Apple-Entwicklerkonferenz ohne die ganz große Überraschung, aber deutliche Abgrenzung zu Google

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Die gestrige Apple-Entwicklerkonferenz WWDC bot für den interessierten Beobachter wenig Überraschungen. Die bekannten Erfolgsmodelle Macbook Air und Macbook Pro erfahren ein Lifting und mit dem neuen Macbook Pro mit Retina-Display wurde zugleich ein echtes Highlight vorgestellt. Mehr Details zu den neuen Notebooks bei caschy.

Sicherlich sind die Macbooks alle nicht für die große Masse konzipiert. Aber für die zahlungskräftige Apple-Kundschaft durchaus erschwinglich. Interessant ist zudem, dass die Euro-Preise über den Dollar-Preisen liegen. Womit wir einmal einen Blick auf das Strategische werfen sollten. Apple hat keine „the next big thing“ präsentiert, vom berühmten Apple-TV weiterhin keine Spur. Stattdessen scheint derzeit die Devise gefahren zu werden, auf hohem Niveau zu konsolidieren. Die bestehenden Kunden sollen durch erneuerte, hochpreisige Produkte bei der Stange gehalten werden. Damit baut Apple seinen Status als Cash-Maschine inkl. Dividende aus.

Noch interessanter ist die deutliche Abgrenzung zum Android-Hersteller und damit direktem Wettbewerber Google. Die Wahl von TomTom als neuer Kartenlieferant für das iPhone hätte noch als Zufall durchgehen können – schließlich ist das Unternehmen bei Navigationsgeräten seit langem erfolgreich. Doch die Entscheidung neben Twitter künftig auch Facebook als Kommunikationskanal standardmäßig zu integrieren ist in zweierlei Hinsicht spannend. Apple verabschiedet sich von einem eigenen Social Network und straft gleichzeitig Google mit seinem Netzwerkversuch Google Plus ab. Stattdessen wird das durch den mißratenen Börsengang zuletzt arg gebeutelte Netzwerk Facebook mit einem Beinahe-Exklusivzugang zu Apple „geadelt“. Daraus könnte sich eine Win-Win-Situation ergeben, denn gerade im Online-Werbe-Geschäft tut sich Facebook noch schwer. Via iPhone und iPad sind aber bereits heute viele Facebook-Nutzer unterwegs, so dass sich hieraus vielleicht neue Erkenntnisse für dieses Wachstumssegment gewinnen lassen. Im Umkehrschluss werden Apple-Produkte so auch für Facebook-Nutzer interessanter. Man darf gespannt sein, ob dies noch einmal Extra herausgestellt wird. Google wiederum dürfte damit endgültig aus der Apple-Familie verdrängt worden sein. Stattdessen verschieben sich die Konfliktlinien weiter. Apple (+Facebook, TomTom) gegen Google, Microsoft, Samsung, Dell, Compaq…

Kommen wir zum Schluss zur Apple-Aktie (WKN: 865985). Trotz eines Börsenwerts von mehr als 530 Mrd. US-Dollar wird die Aktie derzeit nur mit einem 2012er KGV von rund 12 bewertet. Bis zum Allzeithoch bei 644 US-Dollar ergeben sich derzeit (Schlusskurs Montag: 571,17 US-Dollar) noch mehr als 10 Prozent Kurschance. Vielleicht sollte man sich die Aktie doch mal wieder genauer ansehen? Die Kursziele der Analysten liegen mittlerweile mehrheitlich zwischen 650 und 800 US-Dollar.

Einige ausgewählte Artikel zur WWDC und den neuen Apple-Produkten:

Auch Apple kommt an Facebook nicht vorbei (netzwertig.com)

Apple setzt auf Aggression statt Innovation (FAZ)

Apple stellt iOS 6 und OS X Mountain Lion vor: Hübsche Verbesserungen, auf die ihr noch warten müsst (Basic Thinking Blog)

Wie lange läuft der Apple-Motor noch? (Handelsblatt)


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