Facebook-Aktie: Totgesagte leben länger, Face.com-Übernahme treibt

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Seit einem Monat findet sich Facebook auf dem Kurszettel wieder. In den Schlagzeilen dominierten zunächst vor dem Börsengang die Rekordmeldungen, die dann nach dem geglückten IPO in Häme und Panikmache umschlugen. Was wurde nicht alles schon über die Facebook-Aktie geschrieben. Von Blase etc. war die Rede. Doch offenbar leben Totgesagte länger, denn seit Tagen befindet sich die Facebook-Aktie (WKN: A1JWVX) im Aufwärtstrend.

Die vergangenen vier Wochen haben dabei ein klares Tief gezeigt: Am 5. Juni notierte die Aktie bei 25,52 US-Dollar auf dem tiefsten Stand seit der Notierungsaufnahme. Zu diesem Zeitpunkt mussten Zeichner der Aktie (Ausgabepreis: 38 US-Dollar) fast 33 Prozent Zeichnungsverluste verbuchen. Doch dieser Kurs war offenbar die Wende. Bereits am vergangenen Freitag wurde die Marke von 30 US-Dollar wieder überschritten. Seither nimmt die Aktie Kurs in Richtung 32 US-Dollar. Auf der einen Seite dürfte sicher die nachlassende Berichterstattung über den „Börsenflop des Jahres“ zu dieser Beruhigung beigetragen haben, auf der anderen Seite gibt es auch Nachrichten, die für Facebook sprechen. Doch der Reihe nach.

Berichte (u.a. im Wallstreet Journal) wonach sich vor allem Morgan Stanley für den hohen Ausgabepreis und den holprigen Börsenstart verantwortlich zeichnet, befreiten Facebook selbst (inkl. seiner Großaktionäre und Gründer Mark Zuckerber) von einem Großteil des Ärgers. In der Folge schauten sich die Anleger Facebook wieder etwas unvoreingenommener an, und siehe da: So schlecht ist da doch nicht alles.

An diesem Punkte setzte auch die positive Nachrichtenlage ein. Den Anfang machte Apple auf seiner Entwicklerkonferenz mit der Aussage künftig Facebook neben Twitter in das neue Betriebssystem iOS 6 zu integrieren. Damit sichert sich Facebook bei den Apple-Kunden eine Quasi-Monopolstellung.
Die zweite Meldung kam am gestrigen Montagabend in Form der Übernahme von Face.com, einem israelischen Spezialisten für Gesichtserkennungssoftware. Der Preis wird auf 55 bis 60 Mio. US-Dollar geschätzt – offiziell war Stillschweigen vereinbart worden. Ziel der Transaktion ist offensichtlicherweise die Kombination von Instagram und der Gesichererkennungskompetenz von Face.com. Damit würde Facebook im Bilder-Geschäft ganz neue Möglichkeiten erlangen, die sicherlich mit der Zeit auch finanzielle Erfolge nach sich ziehen dürften. Stichwort ist hier die zielgenaue personifizierte Werbung.

Alles in allem also zwei Meldungen, die zeigen, dass Facebook weiter die Chance hat, aus The next big thing auch finanziellen Nutzen zu ziehen. Mit Spannung richtet sich derzeit der Blick auf die nächsten Quartalszahlen. Aktuell werden ein Umsatz von 1,18 Mrd. US-Dollar und ein EPS von 14 Cents erwartet. Für das Gesamtjahr betragen die Schätzungen 4,96 Mrd. US-Dollar Umsatz und ein EPS von 54 Cents. Damit würde die Aktie derzeit mit einem KGV von 58 bewertet – und das ist nun wahrlich nicht so übertrieben teuer. Die nächste große Hürde für die Aktie dürfte der Ausgabepreis von 38 US-Dollar sein. Erst darüber kann man wieder mit einem größeren Maß an Berichterstattung rechnen, was dann auch weitere Anleger nach sich ziehen würde. Bis dahin heißt es wohl weiter beobachten und auf die Nachrichten achten. Der gestrigen Kurssprung von zeitweise 7 Prozent hat deutlich gemacht, dass es plötzlich sehr schnell gehen kann.


5 KOMMENTARE

  1. […]  Seit einem Monat ist Facebook auf den Kurszetteln notiert, und bisher überwogen die schlechten Nachrichten (gab es gute?).  Doch inzwischen scheint sich das Blatt zu wenden, der Kurs zog zuletzt deutlich an. Weshalb auch die nächsten Quartalszahlen mit Spannung  erwartet werden. Offenbar gilt, was DIEBÖRSENBLOGGER schreiben: “Facebook-Aktie – Totgesagte leben länger”. […]

  2. Es stimmt zwar, dass Facebook zu einer kleinen Gegenreaktion angesetzt hat. Allerdings bin ich von dem Geschäftskomzept noch nicht so recht überzeugt. Wer garantiert mir denn, dass die 900 Mio. Nutzer nicht bei der nächsten Gelegenheit bei einer anderen Seite anheuern. Auch verdient Facebook kaum etwas mit seinen Nutzern. Da wurde jetzt einmal richtig kräftig Kasse gemacht und gut ist.

    Hier gibt es übrigens immer aktuelle Infos zum Facebookbörsengang:

    http://www.gevestor.de/

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