Wochenrückblick KW 26: EU-Gipfel löst zum Wochenschluss breites Kursfeuerwerk aus

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Die vergangene Woche bot für jeden Anleger etwas – vom überzeugten Bären bis zum euphorischen Bullen. Vor allem letztere freuten sich über eine wahres Kursfeuerwerk quer durch alle Anlageklassen. Egal ob Aktien, Gold oder Öl, aber auch der Euro machten einen Satz nach vorne. Auslöser war der EU-Gipfel am Donnerstag bei dem eine direkte Hilfe für Banken durch den ESM beschlossen wurde. Die zumindest verbale Flutung des Marktes mit Papiergeld sorgt eben auf den Märkten für Realwerte für Kauflaune.
Überhaupt die Euro-Krise. Nach erfolgreicher Abstimmung zu ESM und Fiskalpakt am Freitag in Bundestag und Bundesrat wird nun also das Bundesverfassungsgericht das letzte Wort in Sachen „Wie viel Europa kriegen wir ohne Volksabstimmung“ haben. Die Politik versuchte mal wieder Handelsstärke zu demonstrieren, ohne vorher entsprechende Überzeugungsarbeit geleistert zu haben. Würde man einen Bürger auf der Straße fragen, ESM wäre ihm sicher kein Begriff und dabei steht es für das größte finanzielle Abenteuer Deutschlands. Medial war es wie immer bemerkenswert: Wenn man sich nicht auf den Spartensendern bzw. -medien über diesen wichtigsten Tag in der jüngeren europäisch-deutschen Geschichte informieren wollte, blieb man davon auch fast gänzlich unbehelligt. Zwar machten die Hauptnachrichtensendungen jeweils damit auf, aber die Brisanz wurde nur marginal deutlich – ein Gipfel nach dem anderen langweilt eben. Am ehesten gelang eine Art von Aufklärung m.E. noch dem heute journal, wo immerhin mit Sarah Wagenknecht (Linke) und Frank Schäffler (FDP) zwei Kritikerstimmen zu sehen und hören waren. Letztlich wurden ESM und Fiskalpakt aber doch als alternativlos dargestellt, wenn man nicht den Euro (und damit Europa) sprengen wollte – so der Tenor. Insofern heißt es nun abwarten, und hoffen das Karlsruhe etwas für die demokratische Zukunft Europas tut. Denn eines ist immer klarer zu sehen: „Die Euro-Krise ist nicht mehr mit Geld, sondern nur noch mit einer politischen Union lösbar. Die Not mit dem Geld schafft den Euro-Staat.“ wie Roland Tichy in seinem Editorial der neuen WirtschaftsWoche ernüchtert feststellt. Warten wir also ab, was die kommenden Wochen für uns Anleger bringen. Das zweite Quartal war jedenfalls eher zum Vergessen. Schauen wir voran auf ein hoffentlich erfreulicheres drittes Quartal.

Der DAX und sein Chart

Der deutsche Leitindex DAX kämpfte in der vergangenen Woche mit der 200-Tage-Linie. Dazu hieß es in unserem Ausblick DAX, dass sich für den DAX erst wieder darüber etwas deutlicheres Aufwärtspotenzial eröffnet. Mit dem Kurssprung am Freitag von 266 Punkten bzw. 4,3 Prozent auf 6.416 Punkte näherte sich das Börsenbarometer der massiven Widerstandszone zwischen 6.400 und 6.450 Punkten an. Die nächste Woche wird also in dieser Hinsicht spannend.

Einzeltitel aus Deutschland

Zum Ende des zweiten Quartals gab es auch in Deutschland bereits einige Anmerkungen zum jeweiligen Geschäftsverlauf. Aus dem DAX sorgte hier vor allem Infineon (WKN 623100) für Unruhe. Beim Chiphersteller sorgt die Euro-Krise für eine Stimmungseintrübung. Für das laufende Quartal rechnet Infineon mit einem im Vergleich zum Vorquartal leicht rückläufigen Umsatz und einer Gesamtsegmentergebnis-Marge von rund 12 Prozent.
Ebenfalls düstere Aussichten gab es aus dem MDAX vom Stahlkonzern Salzgitter (WKN 620200). Dieser reagiert auf diese Verschärfung der Euro-Krise mit einem pessimistischeren Ausblick für sein Stahl-Geschäft. Laut der neuen Prognose, werde der Bereich Stahl im laufenden Jahr rote Zahlen schreiben. Bisher hielt Salzgitter in diesem Bereich, trotz der europäischen Probleme, noch ein knapp positives Ergebnis vor Steuern für möglich.
Quartalszahlen meldeten in der vergangenen Woche u.a. der TecDAX-Konzern Qiagen (WKN 901626) und die SDAX-Beteiligungsgesellschaft GESCO (WKN A1K020).
Für Furore sorgte in der vergangenen Woche auch die Commerzbank (WKN 803200). Zunächst kündigte sich überraschenderweise den kompletten Ausstieg aus dem Geschäft für die Gewerbliche Immobilienfinanzierung und Schiffsfinanzierung an. Dann hat die teilstaatliche Bank wie erwartet weite Teile der außertariflichen Mitarbeiter ihre variable Vergütung in Aktien ausgezahlt. Allerdings haben diese Mitarbeiter die Aktien wieder mehrheitlich verkauft, was am Markt für große Unruhe sorgte. Warum der Aktienverkauf der Mitarbeiter dennoch kein Ausdruck von Mißtrauen ist, steht hier.
Ebenfalls interessant: Die Rhön-Klinikum-Übernahme wurde zur Hängepartie für Fresenius (WKN 578560). Seit Mittwoch wurde über eine Scheitern der Übernahme spekuliert, nachdem überraschend die Asklepios Kliniken GmbH am Mittwoch den Anteilsbesitz von 5,01 Prozent an Rhön Klinikum gemeldet hatte. Bis Freitagabend wurde bei Fresenius ausgezählt, wieviele Aktien dem Konzern angedient wurden. Am Ende waren es nur 84,3 Prozent, womit die Annahmeschwelle von mehr als 90 Prozent nicht erreicht wurde und die Übernahme nicht zu Stande kommt. Wie man als Aktionär reagiert, steht hier.
In Sachen Börsengänge gab es erneut eine Absage: Der Börsengang der Automotivesparte von Rheinmetall (WKN: 703000), KSPG, kommt zumindest nicht mehr vor der Sommerpause. Für die Rheinmetall- oder KSPG-Interessierte muss dies kein Nachteil sein, denn das Geschäft läuft dort weiter prächtig und die Rheinmetall-Aktie ist nach wie vor sehr günstig.

