Schweizerische Nationalbank verteidigt Mindestkurs weiter, lehnt Staatsfonds ab und will mehr Eigenkapital für Banken

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Bildquelle: Pressefoto Schweizerische Nationalbank

Die Nachrichtenlage in der Schweiz stand heute unter dem Einfluss der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Im Rahmen eines Mediengesprächs bekräftigte Thomas Jordan (pdf), Präsident des SNB-Direktoriums, noch einmal das Festhalten an dem Mindestkurs von 1,20 CHF pro Euro.

Die Schweizerische Nationalbank hält am Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro unverän-dert fest und wird ihn mit aller Konsequenz durchsetzen. Sie ist weiterhin bereit, dazu unbeschränkt Devisen zu kaufen. Auch beim heutigen Kurs bleibt der Franken hoch bewertet. Eine erneute Aufwertung hätte schwerwiegende Folgen für die Preis- und Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz. Die Nationalbank wird dies nicht zulassen. Wenn nötig ist sie bereit, jederzeit weitere Massnahmen zu ergreifen.

Daneben äußerte sich Jordan auch zur Frage nach der Bewirtschaftung der Devisenanlagen. Hier waren zuletzt Forderungen nach der Gründung eines Staatsfonds aufgekommen.

In der letzten Zeit ist dieses Thema erneut in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt. Insbesondere wird die Einrichtung eines Staatsfonds mit den Devisen-beständen der SNB diskutiert. In diesem Zusammenhang ist es zunächst einmal wichtig festzuhalten, dass die Nationalbank ihre Fremdwährungsbestände nicht einfach in Form von Noten oder Bankguthaben hält. Sie investiert diese in verschiedene Anlageklassen und Währungen. Seit langem hält die Nationalbank nicht nur klassische Staatsanleihen von Ländern mit hoher Bonität, sondern auch Anleihen privater Schuldner und Aktien. Der Bestand an Aktien beträgt zur Zeit rund 10% der Devisenanlagen.
Für eine weitere Diversifizierung der Anlagen hat die Nationalbank 2010 weitere Währungen wie den australischen und den Singapur-Dollar sowie die dänische und die schwedische Krone in das Anlageuniversum aufgenommen. Seit dem 1. Quartal 2012 investiert die Nationalbank neu auch in den koreanischen Won.

Konkret nannte Jordan drei Punkte, die aus Sicht der SNB gegen einen Staatsfonds sprechen:

Erstens hilft die Gründung eines Staatsfonds nicht bei der Durchsetzung des Mindestkurses. Nur die Bereitschaft der Nationalbank, unbeschränkt Devisen gegen Franken zu kaufen, ist dafür massgebend. Zweitens unterliegen sämtliche Investitionen im Ausland einem Wechselkursrisiko, seien es nun Staatsanleihen, Aktien, Immobilien, Rohstoffe oder Beteiligungen an Infrastrukturen, und zwar unabhängig davon, ob sie in der Bilanz der Nationalbank oder in derjenigen eines separaten Staatsfonds enthalten sind. Die Auslagerung der Devisenanlagen würde daher das Wechselkursrisiko für die Schweiz nicht reduzieren. Drittens würde eine Auslagerung der Devisen in einen Staatsfonds die Unabhängigkeit der Geldpolitik und der Nationalbank in Frage stellen sowie die Handlungsfähigkeit der Geldpolitik einschränken. Grösse und Zusammensetzung der Bilanz der Nationalbank sind Aus-druck der Geldpolitik. Die Nationalbank muss gekaufte Aktiven auch bei Bedarf wieder veräussern und die Zusammensetzung ihrer Bilanz bestimmen können. Nur so kann sie ihre Geldpolitik unabhängig und zielgerichtet gestalten.

Im Anschluss äußerte sich Jean-Pierre Danthine (pdf), Vizepräsident des Direktoriums der SNB, zur Lage bei den Banken. Dabei begrüßte er auf der einen Seite die bisherigen Erfolge bei der Eigenkapitalausstattung, erklärte jedoch zugleich, dass die Ausstattung der Großbanken mit verlusttragendem Kapital nach Ansicht der Nationalbank weiterhin unterhalb des Niveaus lägen, das eine ausreichende Widerstandskraft gewährleisten würde. Daher hält die SNB eine weitere Stärkung der Widerstandskraft der beiden Großbanken UBS und Credit Suisse für unumgänglich.

Sie empfiehlt daher, dass die UBS ihre Bemühungen in diesem Bereich wie begonnen fortsetzt. Dies beinhaltet insbesondere auch die Fortführung einer restriktiven Dividendenpolitik. Die Credit Suisse sollte ihrerseits den Kapitalaufbauprozess beschleunigen und alles Mögliche unternehmen, um ihr verlusttragendes Kapital noch in diesem Jahr deutlich zu erhöhen.
Ausserdem empfiehlt die Nationalbank den Grossbanken, die Transparenz bezüglich ihrer Widerstandskraft zu erhöhen. Konkret sollten die beiden Institute – so wie es die UBS in ihren Präsentationen der letzten zwei Quartalsergebnisse bereits gemacht hat – Informationen zu ihrer Kapitalausstattung gemäss künftigen, vollständig implementierten Basel-III-Vorschriften publizieren. Zudem sollten die zwei Grossbanken ihre risikogewichteten Aktiven gemäss dem Basler Standardansatz regelmässig berechnen und veröffentlichen. Die entsprechenden Kennzahlen können als Vergleichsgrösse für die anhand interner Risikomodelle berechneten risikogewichteten Aktiven herangezogen werden. Ein solcher Vergleich ermöglicht eine transparentere Darstellung des laufenden Risikoabbaus.

Im Anschluss stellte Danthine auch das jüngst vom Bundesrat beschlossen Konzept des antizyklischen Kapitalpuffers vor. Dieses Instrument soll den Behörden die Möglichkeit geben, die Eigenmittelanforderungen des Bankensystems an allfällige Fehlentwicklungen am Schweizer Kreditmarkt anzupassen. Es handelt sich um ein präventives Instrument, das bei Bedarf und in benötigter Höhe aktiviert werden kann.

Die Reaktion am Züricher Markt waren teils verheerend. Die Aktie der Credit Suisse (WKN 876800) brach um über 10 Prozent ein. Bei der UBS (WKN UB0BL6) ging es um über 2 Prozent nach unten.

Bildquelle: Pressefoto Schweizerische Nationalbank


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