DAX Charttechnik: Was geht da eigentlich (noch) ab?

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Wow, unser Aktienindex DAX macht ja heute wieder Sprünge. „Eine reine technische Gegenreaktion“ war von einem Kollegen dazu der trockene Kommentar. Wirklich? Vielleicht sind es ja auch diese Alcoa-Zahlen, die wieder den einen oder anderen „motivieren“. Rein nach dem Motto „es ist zwar bescheiden, aber das Ergebnis war immerhin besser als erwartet“. Oder ist es die Hoffnung, dass Karlsruhe dem ESM-Schirm den Weg frei macht?

Fakt ist, der DAX näher sich wieder einmal der 6500er-Marke. ich persönlich halte das ganze aktuelle Szenario im DAX für ein langweiliges und nichts bringendes „Seitwärtsgeplänkel“. Eine Range von 6100 – 6500. Day-Trader mögen dabei auf ihre Kosten kommen – wer aber sonst noch. Wir sehen es eigentlich jeden Tag. Diese Unsicherheit. Bestes Beispiel Metro. Da ist einmal ein CEO sehr ehrlich und spricht nicht um den heißen Brei herum, und schon wird die Aktie herbe abgestraft. Ist das Substanz? Ist das Börse? Einfach mal weg mit ner Aktie – nur weil es da ein paar schlechte Zahlen gibt?

Die Lage im DAX – sie ist wirklich nicht einfach. Am Anfang des Jahres dachte ich mir wir werden die 7500 am Ende auf jeden Fall sehen. Mittlerweile bin ich skeptisch. Denn das Argument, es gebe ja soviel Liquidität, die in den Markt will… Wo ist diese? Wenn schon mein Nachbar mich fragt, der bisher der Aktien-Fan schlechthin war, ob es nicht sinnvoll sei, ALLES (wirklich alles!) an Liquidität in Gold und Silber zu stecken (er hätte das was gehört bzw. gelesen…) – dann können wir nicht unbedingt davon ausgehen, dass das Gros der Skeptiker klein ist. Aber den Umkehrschluss daraus zu ziehen, dass dieses dann genau der richtige Zeitpunkt ist, in den Markt zu investieren, weil „ja keine Euphorie herrscht“ – das gilt in 2012 wohl auch nicht.

Mein Kollege, Sebastian Hoffmann von Prime Quants, hat zuletzt einen schönen Kommentar zum DAX geliefert – vor allem mit Blick auf die jüngste Leitzinssenkung:

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Quelle: Prime Quants

„… wir haben uns einmal die letzten 17 Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank und die Reaktionen des Marktes darauf genau angeschaut. Die Ergebnisse sind teilweise recht erstaunlich. So präsentiert sich der DAX durchschnittlich mit einer Wahrscheinlichkeit von 62,50 Prozent fünf Handelstage nach der Leitzinssenkung schwächer. Die Gewinnmöglichkeiten für steigende Kurse fallen also nur mit 37,50 Prozent ins Gewicht, was deutlich unterhalb des normalen Erwartungswertes für eine fünftägige Haltedauer von 55,54 Prozent liegt. Im Schnitt verliert der DAX innerhalb der anschließenden Handelswoche 0,88 Prozent – zwei Tage nach der Zinssenkung sind es sogar durchschnittlich -1,60 Prozent bei einer Gewinnwahrscheinlichkeit von nur 23,53 Prozent. Wird der Anlagezeitraum verlängert, so verbessern sich auch die Ergebnisse.“ Soweit so gut. Was heißt das nun?

Setzen wir alle nun auf die Langfrist-Karte? Wetten wir alle mal gegen den breiten Markt? Ehrlich gesagt, ich habe diesen Mut nicht – aber ein paar Euro dafür schon. Aber kaum bin ich dann mal „mutig“ – lese ich wieder Markt-Analysen wie die folgende von der HVB:

„Aus technischer Sicht präsentieren sich die deutschen Aktienbarometer angeschlagen. Das Aufwärtsmomentum des DAX® (Performance-)Index fand Mitte vergangener Woche ein jähes Ende. Nun droht gar ein weiterer Rückgang bis in den Bereich von 6.240 Punkten. Kaufsignale gibt es frühestens oberhalb von 6.445 Punkten.“

Super. Wir stehen aktuell wieder oberhalb von 6445. Also ein Kaufsignal? Genau das ist das Problem. Wir alle zweifeln ein bisschen. Und so lässt sich an der Börse (wohl) kein Geld verdienen. Die damit verbundene Frage lautet dann wiederum: Wollen wir das gerade überhaupt? Genau diese muss die Mehrheit der Anleger eindeutig mit „Ja“ beantworten – dann geht es auch wieder gen Norden. Aber das, so befürchte ich, wird dauern…


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