Mal eben gesagt: Euroaustritt Griechenlands immer wahrscheinlicher…

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Erinnern wir uns. Ganze zwei Tage konnte vor Wochen die Erklärung vom jüngsten G8-Gipfel, Griechenland in der Eurozone halten zu wollen, die Aktienmärkte beruhigen. Doch dann schlugen die Sorgen um die Folgen eines Euroaustritts des schuldengeplagten Landes voll auf die Märkte durch. Seit dem wechseln sich die Stimmen derer, die einen Verbleib Griechenlands in der Gemeinschaftswährung und derer, die einen Austritt als die weniger schmerzhafte Alternative ansehen ab und verunsichern die Anleger. Der DAX notiert nun unter 6000 Punkten. Der schlechteste Mai seit dem Jahr 1989.

Nachdem alle Regierungsbildungsmaßnahmen in Griechenland nach den Parlamentswahlen im Mai gescheitert sind und Neuwahlen ausgerufen wurden, hat sich die Wahrscheinlichkeit für einen Euroaustritt des Landes laut Einschätzungen vieler Marktteilnehmer deutlich erhöht. Denn zum einen ist den Parteien, die den auferlegten Sparkurs ablehnen, ein beachtlicher Wahlerfolg gelungen und zum anderen könnten diese Parteien bei den Neuwahlen einen noch deutlicheren Zulauf an Wählern verzeichnen.

Sollte es tatsächlich eine Regierung in Griechenland geben, die den Sparkurs verlässt, müssten die internationalen Geldgeber konsequenterweise ihre Zahlungen einstellen, was dazu führen würden, dass das Land irgendwann eigenes Geld drucken müsste um seinen Zahlungsverpflichtungen wie den Löhnen von Beamten nachzukommen. Dieses Szenario sorgt bei den Anlegern für große Verunsicherung, weil die Folgen für die gesamte Eurozone und sogar für die Weltwirtschaft kaum abzusehen sind. Weitere Nahrung gab es für ein solches Austrittsszenario durch die Meldung, dass die Euroländer schon an Notfallplänen für ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum arbeiten.

Bisher gab es von Seiten der EU stets die Beteuerung, dass man Griechenland in der Währungsunion halten wolle und dies bei Fortsetzung des eingeschlagenen Spar- und Reformkurses. Allerdings haben die bisherigen Sparmaßnahmen vor allem in den Ländern Südeuropas für ein Abwürgen des Wirtschaftswachstums gesorgt, weshalb die Rufe nach einem europäischen Wachstumspaket oder auch nach so genannten Eurobonds immer lauter geworden sind.

Die Aufnahme gemeinsamer Schulden wird vor allem von dem neuen französischen Präsidenten François Hollande gefordert. Allerdings lehnt Deutschland die sogenannten Eurobonds immer noch vehement ab. Dies ist auch wenig verwunderlich, da deutsche Anleihen als eine Art Sicherheitsanker in Europa angesehen werden und sich einer enormen Nachfrage erfreuen können.

Jedoch musste auch Deutschland zuletzt wieder schwächere Konjunkturindikatoren verzeichnen. Nachdem das Wachstum im ersten Quartal des Jahres mit 0,5 Prozent überraschend gut ausgefallen ist, gab es beim ifo-Geschäftsklimaindex und beim Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie deutliche Rückgänge zu verzeichnen. Der ifo-Geschäftsklimaindex ging im Monat Mai auf 106,9 Zähler zurück, nachdem es zuvor sechs Monate in Folge Anstiege zu verzeichnen gab. Der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie fiel dagegen noch deutlicher unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Mein Fazit: Aufgrund der immer noch schwierigen konjunkturellen Lage in Europa und der zunehmenden Diskussion über einen Euroaustritt Griechenlands sollte man weiter Vorsicht als Anleger walten lassen. Es gilt abzuwarten ob es nach den Neuwahlen eine sparkursfreundliche Regierung in Griechenland geben wird. Außerdem dürften die Sorgen um Spanien nicht so schnell abnehmen. Da diese Unsicherheiten weiter bestehen bleiben sollte man sich auf wenig zyklische Blue Chips/ defensive Wachstumswerte konzentrieren oder sein Geld auf dem Tagesgeld-Konto parken…


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