihe von Maßnahmen, um einen kulturellen Wandel voranzubringen, überprüft die Bank
ihre Vergütungsgrundsätze sowohl in Hinblick auf die absolute Höhe der Entlohnung wie auch in Hinblick auf die relative Balance zwischen der Vergütung für Aktionäre und für Mitarbeiter. Außerdem überprüft die Bank die Verhaltens-Richtlinien für Mitarbeiter, um sicherzustellen, dass die Vorgaben in Einklang mit den höchsten Standards stehen, wie sie die Bank traditionell pflegt.“
Mit diesem Schritt will man offenbar den Regulierungsbefürwortern den Wind aus den Segeln nehmen. Allerdings dürfte dies auch wirklich nur gelingen, wenn diesen Worten auch Taten folgen. Soll heißen: Boni-Höhe begrenzen und Boni-Abhängigkeit von kurzfristigen Gewinnen auf längerfristige Ziele verschieben.

Doch letztlich sollte sich auch niemand davon täuschen lassen, dass die Deutsche Bank nun von Kapitalismuskritikern geführt wird. Am Ende hat die neue Boni-Politik finanzielle Gründe. Denn insgesamt will die Deutsche Bank Kosteneinsparungen in Höhe von etwa 3 Mrd. Euro, bezogen auf die dem ersten Halbjahr 2012 zugrunde liegende Basis der zinsunabhängigen Aufwendungen, erzielen. Dabei soll das Geschäfts- und Ertragsmodells ebenso angepasst werden, wie mehr operative Effizienz erzielt werden. Die Maßnahmen beinhalten zudem die vollständige Umsetzung der bereits vorab veröffentlichten Aktivitäten zur Integration der Postbank, die etwa 500 Mio. Euro zu den Einsparungen in Höhe von insgesamt 3 Mrd. Euro beitragen werden.


Quelle: comdirect

Auch in Sachen Eigenkapitalquote hatte die Deutsche Bank heute was zu sagen. Nachdem die Commerzbank gestern eine Core-Tier-1-Quote von gut 12 Prozent per Ende Juni 2012 gemeldet hat, präzisierte die Deutsche Bank hier ihre mittelfristigen Ziele, nachdem zum zweiten Quartal eine Core-Tier-1 von 10,2 Prozent gemeldet worden waren. In Reaktion auf das geschäftliche Umfeld im zweiten Quartal 2012 hat die Bank 29 Mrd. Euro an zusätzlichen Maßnahmen zum Abbau von risikogewichteten Aktiva sowie weitere Maßnahmen zur Bildung von Kapital identifiziert. Einige dieser Maßnahmen wurden bereits umgesetzt.
Zum Beginn des Jahres 2013 erwartet die Deutsche Bank eine Core-Tier-1-Quote von etwa 9 Prozent unter Anwendung der Übergangsregeln nach Basel III, was einer Quote von 7,2 Prozent nach vollständiger Anwendung der Basel-III-Vorschriften entspricht. Erst zum Ende des ersten Quartals 2013 strebt die Bank an, eine Core-Tier-1-Quote nach Basel III von etwa 10 Prozent unter Anwendung der Übergangsregeln auszuweisen, was mindestens einer Quote von 8 Prozent nach vollständiger Anwendung der Basel-III-Vorschriften entspricht. Und weiter: „Hierzu wird die Bank eine Reihe von weiteren Maßnahmen zur Risikoreduzierung und zum
organischen Wachstum des Kapitals ergreifen. Darüber hinaus setzt sich die Bank zum Ziel, die Kernkapitalquote im Laufe des Jahres 2013 und darüber hinaus weiter zu stärken. Die Bank beabsichtigt, alle verfügbaren Kapitalhebel zu nutzen, bevor sie in Betracht zieht, bei Investoren Aktienkapital aufzunehmen.“

Besonders der letzte Satz sollte alle Deutsche-Bank-Anleger aufhorchen lassen. Eine Kapitalerhöhung ist in absehbarer Zeit also auch bei den Frankfurtern nicht mehr ausgeschlossen. Zwar will man eine Kapitalerhöhung unter allem Umständen vermeiden, doch angesichts des Marktumfelds darf man gespannt sein, ob das Ziel gelingt. Hier wird nun auch wieder der kleinere Wettbewerber Commerzbank kritisch beäugt, denn auch dort läuft nicht alles so rosig, wie man an den gestrigen Zahlen gesehen hat.


Quelle: comdirect

Die Commerzbank-Aktie hat jedenfalls heute recht gelassen auf die gestrigen Zahlen reagiert. Nach dem jüngsten Kursanstieg dürfte aber auch erst einmal das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Positive Nachrichten sind hier als Kurstreiber erst mal nicht zu erwarten. Selbst Branchengrößen wie UBS oder HSBC backen derzeit deutlich kleinere Brötchen. Und die zweitgrößte deutsche Bank spielt definitiv nicht mehr in dieser Liga, sondern mittlerweile immer mehr zwischen internationalen Großbanken und regionalen Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Das weitere Downsizing ist hier wohl nur noch eine Frage der Zeit. Der gestrige Beteiligungsverkauf in der Ukraine mag hier ein Vorgeschmack sein.


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