Vom Grexit, ein paar Indern, einer harten Angie, einem weichen Euro, der rosaroten Klobrille und dem lieben Gold…

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Wir stehen eigentlich seit Jahren am Abgrund – und wir wissen es, tun aber nichts dagegen. Eigentlich komisch, haben sich doch zuhauf renommierte Wirtschafts- und Fachleute zuletzt immer wieder zu den aktuellen Problemen in Europa, in den USA und in Asien geäußert. Doch nichts passiert. Stattdessen schauen wir zu, wie unsere Gemeinschaftswährung immer weicher und letztlich wohl auch den Bach runter gehen wird. Sie meinen, ich übertreibe? Gewiss nicht. Ich habe schon vor mehr als einem Jahr hier vor diesem Szenario gewarnt!

Und mittlerweile zeigen es auch die Umfragen. Jeder zweite Deutsche will den „Grexit“! Sie konnten es jüngst lesen: 49 Prozent der Deutschen sind demnach dafür, dass Athen die Währungsgemeinschaft verlässt, ergab eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage für das Magazin „stern“. 39 Prozent sind demnach der Ansicht, die Griechen sollten den Euro behalten. Zudem unterstützen die meisten Befragten den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel, auf den geforderten Sparanstrengungen zu beharren. 62 Prozent wünschen, dass Merkel ihrer bisherigen Linie treu bleibt. Jawohl! Wir bleiben in Berlin, Frankfurt und Buxtehude standhaft – bis zur letzten Überweisung gen Athen! Was sind schon Kita-Plätze oder Studienangebote in Deutschland gegen griechische Staatsanleihen?

Dabei sind die größten Gefahren gar nicht einmal in Europa zu sehen. Das meinen wir nur mit unserem leichten arroganten abendländischen Verständnis. Marc Faber hat das schon vor Wochen klar auf den Punkt gebracht. Unsere Wirtschaft wird „dank China und Indien“ ein Problem demnächst haben. Indien? Fragen Sie nun… Jepp!

Der BRIC-Star hat ein Problem. Im ersten Quartal 2012 wuchs die indische Volkswirtschaft nur noch um 5,3 Prozent. Klingt viel, ist es aber nicht. Dies ist das niedrigste Wachstum seit neun Jahren! Der Exportsektor der Nachkommen Gandhis stagniert. Das wäre nun nicht das große Problem – doch die Inder bekommen ihre Inflation nicht in den Griff. Das wiederum sorgt für Höllenpreise im Binnenmarkt. Und der ist wiederum dank der 1,2 Mrd. Inder eine tragende Säule dieser Volkswirtschaft. Doch mit 7,2 Prozent Inflation im April kann man nur sehr schlecht den Binnenmarkt ankurbeln. Was sagt uns das nun alles?

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Euro-Krise, in Asien ein „paar“ Inflationsprobleme und stagnierende Wirtschaftsregionen und jenseits des Atlantiks eine Volkswirtschaft, die nach wie vor Ihren Arsch nicht so richtig hochbekommt… Aber wir schauen lieber auf die EZB und hadern, dass die Euro-Jungs den Leitzins nicht noch tiefer ansetzen. Komische Welt. Die Lösung:

Ja – Sie wissen was jetzt kommt. Gold! Investieren Sie in Gold, oder andere Rohstoffe. Denn unsere Währungen werden immer weicher. Bis auf den Franken, und das ist ebenfalls ein ernsthaftes Problem. Aber hey, man kann das alles auch durch die rosarote Klobrille anschauen und alles aussitzen.

So oder so ähnlich ist der Rat von Joachim Brandmeier von Börse Aktuell, der im jüngsten Newsletter seiner Publikation schreibt:

Lassen Sie sich bitte nicht von der Panik anstecken. Natürlich nagen fallende Kurse grundsätzlich am Optimismus, aber man darf nicht gleich davonrennen. Jedes Mal, wenn wieder irgendeine Krise, ein Krieg, eine Epidemie oder sonst etwas droht und die Kurse abstürzen, verfallen leider viele Anleger in Weltuntergangsstimmung. Sie verkaufen ihre Aktien zu den gesunkenen Kursen. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass es genau andersherum viel besser ist: Gerade wenn die Kurse fallen und tief stehen, sollte man viel eher einsteigen. Man muss dann zwar gute Nerven haben, dafür kommt man aber billiger rein. Und weiter – jetzt kommt der Knaller…

Gewiefte Anleger tun das übrigens. Alle Aktien, die gerade weltweit verkauft werden, kauft schließlich auch irgendjemand (zum Beispiel der Schreiber des Leserbriefes oben). Und das sind dann diejenigen, die hinterher wieder strahlen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie nach der Krise auch strahlen!

