facebook: Mal ehrlich – solche „Erfolgsgeschichten“ gab es schon früher…

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Die Vorfreude und der Hype im Vorfeld des facebook-IPOs waren groß. Doch ähnlich groß fiel hinterher auch die Ernüchterung aus, denn der Rekordbörsengang brachte zunächst nur den Investoren satte Gewinne ein, die vor dem Börsengang in das soziale Netzwerk investiert hatten. Viele von denjenigen, die bei einem Kurs um die 40 US-Dollar eigestiegen sind, fühlen sich nun von facebook selbst, der Technologiebörse NASDAQ, aber auch von den Banken Morgan Stanley und Goldman Sachs, die den Börsengang begleitet hatten, verschaukelt. Das Nachspiel hat bereits begonnen..

Nachspiel hat bereits begonnen

Dabei haben einige Investoren bereits Klagen eingereicht, da sie den Banken vorwerfen, sie hätten Informationen über unvorteilhafte Änderungen bei ihren Analysen zurückgehalten. Daneben haben sich auch die Aufsichtsbehörde der Finanzindustrie (FINRA) und die US-Börsenaufsicht SEC eingeschaltet. Laut SEC-Chefin Mary Schapiro gebe es viele Gründe, den Märkten und ihrer Funktionsweise zu vertrauen, „aber es gibt einige Probleme, die wir uns anschauen müssen, vor allem im Zusammenhang mit facebook.“

Zu allem Überfluss rundeten technische Pannen bei der Technologiebörse NASDAQ den wenig gelungenen Börsenstart von facebook ab. So musste NASDAQ-Chef Robert Greifeld gegenüber mehreren US-Zeitungen einräumen: „Das war nicht unsere Sternstunde.“ Somit war auch die Freude über den Sieg gegen den Konkurrenten NYSE beim Rekordbörsengang schnell verflogen.

facebook lässt manchen DAX-Wert alt aussehen

Dabei hätte alles so schön laufen können. Mit dem Börsengang des sozialen Netzwerks erlebte die Welt jüngst das mit Abstand größte IPO eines Internet-Konzerns. Selbst Google konnte bei seinem Börsengang im Jahr 2004 „nur“ 1,7 Mrd. US-Dollar einsammeln. facebook sammelte dagegen bei einem Ausgabepreis von 38 US-Dollar je Aktie 16 Mrd. US-Dollar ein und erreichte am Tag der Erstplatzierung der Papiere eine Marktkapitalisierung von 104 Mrd. US-Dollar, wenngleich Ende Mai der Kurs nun knapp 25% unter Börsenstart notierte…

Dennoch war facebook, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 3,7 Mrd. US-Dollar zu verzeichnen hatte, auf Anhieb erst einmal mehr wert als der deutsche Elektronik-Konzern Siemens oder der größte Autobauer Europas, Volkswagen. Mit dem erreichten Volumen gelang facebook nicht nur das größte IPO eines Internet-Unternehmens, vielmehr schaffte es facebook damit in die Liste der 10 größten Börsengänge aller Zeiten und belegt dort nun den siebten Platz.

Asien führt in der Liste der größten IPOs

Interessant zu wissen: Wenn man beim Volumen die Mehrzuteilungsoption nicht berücksichtigt wird diese IPO-Liste von zwei chinesischen Banken angeführt. Im Oktober 2006 ging die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) an die Börse und nahm insgesamt 19,1 Mrd. US-Dollar ein. Allerdings wurde dieser Wert im Juli 2010 von der Agricultural Bank of China mit einem Emissionsvolumen von 19,2 Mrd. US-Dollar knapp geschlagen. Auch Platz 3 geht nach Asien, allerdings dieses Mal nach Japan. Denn der 1992 gegründete größte japanische Mobilfunkanbieter NTT DoCoMo ging im Jahr 1998 an die Börse in Tokio und erreichte damals den absoluten Rekord mit einem Volumen von 18,4 Mrd. US-Dollar. In dieser Statistik zeigt sich, welchen Stellenwert Asien mittlerweile erreicht hat, denn neben den ersten 3 Plätzen schafften es mit dem Versicherer AIA und dem japanischen Marktführer bei den Telekommunikationsunternehmen NTT zwei weitere asiatische Unternehmen in die Top Ten der größten IPOs.

