DAX Charttechnik: Der König hat gesprochen

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Sie sind die wahren Market Mover und selten hatte ihr Wort ein solches Gewicht, wie in diesen Tagen. Wenn die großen Jungs von der Notenbank zur Pressekonferenz laden, scheinen deutliche Kursbewegungen vorprogrammiert. Wie bspw. letzte Woche als sich König Draghi an die liquiditätssüchtigen Untertanen wandte. Ähnlich wie sein Amtskollege aus den USA, Ben Bernanke, waren die Aussagen wenig präzise, wurden jedoch mit viel Kraft und Überzeugung vorgetragen. So wird die Europäische Zentralbank alles Nötige tun, um den Euro zu erhalten. Eigentlich logisch, denn wer braucht ohne Euro eigentlich noch die EZB?

Die Märkte feiern derweil die frohe Botschaft und hoffen auf den Kauf spanischer und italienischer Staatsanleihen. Das Gerücht, dass die EZB bereits kurz vor diesem Manöver steht, wurde heute von der französischen Tageszeitung LeMonde in Umlauf gebracht – natürlich ohne die Quellen dafür zu nennen. Wir erinnern uns: Erst Anfang Juli machte das Gerücht die Runde, dass die US-Notenbank eine weitere Runde der lockeren Geldpolitik einleiten könnte. Der DAX verbesserte sich daraufhin bis 6.776 Zähler. Geschehen ist bislang allerdings nichts, und die paar bullishen Zocker, die darauf gewettet hatten, wurden längst wieder aus dem Markt gepresst. Nun beginnt das gleiche Spiel. Die Risikoaufschläge am Anleihemarkt kühlten sich bereits während der Pressekonferenz deutlich ab und der DAX steht nach seiner Tauchstation auf 6.325 Zähler auch schon wieder bei 6.600 Punkten – und zwar ohne, dass bislang etwas passiert ist.

Als Interpretations-Strategie könnte man den neuen Volkssport auf dem Parkett bezeichnen. Dabei wollen sich alle möglichst schnell in Stellung bringen, um die beste Position zu erhaschen, wenn die Big Boys von den Notenbanken den Abzug ihrer Liquiditätskanonen betätigen. Dumm nur, wenn diese das dann allerdings nicht tun, sondern weiter in Lauerstellung verharren. Denn dann geht es schnurstracks mit den Aktienindizes wieder Richtung Süden, wie wir es noch zum Beginn der Handelswoche beobachten konnten. Charttechnisch ist allerdings noch nicht allzu viel gewonnen.

Vorbörslich hatte der DAX bereits die noch offene Kurslücke zwischen 6.572 und 6.621 Punkten geschlossen. Nun steht der Index kurz davor dies auch im regulären Handel zu tun. Das Zepter dürften die Bullen jedoch erst auf einem neuen Monatshoch, also oberhalb von 6.776 Punkten wieder in die Hand nehmen. Trendfolger jubeln derweil, zumal in dieser Woche nicht nur die 200-Tage-Linie verteidigt, sondern auch der GD100 zurückerobert werden konnte. Im DAX-Daytrading hatten wir bei unserem Short-Einstieg im Bereich von 6.500 Zählern kein glückliches Händchen. Denn diese Zone wurde in dem gestrigen Kaufrausch regelrecht überrannt. Auch auf dem Widerstandslevel rund um 6.575 Punkte war nur eine geringe Gegenwehr zu beobachten. Fraglich bleibt, ob die Kurse das hohe Niveau auch in den tendenziell schwächeren Börsenmonaten August und September halten können. Entscheidend wird dabei sicherlich sein, ob es sich bei den jüngsten Spekulationen rund um erneute Aktivitäten der Notenbanken wieder nur um ein Luftschloss handelt. Wer auf Nummer sicher gehen will, der wartet schlicht weg ab bis Tatsachen geschaffen wurden.

Stand 27.07.2012

Sebastian Hoffmann ist Trading-Analyst bei Prime Quants. Dort ist er vor allem für die Intraday-Analysen, die Handelssysteme und die Trading-Services verantwortlich.


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