Zumtobel: Trotz Gewinneinbruch bleibt Enttäuschung am Markt aus

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Eigentlich wären die heutigen Zahlen des österreichischen Leuchten-Herstellers Zumtobel (WKN: A0JLPR) ein Anlass für einen saftigen Kurseinbruch a la Infineon gestern gewesen. Doch trotz Gewinneinbruch, ungewissem Ausblick und einer angekündigte Dividendensenkung springt die Aktie im Wiener Mittagshandel um über 5 Prozent nach vorne. Das kommt nicht von ungefähr, denn in den vergangenen drei Monaten hat die Aktie bereits 30 Prozent an Wert verloren, von daher erfühlt die heutige Bilanzvorlage nicht die schlimmsten Befürchtungen. Diese Bodenbildung scheint einen zweiten Blick auf Zumtobel zu rechtfertigen.

Der Blick zurück

Der Konzernumsatz belief sich im Geschäftsjahr 2011/12 auf 1,28 Mrd. Euro und liegt damit 4,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Aufgrund von Zukunftsinvestitionen, gepaart mit einem schwachen Komponentengeschäft, ging das bereinigte EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) um 55,9 Prozent auf 34,6 Mio Euro. Die bereinigte EBIT-Marge verschlechterte sich von 6,4 auf 2,7 Prozent. Das Jahresergebnis sank von 51,3 Mio. Euro im Vorjahr auf nun noch 16,0 Mio. Euro. Das Ergebnis je Aktie brach von 1,19 Euro auf 0,37 Euro ein.
Beim Blick auf die einzelnen Regionen fällt die unterschiedliche Entwicklung auf. Während das Komponentengeschäft in fast allen Regionen deutliche Umsatzrückgänge verzeichnete, konnte das Leuchtengeschäft die solide positive Umsatzentwicklung in Europa (+5,3 Prozent) fortsetzen. In den Regionen außerhalb von Europa war die Umsatzentwicklung zum Großteil enttäuschend. Sowohl in Asien (inkl. Mittlerer Osten) als auch in den USA stieg der Umsatz lediglich um 1,0 Prozent, während er in der Region Australien & Neuseeland um 1,5 Prozent anstieg.

Konzernchef Harald Sommerer erklärte angesicht der Zahlen ernüchtert: „Wir sind mit hohen Erwartungen in dieses Geschäftsjahr gestartet und mit der tatsächlichen Entwicklung natürlich nicht zufrieden. Das dynamische Wachstum unseres LED-Geschäfts bestätigt zwar unsere Grundannahme, dass wir durch den Technologiewandel und das Thema Energieeffizienz deutlichen Rückenwind für unser Geschäft bekommen. Gleichzeitig stellte der Technologiewandel für uns aber auch eine große Herausforderung dar: Im Komponentengeschäft müssen wir schneller als erwartet unsere Strukturen anpassen und parallel in konventionelle wie in LED-Produkte investieren. Hier haben wir in den letzten Monaten gute Fortschritte gemacht. Im Leuchtengeschäft sind wir mit einem innovativen Produktportfolio zwar hervorragend aufgestellt, allerdings verdienen wir angesichts der noch hohen Preise für LED-Chips noch nicht die notwendigen Margen.“

Dividende

Aufgrund des Gewinneinbruchs soll der Hauptversammlung am 27. Juli 2012 eine ebenso drastische Dividendenkürzung vorgeschlagen werden. Konkret sollen die Dividende von bisher 0,50 Euro je Aktie auf noch 0,20 Euro je Aktie sinken. Doch selbst damit bietet die Aktie derzeit eine Dividendenrendite von 2,5 Prozent.

Der Blick in die Zukunft

Wie überall sorgen auch bei Zumtobel die Euro-Krise und deren Auswirkungen für große Unsicherheiten. Dennoch geht der Vorstand aus heutiger Sicht für das Geschäftsjahr 2012/13 von einer Verbesserung beim Umsatz und der bereinigten EBIT-Marge aus. Allerdings scheinen aufgrund der zunehmend negativen Konjunkturaussichten die bisherigen Wachstumsannahmen für die professionelle Lichtindustrie derzeit nicht mehr haltbar. Vor diesem Hintergrund nimmt der Zumtobel-Vorstand seine mittelfristige Umsatzprognose für die kommenden Jahre zurück. Bislang war man von einem durchschnittlichen Umsatzplus von 10 Prozent pro Jahr ausgegangen. Mit Blick auf die Ergebnisentwicklung ist der Vorstand aber nach wie vor überzeugt, dass Zumtobel das Potenzial hat, unter stabilen konjunkturellen Bedingungen die bereinigte EBIT-Marge auf ein Niveau von über 10 Prozent zu steigern.

Die Aktie

Wie eingangs erwähnt hat die Aktie in den letzten drei Monaten fast ein Drittel an Wert verloren. Die Reaktion auf die heutigen Zahlen macht aber deutlich, dass die Abschläge zumindest zum Teil übertrieben waren. Mit einer Dividendenrendite von 2,5 Prozent und einem KGV von derzeit knapp 20 ist die Aktie sicher nicht „billig“. Mit wachsener Klarheit über die konjunkturelle Entwicklung könnte auch die Gewinnentwicklung wieder eher absehbar sein. Evtl. liegt sie am Ende deutlich über dem aktuellen Ergebnis, wenngleich die Aussagen des Managements viele Interpretationsspielraum lassen.


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