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Deutsche Telekom – Absturz einer Volksaktie

Aus Deutschland hat es lediglich die Deutsche Telekom mit Platz 10 und einem Emissionsvolumen von 13,0 Mrd. US-Dollar in die Liste der 10 größten Börsengänge geschafft. Im Jahr 1996 hatten der Schauspieler Manfred Krug und der damalige Telekom-Chef Ron Sommer die Deutschen zum Plündern ihrer Sparschweine und zum Kauf der T-Aktie quasi verführt. Zu dieser Zeit war fast überall der Spruch zu vernehmen: „Die Telekom geht an die Börse. Da geh ich mit“. Und tatsächlich! Die große Werbekampagne im Vorfeld des Börsengangs der Deutschen Telekom brachte sogar Menschen dazu Aktien zu kaufen, die zuvor nicht im Entferntesten daran gedacht hätten.

Die Volksaktie erlebte seit dem eine „bewegte“ Geschichte. Nach einem tollen Debüt an der Börse und einem Allzeithoch auf dem Höhepunkt der New-Economy-Euphorie im Jahr 2000 von 104,90 Euro, musste das Papier in den darauf folgenden Jahren einen beispiellosen Absturz verkraften. Aktuell wäre man froh, wenn die Marke von 10 Euro nach fast 1 Jahr wieder einmal überquert werden könnte.

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Quelle: comdirect

Die häufigsten Gründe, die für den Untergang der T-Aktie angeführt werden, haben mit Managementfehlern unter dem damaligen Chef Ron Sommer zu tun. Für den US-Mobilfunkanbieter VoiceStream musste man beispielsweise mit 50,7 Mrd. US-Dollar einen viel zu hohen Preis bezahlen. Ebenso wirft man Sommer vor, im Jahr 2000 zu viel für die UMTS-Lizenzen bezahlt zu haben. Daneben wurde vom Management zu wenig für den Abbau des hohen Schuldenbergs getan. Als Ergebnis stand für das Geschäftsjahr 2001 erstmals ein bereinigter Verlust von 4,7 Mrd. Euro und im Jahr 2002 sogar ein Rekordverlust von 24,8 Mrd. Euro. Aber auch die Nachfolger Sommers Kai-Uwe Ricke und Rene Obermann konnten die Deutsche Telekom nicht wieder in die Spur lenken.

Ist facebook überbewertet?

Ob auch der Börsengang von facebook zu einem ähnlichen Fehlschlag wird, bleibt abzuwarten. Immerhin ist die Aktie des Unternehmens gerade einmal wenige Wochen an der Börse. Allerdings gab es schon am ersten Handelstag deutliche Kratzer im facebook-Lack zu verzeichnen. Denn die Aktie hatte es lediglich den Stützungskäufen der am Börsengang beteiligten Banken zu verdanken, dass das Papier am ersten Handelstag knapp über dem Ausgabepreis von 38 US-Dollar geschlossen hatte. In den folgenden Tagen stürzte der Wert des Papiers sogar noch weiter ab, wodurch die Diskussion nach dem tatsächlichen Wert des Unternehmens neue Nahrung erhielt. Denn:

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Quelle: comdirect

Es gibt bereits erhebliche Zweifel ob das Geschäftsmodell von facebook in Zukunft erfolgreich sein wird und vor allem ob es die großen Wachstumsraten liefern kann, die notwendig wären um die hohe Bewertung beim IPO zu rechtfertigen. Immerhin machte facebook selbst über eine Ergänzung im Wertpapierprospekt auf die zunehmende Bedeutung von Smartphones und Tablet-PCs aufmerksam, die sich aber negativ auf das Unternehmen auswirken könnte, das sein Geld hauptsächlich mit Werbung verdient. Denn auf den mobilen Geräten bekamen die Nutzer bisher keine Werbung zu sehen. Jedoch nutzen etwa 500 Mio. der insgesamt 901 Mio. Mitglieder facebook von mobilen Geräten aus…

Ebenso gab der US-Autobauer General Motors jüngst bekannt, dass man künftig keine Werbung mehr auf dem sozialen Netzwerk schalten möchte, da diesen Anzeigen wenig Aussicht auf Erfolg zugerechnet wird. Immerhin haben sich die Internetnutzer heutzutage daran gewöhnt Werbebanner zu ignorieren und nicht anzuklicken. Somit lässt es sich auch erklären, dass ein facebook-Nutzer im Schnitt nur auf einen von 2.000 Werbebannern klickt.

