Über die Vielschichtigkeit der Euro-Krise(n)

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Der Blick Log hat heute seine sechs Punkte zum Verstehen der Debatte zur europäischen Schuldenkrise veröffentlicht. Darin geht er vor allem auf die Leistungsbilanzproblematik innerhalb der Euro-Zone ein. Ein Überblick über die Entwicklung bietet bspw. Querschüsse an. Dirk geht bei der Ursachenforschung m.E. etwas schnell über die individuellen Gründe hinweg. Denn die eine Euro-Krise gibt es nicht. Jedes Land hat individuelle Probleme und eigene Fehler gemacht.

In Griechenland etwa hat man die günstigen Zinsen der Eurozone offensichtlich dazu genutzt noch weniger auf seine eigene Staatsfinanzierung durch Steuern zu schauen. „Die Steuerquote, also der Anteil der Steuern am Bruttoinlandsprodukt lag in Griechenland 2007 bei 32 Prozent. Vor allem Selbständige wie Ärzte oder Anwälte rechneten sich bei ihren Steuererklärungen arm, Taxifahrer, Handwerker oder Gärtner gaben ungern Quittungen. Im EU-Durchschnitt liegt die Steuerquote hingegen bei 40 Prozent.“ Stattdessen war Staatsverschuldung der einfachere Weg. Ein ausufernder Öffentlicher Dienst (ich hab eine Zahl von 25% aller Jobs im Kopf) bremste zusätzlich die (Steuer-)Entwicklung, so dass auch die Wirtschaft leiden musste. Sinkende Wirtschaftsleistung und steigende Staatsschulden führen zwangsläufig zum Bankrott.

In Spanien wiederum sorgten die günstigen Zinsen für einen Bauboom, der via steigenden Immobilienpreisen einen Wohlstandszuwachs, ähnlich der US-Immobilienkrise, vorgaukelte. Darüber wurden Reformen am Arbeitsmarkt vernachlässigt und die Jugendarbeitslosigkeit explodierte mit Platzen der Immobilienblase von 25 auf 50 Prozent. Durch die Rettung der Banken schossen auch in Spanien die Staatsschulden in die Höhe, was eine Reform nicht leichter macht.

Irland wiederum hat früh seine Banken verstaatlicht, aufgrund des internationelen Drucks harte Lohnsenkungen durchgedrückt und kann seither seine Exportstärke wieder ausbauen. Interessant hierbei ist, dass es hier eher ein regionaler Konjunkturabschwung war, denn Leistungsbilanzdefizite zu Euro-Staaten gab es hier vergleichsweise kaum.


3 KOMMENTARE

  1. Spannende Ergänzung Marc,
    aber gerade die Details machen es manchmal so schwer, heraus zu bekommen, woran es wirklich liegt. In dem Beitrag ging es mir erst einmal um meine eigenen Grundlinien.

    Mir war in dem Beitrag auch wichtig, dass ich nicht schreibe: Ich erkläre Euch die Eurokrise, das kann ich gar nicht. Sondern ich brauche für mich erst einmal ein Gerüst, in das ich die verschiedenen Diskussionsstränge hineinpacken kann.

    Die von Dir genannten Punkte finde ich letztlich unter 2. wieder: „Es gibt unterschiedliche Erklärungen (Hypthesen) über die Ursachen der Defizite“.

  2. Generell ist das „Schritt zurück“-Gehen sicher hilfreich, nur bin ich mir eben nicht sicher, ob es wirklich hilft sich auf die Leistungsbilanzebene zurückzuziehen und dann über deren (Un)-Ausgeglichenheit zu sprechen, da die Gründe eben doch wieder individuell geklärt werden können und müssen. Die Diskussion um Transferzahlungen macht ja eigentlich deutlich, dass ohne gemeinsame Regeln noch so viele Transfers (in welcher Form auch immer) gezahlt werden müssen, ohne dass sich etwas verbessert.
    Bin aber auf Deinen zweiten Teil gespannt!

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