Leb Wohl Günther! Bundesfinanzagentur steigt aus Privatkundengeschäft aus

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Was hat man am Anfang nicht immer über die Videos mit der Schildkröte Günther Schild gelacht. Doch mit der Zeit wirkte das alte, weise und solide wirkende Tierchen. Die Bundesfinanzagentur (offiziell: „Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH“) konnte sich im Lauf der Jahre ein durchaus respektables Privatkundengeschäft aufbauen. Doch nun scheinen die Kosten den Nutzen deutlich zu übersteigen und Ende des Jahres soll Schluss mit dem direkten Geschäft mit Privatkunden sein, so heißt es zumindest heute auf der Website der Bundesfinanzagentur.

Anleger die sich ausschließlich auf Bundespapiere, wie die Tagesanleihe, Finanzierungsschätze, Bundesobligationen oder Bundesschatzbriefe, fixierten, konnten bisher auf ein kostenfreies Depot bei der Bundesfinanzagentur bauen und so gegenüber privaten Banken bares Geld sparen. Das ist nun vorbei. Angesichts des Runs auf deutsche Staatspapiere im Zuge der Euro-Krise ist man offenbar auf das Geld des deutschen Privatanlegers nicht mehr angewiesen. In der Mitteilung nennt sich das dann „unter den aktuellen Rahmenbedingungen“.

Bisherige Anleger der Bundesfinanzagentur müssen nun folgendes beachten:

– Die Übertragung neu aufgelegter börsennotierter Wertpapiere des Bundes in das Einzelschuldbuchkonto ist ab dem 22. August 2012 nicht mehr möglich. Erwerb und Verwahrung aller börsennotierten Bundeswertpapiere können unverändert über Banken und Sparkassen erfolgen.

– Die Eröffnung neuer Einzelschuldbuchkonten wird nach dem Jahresende 2012 nicht mehr angeboten.

– Ab 2013 wird der Bund keine neuen Serien von Bundesschatzbriefen und Ausgaben von Finanzierungsschätzen des Bundes mehr auflegen.

– Der Vertrieb von Bundesobligationen und der Tagesanleihe über die Finanzagentur wird gleichzeitig eingestellt.

– Maßgabe des Ministeriums ist ferner, alle bestehenden Einzelschuldbuchkonten von der Finanzagentur bis zur Fälligkeit der darin verwalteten Bundeswertpapiere fortzuführen.

Aus Kostengesichtspunkten kann man die Abschaffung durchaus nachvollziehen, denn kostenfreie Depots vorzuhalten und abzurechnen sowie Privatkundentaugliche Papiere aufzulegen ist immer mit einem finanziellen Aufwand verbunden. Auf der anderen Seite sind solche Angebote eines Staates für seine Bürger durchaus sinnvoll zu sehen. Gerade auch, weil eigene sichere Vorsorge ja immer und überall propagiert wird. Und eine Anlage in Bundespapiere war auf alle Fälle sicherer, als so manche Anlage, die von Banken empfohlen wurde, Stichwort Lehman-Zertifikate. Der deutsche Sparer wird künftig also wieder gänzlich auf Banken, Sparkassen und freie Vermittler angewiesen sein. Es bleibt zu hoffen, dass das Finanzwissen der Deutschen inzwischen besser ist und sich nicht erneut solche Vorfälle wie bei Lehman wiederholen.


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2 KOMMENTARE

  1. Ich kann es gar nicht glauben, dass man so etwas macht.
    Ich bin seit jeher ein Fan der Bundesschatzbriefe.
    Man wird zwar kein Millionär, aber ich bin auch nur ein Kleinanleger, der den Banken nicht gern die Depot-Kosten bezahlen möchte.
    Auch ärgert mich die Haltung der Bundesregierung dazu.
    Auch ich kann Ihnen in Ihrem Beitrag nur beipflichten, denn mit den Bundesschatzbriefen konnte man sogar eine Lebensversicherung in den Schatten stellen, wenn man sich auf Wiederanlage der Zinsen und des Geldes durchringen konnte.
    Es ist eine Superanlage gerade für die Rentnerzeit.

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