Fed: Anleger möchten nicht mehr nur „twisten“

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Einen Tag vor der Fed-Zinsentscheidung zeigten sich viele Anleger noch sehr optimistisch, dass die US-Notenbank Federal Reserve schon zum jetzigen Zeitpunkt die großen Kanonen wie erneute Anleihenkäufe („QE3“) herausholen würde, um die Konjunktur und den Arbeitsmarkt zu stützen. Diese Erwartungen lösten eine kleine Euphorie an den internationalen Börsen aus, so dass beispielsweise der deutsche Leitindex DAX einen Tag vor der Fed-Entscheidung um etwa 2 Prozent zulegen konnte.

Doch Fed-Chef Ben Bernanke scheint für die größeren Kaliber noch nicht ganz bereit zu sein. Vielmehr wird erst einmal bis zum Ende des Jahres „getwistet“. Bei der „Operation Twist“ handelt es sich um ein Anleihentauschprogramm, bei dem die Fed kurzfristige Anleihen verkauft und von diesen Erlösen anschließend langfristige Papiere mit Laufzeiten von sechs bis 30 Jahren kauft. Diese Maßnahme soll dazu dienen, die langfristigen Zinsen zu senken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dabei hat „Twist“ im Vergleich zum „QE“ den Vorteil, dass dadurch die Bilanzsumme der Fed nicht vergrößert wird.

Nun war die erste Runde in Sachen „Twist“ mit einem Volumen von 400 Mrd. US-Dollar eigentlich nur bis Ende Juni angesetzt, doch jetzt will die US-Notenbank noch einmal 267 Mrd. US-Dollar in die Hand nehmen und das Programm bis Ende dieses Jahres laufen lassen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass QE3 ausfällt.

Denn Ben Bernanke sagte nach der Fed-Sitzung, dass die Notenbank zu handeln bereit sei und auch über Anleihenkäufe nachdenke. Damit machte er auch den Investoren wieder Mut, die über den zaghaften Schritt der Fed enttäuscht waren. Dabei dürfte die Wahrscheinlichkeit für neue geldpolitisch Lockerungsmaßnahmen der Fed gestiegen sein, denn aufgrund des Belastungsfaktors Euro-Krise, senkten die US-Notenbanker ihre Aussichten für den heimischen Arbeitsmarkt und die US-Konjunktur (Ausführliche Daten bei der Fed).

Demnach soll die US-Wirtschaft im laufenden Jahr lediglich um 1,9 bis 2,4 wachsen, statt des bisher erwarteten BIP-Wachstums von 2,4 bis 2,9 Prozent. Auch für 2013 wurde der Ausblick gesenkt. Für das kommende Jahr ging man bisher auf Seiten der Fed von einem Wachstum von 2,7 bis 3,1 Prozent aus. Nun soll die US-Wirtschaft laut der verschlechterten Prognosen nur noch um 2,2 bis 2,8 Prozent wachsen. Warten wir es also ab, wann Ben tatsächlich die großen Kanonen herausholt oder vielleicht herausholen muss.


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