Also…gewiefte Anleger wären im DAX bei 6950 ausgestiegen… Leider konnte uns der Newsletter von Börse Aktuell nicht sagen, wie tief die Kurse fallen und wann sie wieder nach oben gehen. Baisse-Jahre sind harte Jahre. Und die einzigen die in dieser Zeit etwas verdienen sind de Broker/Emittenten und diverse Herausgeber von Börsenbriefen mit solchen wie gerade zitierten „Halte-Parolen“. Diese Jungs haben nämlich bestimmt nicht bei 7100 Zählern im DAX ihren Lesern gesagt, dass man nun raus gehen sollte und wieder bei 6000 rein. Ich glaube kaum….

Natürlich sollen Sie nicht Ihre guten Aktien verteufeln, aber Sie sollten mehr auf „Krisen-Währungen“ setzen. 10-15% Gold im Depot – das kann kein Fehler sein. Und ist es auch nicht. Kaufen Sie jetzt Gold und Sie werden am Ende des Jahres zu den Gewinnern gehören.

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Denn woher soll so schnell eine neue (Aktien-)Börsen-Euphorie kommen…?

take Care;
Euer Goldfinger


4 KOMMENTARE

  1. Ja, Inflationsschutz hat oberste Priorität. Diesen Schutz kann man m.E. aber auch mit soliden Aktien mit hoher Dividendenrendite erzielen. Die sind nach unten einigermaßen abgesichert und werden ihren Wert als Unternehmen behalten, egal, welches Währungskennzeichen auf den Geldscheinen stehen wird. Die Frage ist nur, auf welchem Niveau man einsteigen kann.

  2. Ich glaube es hilft nichts, das ist eine Situation, da kommt niemand mehr raus. Die Staaten sind total überschuldet und das wird dann in einer grossen Wirtschaftkrise enden. Leider gibt es keinen Ausweg, denn auch Gold kann man nicht essen.

  3. […] Jetzt aber weiter mit Finanzblogs: Die Börseblogger widmen sich auch der sich stetig verschärfenden Eurokrise, fügen hier aber noch ein paar weitere Krisenherde (Indien, China…) hinzu und fertig ist “Vom Grexit, ein paar Indern, einer harten Angie, einem weichen Euro, der rosaroten Klobrille und dem…” […]

  4. Kam gerade rein vom Wirtschaftsrat zum Thema Griechenland:

    „Die europäische Schuldenkrise spitzt sich zu: Wir brauchen ein
    Ausstiegsszenario für Griechenland“, erklärte der Präsident des
    Wirtschaftsrates der CDU Kurt Lauk

    Berlin (ots) – „Europa steht vor dramatischen politischen
    Weichenstellungen, die auch für Deutschland von schicksalhafter
    Bedeutung sind. Mit großer Sorge sieht der Wirtschaftsrat den Folgen
    der Wahlen in Frankreich und Griechenland entgegen. Vieles ist zu
    erwarten, nur eines nicht: Rückendeckung für finanzielle Solidität
    und die Sanierung der Staatsfinanzen durch Sparen, Strukturreformen
    oder die Stärkung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit im
    Euro-Raum.

    Griechenland ist ein maßlos überschuldeter Staat. Europa hat ein
    Hilfspaket nach dem anderen geliefert. Griechenland hat im Gegenzug
    gerade einmal knapp fünf Prozent der vereinbarten Strukturreformen
    geliefert. Die versprochene Sanierung der Banken findet nicht statt.
    Das zugesagte Ziel von 50 Milliarden Euro Erlös aus Privatisierungen
    bis 2015 wurde zusammengestrichen auf 19 Milliarden Euro. Erreicht
    wurden bisher gerade einmal 1,7 Milliarden Euro. Wenn die Griechen
    einfach nur ihre Steuern bezahlten, gäbe es diese Krise nicht. Die
    Steuerflucht in Griechenland beträgt 15 Prozent des
    Bruttosozialproduktes, das sind 45 bis 50 Milliarden Euro. Diese
    Analyse des Chefs der griechischen Steuerfahndung ist verheerend.

    Angesichts der Lage wäre es verantwortungslos, wenn sich die
    Staaten der Währungsunion keine Gedanken über ein Ausstiegsszenario
    der Griechen machen würden. Niemand soll sagen, der Wirtschaftsrat
    spiele mit dem Feuer eines ungeordneten Austritts aus der
    Währungsunion. Natürlich sehen wir die Gefahren eines Flächenbrandes.
    Höchste Staatskunst ist hier gefordert. Es gibt keinen
    Ausstiegsautomatismus, der wäre angesichts der Risiken auch
    unverantwortlich. Der Austritt muss eine Option sein. Und es muss
    Szenarien unterschiedlichster Art dafür geben. Dafür gilt es
    Strategien zu erarbeiten, wie das Feuer der Probleme im Süden Europas
    mit einer Brandmauer abgeschirmt werden können. Und es muss
    Sicherungen dagegen geben, dass die Märkte verrückt spielen. Sie
    müssen darauf vertrauen können, dass die Politik das Problem
    chirurgisch, also mit feinem Gerät lösen kann. Der Wirtschaftsrat
    setzt darauf, dass Bundesfinanzminister Schäuble bereits an solchen
    Szenarien arbeitet.“

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