SolarWorld: Trendwende nach der erfolgreichen Umfinanzierung?

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Bei SolarWorld (WKN 510840) werden die Turbulenzen wohl zum Programm. Nachdem in der vergangenen Woche noch eine Herabstufung der Aktie für einen Kurseinbruch gesorgt hatte, steht nun die Erholung davon auf der Tagesordnung. Offenbar hat man in Bonn die Studie der Commerzbank ganz genau gelesen, denn der TecDAX-Konzern hat mit seinen Kreditgebern bestehende Kreditvereinbarungen über 375 Mio. Euro neu verhandelt und damit bei der kritisierten Kapitalstruktur zumindest teilweise für Ordnung gesorgt. Doch ob das nun die große Trendwende für den Konzern und die Aktie bringt?

Letzte Woche titelte ich noch: Heißt es bei deutschen Solarwerten bald “Letzte Bestellung bitte?” Und nun ist alles wieder in Butter? Zunächst ein Blick auf Fakten: Es wurden bestehende Kreditvereinbarungen über 375 Mio. Euro neu verhandelt, d.h. offenbar konnten günstigere Zinssätze vereinbart werden. Laut Finanzvorstand Philipp Koecke verfügt Solarworld zum Ende des zweiten Quartals 2012 über eine Liquidität von 320 Mio. Euro. Zudem wurden zusätzlich 130 Mio. Euro an Kreditverbindlichkeiten getilgt. Zugleich wurde damit bestätigt, dass die Situation des Solarmarkts im Laufe des zweiten Quartals 2012 tatsächlich das Risiko erhöht hatte, kreditrelevante Finanzkennzahlen nicht zu erreichen. Es war also durchaus so ernst, wie es die Commerzbank-Studie beschrieben hat.

Ist Solarworld nun über den Berg? Schwierige Frage, denn auch wenn die Kapitalseite in den kommenden Monaten keine Unruhe mehr bringt, sorgt das operative Geschäft nun nicht gerade für Freudensprünge. Klarheit hierüber dürfte am 13. August herrschen, wenn die Quartalszahlen veröffentlicht werden. Allerdings werden die Vorzieheffekte im ersten Quartal das Folgequartal durchaus negativ belasten. Insofern ist erst die Hälfte der Trendwende geschafft.

Da hilft dann die Durchhalteparole von SolarWorld-Gründer und -Vorstandschef Frank Asbeck wenig, der erklärte: „Für den Erfolg der SolarWorld werde ich zudem einen persönlichen finanziellen Beitrag leisten und so lange auf mein Gehalt und Dividende verzichten, bis der Konzern wieder profitabel ist.“ Im Klartext heißt dies, dass auch alle anderen Aktionäre auf Dividende verzichten müssten, denn ein einseitiger Verzicht wäre mir neu. Auch die in der vergangenen Woche zwischen den Zeilen durch die Politik ins Gespräch gebrachten Schutzzölle für chinesische Importware dürften das Problem nur ein wenig auf die Zukunft verschieben. Denn wenn die Anlagen für deutsche Verbraucher teurer werden, sinkt auch die Nachfrage und dann hat Solarworld wieder nichts davon. Alles in allem also weiterhin keine nachhaltige Erholung bei den deutschen Solarwerten in Sicht.

Für kurzfristige Anleger bietet die Solarworld-Aktie natürlich immer wieder Chancen. Aber eines ist klar: So schnell wie es heute nach oben ging, kann es auch wieder nach unten gehen – siehe vergangene Woche. Auch wenn die Aktie sich wieder von der 1-Euro-Marke ein Stück entfernt hat, bleibt das Papier hochriskant. Und das hat dann mit solider Geldanlage nicht mehr viel zu tun.


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