Aller Anfang ist schwer

Doch auch Google hatte es bei seinem Börsengang im Jahr 2004 schwer. Zunächst wurde ein Anfangserlös von 3,3 Mrd. US-Dollar angepeilt, doch buchstäblich im letzten Moment wurde der Ausgabepreis auf 85 US-Dollar gesenkt. Außerdem sahen viele Analysten, ähnlich wie im Fall von facebook Google als überbewertet an. Doch seitdem hat sich Google zu einer wahren Erfolgsstory und zur dominierenden Suchmaschine der Welt entwickelt.

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Quelle: comdirect

Die Peinlichkeit des kurz vor dem Börsengang gesenkten Ausgabepreises wurde somit schnell mit dem wachsenden Geschäftserfolg, aber auch mit einem steilen Anstieg beim Aktienkurs des Unternehmens wettgemacht. Ende 2007 stieg der Aktienkurs auf über 700 US-Dollar, womit Google einen Börsenwert von etwa 230 Mrd. US-Dollar erreichte. Aktuell liegt der Börsenwert von Google bei etwa 200 Mrd. US-Dollar, wodurch das Unternehmen zu den wertvollsten Firmen der Welt gehört. Daneben ist die Marke Google in den Listen der wertvollsten Marken, die von den Instituten Millward Brown und Interbrand regelmäßig erstellt werden neben anderen bekannten Marken wie Apple, Coca-Cola, McDonald’s oder Microsoft auf den vordersten Plätzen zu finden.   

Mein Fazit: Trotz des holprigen Börsenstarts ist es noch nicht erwiesen, dass facebook tatsächlich zu einem Flop und damit zu einem zweiten MySpace wird, welches nach dem Auftauchen von facebook in der Versenkung verschwand. Im Vorfeld des Börsengangs gab es einen regelrechten Hype um das Unternehmen, wodurch der Ausgabepreis nach oben getrieben wurde. So könnten nun einige der negativen Schlagzeilen nach dem IPO ebenfalls übertrieben sein. Schließlich ist die Aktie erst kurze Zeit frei handelbar und es dürfte Jahre dauern bis es klar wird, ob facebook die hohe Bewertung zum Börsenstart wird rechtfertigen können. Dabei kommt es auch darauf an, ob es facebook gelingt das eingesammelte Geld für Übernahmen von hochinnovativen Unternehmen zu verwenden, die das benötigte Wachstum bewerkstelligen können. Dennoch: Wer als spekulativer Anleger die Nerven hat, der könnte durchaus maximal 2% seines Depotvermögens in einen facebook-Deal stecken – ein zu vertretendes Chance-Risiko-Verhältnis aus unser Sicht.


4 KOMMENTARE

  1. kam vorhin rein:
    Facebook wird bis 2020 verschwunden sein“
    US-amerikanischer Analyst prophezeit Niedergang

    Menlo Park (pte/05.06.2012/11:57) Der US-Finanzexperte Eric Jackson, Gründer von Ironfire Capital http://www.ironfirecapital.com , hat in der CNBC-Sendung „Squawk on the Street“ prophezeit, dass Facebook „in fünf bis zehn Jahren verschwunden sein wird, so ähnlich wie Yahoo“. Wie der Suchmaschinenkonzern werde Facebook auf einen Bruchteil seiner heutigen Größe zusammenschrumpfen. Als Grund führt Jackson das fehlende Geschäftsmodell für den mobilen Markt an. Eine neue Generation von Internetfirmen, die das nötige Mobilltelefon-Know-how haben, werden das Geschäft laut dem Experten beherrschen.
    Veraltetes Geschäftsmodell

