Mit Fender geht ein Altstar an die Börse – Rock’n’Roll an der Wall Street? (+Update zur Verschiebung)

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Legenden leben länger. Getreu diesem Motto hat der amerikanische Kult-Gitarrenbauer Fender auch diverse Eigentümerwechsel in den letzten Jahrzehnten überstanden. Gegründet 1946 von Leo Fender, einem Rundfunkelektriker, hat sich das Unternehmen zu einem internationalen Musikinstrumente-Hersteller gemausert. Und nun steht ein ganz besonderes Ereignis bevor: Die Fender Musical Instruments Corp. (FMIC) strebt an die Wall Street. Interessierten Anlegern werden insgesamt 10,7 Millionen Aktien angeboten. Die Preisspanne liegt bei 13 bis 15 US-Dollar je Aktie. Unter dem Tickersymbol FNDR will der US-Konzern künftig an der Nasdaq notiert werden.

Die angebotenen Aktien stammen dabei sowohl aus dem Altbestand des Großaktionärs Weston Presidio Capital (3,5 Millionen Aktien) als auch vom Unternehmen (7,14 Millionen Aktien) selbst. Der Anteil des Finanzinvestors sinkt damit von bisher 43 Prozent auf 17,7 Prozent. Am oberen Ende der Preisspanne hätte der Börsengang ein Volumen von 160,5 Mio. US-Dollar. Der Nettozufluss aus dem IPO wird auf 88,2 Mio. US-Dollar geschätzt und soll vorrangig zum Schuldenabbau und zur Expansion in Schwellenländer genutzt werden. Bislang erzielt Fender knapp die Hälfte seiner Umsätze in den USA. Bei einem Ausgabepreis von 15 US-Dollar würde der Unternehmenswert dann bei insgesamt 26,4 Millionen Aktien bei 396 Mio. US-Dollar liegen.

Fender setzte im Jahr 2011 rund 700 Mio. US-Dollar um und erzielte damit einen Gewinn von rund 19 Mio. US-Dollar. Damit stieg der Umsatz um 13 Prozent gegenüber 2010. Damals war ein Verlust von 1,7 Mio. US-Dollar ausgewiesen worden. Die Bruttomarge stieg im Jahresvergleich von 27,6 Prozent auf 31,1 Prozent an. Fender ist hauptsächlich für seine legendären Stratocaster-Modelle bekannt. Neben den E-Gitarren werden aber auch E-Bässe, Akustik-Modelle und weitere Live-Technik unter verschiedenen Marken wie etwa Fender, Guild, Ovation, Gretsch und Takamine vertrieben. Vorrangig werden die Instrumente über stationäre Musikalienhandlungen verkauft.

Mit einem erfolgreiche Börsenstart von Fender würde auf jedenfall das IPO-Klima wieder nachhaltig gestärkt werden. Nach Facebook wäre es zudem wieder ein klassisches Unternehmen, das den Weg an die Wall Street findet. Was am Ende herauskommt, muss man sehen. Schaut man auf die Konkurrenzsituation, so fällt eine Bewertung schwer. Der größte Wettbewerber Gibson ist ebenfalls nicht börsennotiert. Legt man den Vorjahresgewinn zugrunde und rechnet man dies auf die Aktien um kommt man auf ein EPS von 72 Cents. Bezogen auf den höchsten Ausgabepreis von 15 US-Dollar ergäbe sich ein KGV von rund 20. Alles in allem also kein Schnäppchen. Dennoch dürfte das Papier durchaus Anleger finden, denn die Marktstellung von Fender ist ebenso einzigartig wie die Börsennotierung. Von daher steht einem Erfolg wenig entgegene. Details zum genauen Zeitplan gibt es noch nicht.
Am Ende könnte dann so mancher Gitarrenfan zu Weihnachten neben einer neuen Fender gleich noch eine Gitarren-Aktie verschenken.

Update 23.7.2011

Inzwischen wurden die IPO-Pläne aufgrund des unsicheren Marktumfelds auf Eis gelegt. Offenbar waren sich die Eigentümer nicht sicher, die gewünschte Bewertung erreichen zu können. Ein weiterer Börsenkandidat in Wartestellung.


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