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Faceflop? Der Börsengang von Facebook im Kreuzfeuer – Crowdguessing liegt deutlich daneben

Der Facebook-Börsengang am vergangenen Freitag war nun wahrlich keine Glanzleistung. Aber das lag nicht nur an Facebook (WKN: A1JWVX). Der Auftakt war ja an sich vielversprechend (siehe Kursverlauf in meinen Updates). Dennoch notierte die Aktie am Ende nur knapp über dem Ausgabepreis. Von einem Faceflop o.ä. würde ich dennoch noch nicht reden. Denn Facebook hat es geschafft sowohl eine erhöhte Aktienzahl, als auch einen erhöhten Ausgabepreis, durchzusetzen. Dass die Hoffnung auf hohe Zeichnungsgewinne wie eine Seifenblase geplatzt ist, kann man Facebook schwerlich vorwerfen, eher denen die nun enttäuscht auf Facebook einschlagen.

Hauptbelastungsfaktor für den mißlungenen ersten Handelstag (und damit auch für die schlechte Stimmung am heutigen Montag) dürfte sicher die Fehlleistung der Nasdaq sein. Anstatt in Ruhe alle Handelsaufträge ordentlich zu einem ersten Kurs zu verarbeiten, verzögerte man den Handelsbeginn ohne nähere Info und lies so die unterschiedlichsten Gerüchte ins Kraut schießen. Statt 17 Uhr, wurde es am Ende 17.30 Uhr und auch dann herrschte eher Planlosigkeit vor. Handel vor Kursstellung geht eben nicht gut, wie man bei nanex nachlesen kann. Und auch ein Wochenende später ist man bei der Nasdaq noch immer bei der Problemanalyse. Aber immerhin hat Nasdaq-Chef Greifeld schon einmal Schwierigkeiten eingeräumt. Die SEC ermittelt und so dürfte das Thema sicher noch einige Male für Schlagzeilen gut sein.

Schaut man noch einmal auf die Erwartungslage im Vorfeld des Börsengangs, dann wird deutlich, welche Hoffnung viele in die Facebook-Aktie hatten. Laut Crowdguessing des Handelsblatts waren deutlich höhere Schlusskurse erwartet worden. Der Mittelwert der Schätzungen lag bei 51,86 US-Dollar, der Median bei 46,51 US-Dollar. Meine #facebookguess-Schätzung am Mittwoch von 46,35 US-Dollar lag damit zwar gut im Rahmen der Erwartungen, aber eben doch meilenweit von der Realität entfernt. Die Einzelwerte der Schätzungen gibts ausführlich beim Blicklog.

Wo kommt der große Optimismus her? Nun zum einen sind die facebookguess-Teilnehmer durchweg Onliner, d.h. sie kennen das Geschäft von Facebook genau – im Gegensatz vielleicht zu manch Banker? Ich will hier nicht weiter orakeln, aber die Chancen von Facebook (Werbung, WebOS) sind offensichtlich. Ich habe sie ja in meinem Beitrag Facebook-Börsengang: The next big thing dargelegt. Von daher ist eher die Frage, ob die Wall Street Facebook versteht, oder ob sie schlicht nur auf kurzfristige Kursgewinne schielte. Insofern bietet sich für langfristige Anleger nun die Chance die Aktie ganz genau anzusehen. Mit aktuellen Kursen zwischen 33 und 34 US-Dollar ist die Aktie an der Börse immerhin rund 12 Prozent günstiger zu haben, als im Rahmen des IPO. Und wenn man nun wieder die hohen Ziele von letzter Woche anlegt, dürfte die erste Kaufempfehlung nicht lange auf sich warten lassen. Privatanleger sollten allerdings meiner Meinung nach erst einmal abwarten, bis sich die großen Player beruhigt haben. Den Kurssturz heute sollte man jedoch nicht als Mißtrauensvotum einstufen, sondern eher als Marktbereinigung. Immerhin wurde auch heute bereits ein Viertel der ausgegebenen Facebook-Aktien gehandelt.


2 Kommentare zu Faceflop? Der Börsengang von Facebook im Kreuzfeuer – Crowdguessing liegt deutlich daneben

  1. Die Anleger sind wohl vorsichtiger mit Zukunftswetten. Natürlich war der Zeitpunkt der Börsengangs suboptimat, bei dem Umfeld.

    Nach dem ersten Hype kamen aber auch sehr viele Medienbeiträge, dass die Aktie sehr teuer ist. Oft springen ja alle bei so einem Hype hinterher; diesmal haben aber viele vor übertriebenen Erwartungen gewarnt.

  2. Ja mag sein, dass die Bewertungseinschätzungen im Vorfeld verunsichert haben. Dennoch konnte Facebook mehr Aktien für einen höheren Preis absetzen, als urspr. geplant. Somit haben Facebook und die Altaktionäre alles richtig gemacht… das was jetzt kommt kann denen erst mal egal sein.

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