Solarworld-Herabstufung: Heißt es bei deutschen Solarwerten bald „Letzte Bestellung bitte?“

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Die neue Woche startet für die deutschen Solarwerte alles andere als gut. Mit SolarWorld (WKN 510840) steht nun auch der einstige Musterschüler unter Druck. Auslöser für den Kursrutsch ist eine neue Studie der Commerzbank, die in der Solarworld-Aktie mittelfristig nur noch einen Pennystock sieht. Nach der überraschenden Insolvenz von Centrotherm (WKN A0JMMN) vergangene Woche könnten nun bald überall die Lichter aus gehen. Heißt es bei deutschen Solarwerten bald „Letzte Bestellung bitte?“

Zunächst zur Commerzbank-Analyse selbst: Das Rating wurde von „Hold“ auf „Sell“ gesenkt. Viel dramatischer ist jedoch die Reduzierung des Kursziels von bisher 2,50 Euro auf nun noch 0,80 Euro – Pennystock-Niveau. Hauptgrund für die dramatische Entscheidung ist die Sorge um die Bilanz des TecDAX-Konzerns. Angesichts des Marktumfelds müsse man wohl auch im zweiten Quartal mit einem EBIT-Verlust rechnen. Ferner senkte die Commerzbank die Gewinnprognosen für die Jahre 2012 und 2013. Zudem wurde die langfristige Zahlungsfähigkeit in Bezug auf die Zinsen für die ausgegebenen Anleihen mit einem Fragezeichen versehen.

Die erste SolarWorld-Anleihe (WKN A1H3W6) hat ein Volumen von 150 Mio. Euro und läuft bis zum 13. Juli 2016. Die nominale Verzinsung liegt bei 6,375 Prozent, aufgrund der Bonitätssorgen und des Kursverfalls bietet die Anleihe derzeit aber hochrisikante knapp 20 Prozent laufende Verzinsung.
Ähnlich sieht es bei der zweiten SolarWorld-Anleihe (WKN A1CR73) mit einem Volumen von 400 Mio. Euro und einer Laufzeit bis zum 21. Januar 2017 aus. Während die nominale Verzinsung bei 6,125 Prozent liegt, beträgt die laufende Verzinsung inzwischen stolze knapp 22 Prozent. In beiden Fällen tragen die niedrigen Kurse damit der unsicheren Finanzlage von Solarworld Rechnung. Zwar stehen Anleihegläubiger generell im Fall einer Insolvenz immer etwas besser da, dennoch besteht auch hier die Möglichkeit durch einen Debt-to-Equity-Swap oder einen teilweisen Forderungsverzicht nicht vollständig ausbezahlt zu werden.


Quelle: comdirect

In der aktuellen Situation laufen also sowohl Aktien-Anleger, als auch Anleihen-Anleger, Gefahr Geld zu verlieren. Während Anleihe-Gläubiger theoretisch einfach bis 2016 bzw. 2017 warten können und dann hoffen, dass die Anleihen vollständig zurückbezahlt werden, sieht die Lage für Aktionäre deutlich kritischer aus. Ob sich der Kurs in nennenswerter Zeit wieder erholt, darf in Frage gestellt werden. Selbst mit den für den Solarbereich gesenkten Ansprüchen kann man mit der Aktie eigentlich nur noch kurzfristig „zocken“. Sinnvoller erscheint da schon fast mit einem Put auf fallende Kurse zu setzen. Doch auch hier ist man vor Überraschungen nicht gefeiht. Daher am besten Solar-Werte meiden. Das gilt m.E. auch für den zweiten TecDAX-Titel SMA Solar (WKN A0DJ6J). Auch hier sollte man abwarten und eine Konsolidierung der Branche abwarten. Vielleicht sieht die Lage in fünf Jahren schon wieder deutlich anders aus. Aber ob die genannten Unternehmen bis dahin durchgehalten haben?


4 KOMMENTARE

  1. Unsere Fotovoltaikanlagen laufen störungsfrei. Die Herstellungskosten pro kwh sind geringer als der Einkaufspreis für Verbraucher. Die gridparaty ist damit erreicht. Dies wissen über 1 Million Solaranlagenbesitzer in Deutschland und noch mehr bald auf der Welt. Die Aktien von Solarwert werde ich daher bei einem KBV von 0,2 kaufen.

  2. Man wird sehen ob deutsche Solar-Unternehmen auf Dauer Geld verdienen können… die Standardpanels werden definitiv in Asien billiger produziert. Wenn den heimischen Unternehmen innovative Ideen kommen und die auch am Markt platzieren können, kann das ja durchaus was werden. Aber aktuell sieht es leider nicht danach aus. Da sagt auch ein KBV von 0,2 erst einmal nichts positives aus…

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