Internationale Einzelwerte

In Österreich richtete sich unser Blick in der vergangenen Woche auf den Baukonzern Strabag (WKN A0M23V) und den Leuchten-Hersteller Zumtobel (WKN: A0JLPR). Aus der Schweiz stand die Zurich Insurance Group (WKN 579919) im Blick.
An der Wall Street waren erste Quartalszahlen zu verdauen. Dabei enttäuschten sowohl der Sportartikelhersteller Nike (WKN 866993) also auch der BlackBerry-Hersteller Research In Motion (RIM) (WKN 909607) in jeglicher Hinsicht. Die Aktienkurse brachen jeweils deutlich ein und belasteten im Fall von Nike auch die Kurse der gesamten Branche.
Überraschend kam für viele Anleger die Aufspaltung von Rupert Murdochs Medienimperium News Corp. (WKN A0DLJU). Konkret geht es um eine Trennung des Zeitungsgeschäfts und des Unterhaltungsgeschäfts. Bei den Aktionären kam die Aussicht auf zwei kleinere Einheiten durchaus positiv an, wie das Kursplus der letzten Tage zeigt.
In Sachen Übernahmen machte in der vergangenen Woche vor allem der weltgrößte Bierbrauer, Anheuser-Busch Inbev (WKN: 590932), von sich reden. Ziel einer 20 Mrd. US-Dollar schweren Übernahme ist der mexikanische Wettbewerber Grupo Modelo (WKN: 896259), hierzulande vor allem für Corona bekannt.
Im Technologiesektor sorgte indes Microsoft (WKN 870747) eine Woche nach der Vorstellung des Tablet-PCs Surface mit der 1,2 Mrd. US-Dollar schweren Übernahme von Yammer für einen Paukenschlag. Der Social-Media-Anbieter für die interne Kommunikation im Büro wird häufig auch als das „facebook für den Arbeitsplatz“ bezeichnet und soll durch die Übernahme als ein immer stärker werdender Konkurrent Bereich der Bürosoftware aus dem Weg geräumt werden sowie natürlich gleichzeitig zum wachsenden Geschäftserfolg von Microsoft beitragen. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht: Google (WKN A0B7FY) nutzte seine Entwicklerkonferenz um das eigene Tablet Nexus 7 vorzustellen. Zusammen mit dem langsamen Sterben von RIM bewegt sich also in der Branche von Smartphones und Tablets sehr sehr viel.

Wochenvorschau: Unternehmenstermine

Der Beginn des dritten Quartals verläuft weitgehend ruhig. Am Dienstag werden in den USA die Automobilabsatzzahlen für Juni veröffentlicht. Am Mittwoch folgen mit den Hauptversammlungen von Praktiker, Solar-Fabrik und voestalpine nur bedingt kursrelevante Ereignisse. Weitere Aktionärsversammlungen finden am Donnerstag bei Fielmann und HORNBACH-Baumarkt und am Freitag bei der HORNBACH HOLDING statt. Relevante Quartalszahlen stehen in der kommenden Woche nicht an. In den USA findet am Dienstag nur eine verkürzter Handel um am Mittwoch kein Handel statt. Der 4. Juli ist als Unabhängigkeitstag traditionell frei, was sich auch auf die gesamte Handelswoche niederschlägt.

Wochenvorschau: Konjunkturdaten

In Sachen Konjunkturdaten werden am Montag aus den USA der ISM-Einkaufsmanagerindex (Juni) sowie die Bauausgaben (Mai) veröffentlicht. Zuvor stand aus Japan der TANKAN-Bericht (Juni) im Fokus. Am Dienstag folgt der Auftragseingang der US-Industrie (Mai). Zur Wochenmitte bleibt es ruhig, bevor am Donnerstag die Zinsentscheide von EZB und Bank of England das Geschehen prägen dürften. Derzeit erscheint eine Zinssenkung in der Eurozone immer wahrscheinlicher. In Deutschland werden zudem die Mai-Daten zum Auftragseingang der Industrie veröffentlicht. In den USA wiederum sorgen der ADP-Arbeitsmarktbericht (Juni), die Erstanträge und der ISM-Index (Juni) für zahlreiche Konjunkturimpulse. Das Highlight der Woche wird dann schließlich die Veröffentlichung der offiziellen US-Arbeitsmarktdaten (Juni) am Freitag sein.


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