VW-Aktie kann nach der Porsche-Übernahme richtig durchstarten (+ Presseschau)

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Nun geht es doch schneller voran, als gedacht. Europas größter Autobauer Volkswagen (WKN 766403) kann die Übernahme von Porsche SE (WKN PAH003) deutlich früher und kostengünstiger als erwartet zu Ende bringen. Nach der Integration des Nutzfahrzeug-Geschäfts wird per 1. August 2012 nun ein „Integrierter Automobilkonzern“ geschaffen, so die offizielle Sprechweise. Damit wächst zusammen, was produkthistorisch schon immer irgendwie zusammengehört hat. VWs Erfolgsmodell Käfer war schließlich eine Erfindung des Porsche-Seniors Ferdinand Porsche. Künftig wird Porsche als elfte Marke unter dem VW-Dach Platzfinden.

Erfreulicherweise kann die Porsche-Integration ohne größere Steuerlasten vonstatten gehen, denn steuerrechtlich wird die Übernahme nicht als Kauf, sondern als interner Umbau gewertet. Im Rahmen der neuen Struktur wird die Porsche SE ihren operativen Holdinggeschäftsbetrieb einschließlich ihrer 50,1-prozentigen Beteiligung an der Porsche AG (dem operativen Sportwagen-Geschäft) in Volkswagen einbringen, die bereits indirekt 49,9 Prozent an der Porsche AG hält. Nach Abschluss der Transaktion wird Volkswagen über eine Zwischenholding 100 Prozent der Anteile an der Porsche AG halten. Die Porsche SE erhält dafür eine Gegenleistung in Höhe von insgesamt rund 4,46 Mrd. Euro plus einer VW-Stammaktie.

VW-Chef Winterkorn äußerte sich demzufolge heute auch sehr zufrieden: „Die einzigartige Marke Porsche wird nun fester Bestandteil des Volkswagen Konzerns. Das ist gut für Volkswagen, für Porsche und für den ganzen Industriestandort Deutschland. Volkswagen und Porsche werden durch die Zusammenführung ihres operativen Geschäfts in Zukunft noch stärker – finanziell und strategisch. Wir können jetzt noch enger zusammenarbeiten und durch gezielte Investitionen in zukunftsweisende Produkte und Technologien gemeinsam neue Wachstumsmöglichkeiten im ertragsstarken Premium-Segment erschließen. Davon werden unsere Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre profitieren.“

Besonders letztere können sich über den angewandten „Steuertrick“ durchaus freuen, denn so wurden Steuerlasten in dreistelliger Millionenhöhe eingespart. Für den Kurs kann dies nur gutes bedeuten. Der heutige Kurssprung macht klar, dass nun auf jedenfall das bisherige Jahreshoch bei 138,80 Euro wieder ins Visier genommen werden soll. Zumal die Aktie mit einem KGV von unter 6 und einer Dividendenrendite von 2,5 Prozent äußerst günstig zu haben ist.

Globale Wettbewerber wie GM oder Toyota dürften die Wolfsburger Strategie mit Sorge beobachten. Zumal VW auch auf dem Wachstumsmarkt Nummer eins: China weiter wächst. Das Ziel Weltmarktführerschaft hat VW damit weiter direkt vor Augen. Hauptvorteil der „Fusion“ ist aber nicht nur die reine Größe sondern auch finanzieller Art. Neben den berühmten Skaleneffekte dürfte vor allem die künftige Konzerninterne Verrechnung der bislang schon recht starken Zusammenarbeit, bspw. bei der Entwicklung der SUVs VW Touareg bzw. Porsche Cayenne, Geld sparen. Bei VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch hört sich das dann so an: „Die beschleunigte Integration ermöglicht es, schneller mit der Umsetzung einer gemeinsamen Strategie für das Automobilgeschäft von Porsche zu beginnen, wichtige gemeinsame Projekte zügiger zu realisieren und so zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten in attraktiven Marktsegmenten zu realisieren. Sie erlaubt der Volkswagen AG und der Porsche AG zudem die volle Konzentration auf das operative Geschäft durch eine erhebliche Vereinfachung ihrer täglichen Zusammenarbeit.“ In Zukunft wird also noch deutlich mehr Porsche in VW-Modellen bzw. VW in Porsche-Modellen sein. Das ist auch durchaus sinnvoll, hat doch die Plattform-Technologie schon bei den anderen Marken wie etwa Audi, Seat und Skoda im VW-Konzern sehr erfolgreich funktioniert. Auch für die Modellvielfalt dürfte in Zukunft noch einiges getan werden. Ausgelaufene Modelle von Audi etwa wurden in de Vergangenheit mit leichten Modifikationen bei Seat wieder aufgelegt. Aber ein alter 911er als spanische Billigversion? Wohl doch eher ein Traum…

Was andere zu dem Deal schreiben:

Porsche und VW fusionieren – Was ist die Porsche SE wirklich wert? (Investors Inside)

Warum man die Porsche Aktie nun nicht mehr haben muss (Mr. Market)

Winterkorns nächster Meilenstein (manager magazin)

VW zahlt für Porsche-Kauf ein kleines bisschen Steuern (FTD)

Brüderle gegen VW: „Jeder Steuerzahler muss sich veräppelt fühlen“ (Handelsblatt)


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