    Laut Jackson gibt es drei Generationen von Internet-Unternehmen. Die Vorreiter waren große Web-Portale wie Yahoo, die Content an einem Ort gesammelt haben. Die zweite Welle gehört den sozialen Medien, wie Facebook. Die neue Generation besteht aus Firmen, die es verstehen, auf mobilen Plattformen Geld zu verdienen. „Die Entwicklung zeigt, dass es für Firmen anscheinend kaum möglich ist, den Wandel von einer Generation auf die nächste zu vollziehen, siehe Google und seine Versuche, das soziale Netz zu erobern. Facebook wird es ähnlich gehen, egal wie viele Talente sie sich kaufen“, so Jackson.

    Facebook weiß um seine Schwäche auf dem mobilen Markt und versucht auch, diesen Mangel zu beheben, indem es an Möglichkeiten bastelt, Werbung auf mobilen Endgeräten zu verkaufen. Jackson sieht trotzdem kaum Hoffnung für das soziale Netzwerk. „Auch wenn Facebook Start-ups kauft, haben sie immer noch eine große, dicke Internetseite im Zentrum ihres Geschäfts und das ist etwas ganz anderes, als eine mobile App“, prophezeit Jackson. Am Ende werden die Nutzer entscheiden, ob sich das soziale Netzwerk behaupten kann. Aus heutiger Sicht scheint es fast undenkbar, dass fast eine Mrd. User, die das Kapital der Firma sind, der Plattform den Rücken kehren.

    User entscheiden

    „Die Kommunikation über Facebook wird für viele noch einfacher und alltäglicher werden. Eine zu starke Kommerzialisierung könnte die Nutzer aber durchaus vergraulen. Viele User teilen schon heute weniger als früher oder sind genervt davon, zugemüllt zu werden“, sagt Ed Wohlfahrt von edRelations http://edrelations.com gegenüber pressetext. Auf den kleinen Bildschirmen von mobilen Endgeräten läuft Werbung noch eher Gefahr, den Nutzern auf die Nerven zu gehen. Der verlustreichste Börsengang seit 1995 erhöht den Druck auf die Firma zusätzlich.

    „Nach dem IPO ist entscheidend, in welche Richtung Facebook geht und ob die User folgen werden. Zählt nur noch Shareholder Value, könnten die Menschen ihre Nutzung einschränken“, so Wohlfahrt. Die Konkurrenz schläft nicht und wartet nur auf einen Fehler von Facebook. „Wenn es sich auf seine Stärke, nämlich das Gespräch, besinnt, werden die Nutzer weiterhin über Facebook kommunizieren. Das sollten auch Firmen berücksichtigen, statt User auf der Plattform mit aggressivem Marketing zu überrollen. Einen Konkurrenten, der Facebook vom Thron stoßen könnte, sehe ich derzeit aber nicht“, so Wohlfahrt.

    Mittlerweile haben sich die Menschen an soziale Netzwerke gewöhnt und wollen nicht mehr darauf verzichten, auch auf mobilen Endgeräten nicht. Den Stein der Weisen, mit dem mobile Nutzer zu Geld gemacht werden, hat auch die Konkurrenz noch nicht gefunden. Falls das aber passiert, kann alles ganz schnell gehen. Jacksons Beispiel Yahoo hat in nur einer Dekade nach 2000 rund 90 Prozent an Wert verloren.

  2. Bei 20 Dollar werden sich die meisten MT eindecken.
    Bei fast einer Milliarde Kunden ist FB absolut Nr. 1 unter den
    soz. Netzwerken. Übernahme später nicht ausgeschlossen!
    Wie sagte Kostolany, kaufen, liegenlassen u. Schlaftablette
    nehmen. Die Methode ist leicht durchschaubar; schlechtreden,
    schlechtmachen,angstmachen, niedermachen. Es sind also
    Investoren am Markt die günstig zukaufen wollen, um ihren
    Einstandspreis zu reduzieren. Denn wer will schon 30% in 2
    Wochen verlieren. Der Nachkaufzeitpunkt kommt!

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