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Facebook-Börsengang: The next big thing (#facebookguess 46,35 USD) inkl. Presseschau

Facebook ist seit Wochen das Themen für Börsenfans und auch in der Finanz-Blogosphäre laufen so langsam die Drähte heiß. Da passt es ins Bild, dass das Handelsblatt zusammen mit den Blogger-Kollegen @blicklog und @egghat das Instrument des Crowdguessing, der sogenannte Schwarmschätzung, bemüht. Das Handelsblatt lobt dabei ein Paar Adiletten aus, die auch von Mark Zuckerberg immer gerne getragen werden. Es geht dabei um die Frage „Wieviel ist die Facebook-Aktie am Ende des ersten Handelstags wert?“ Mitmachen kann jeder: Entweder per Twitter und mit dem Hashtag #facebookguess oder auf der Handelsblatt-Fanpage bei Facebook (wie passend). Einsendeschluss (was für ein Anachronismus in Online-Zeiten) ist Freitag, 18. Mai, 12 Uhr. Meine Erwartung an den Schlusskurs liegt bei 46,35 US-Dollar. Davor sind sicher auch höhere Kurse möglich, denn das Interesse ist weltweit noch deutlich größer. Ab einem gewissen Niveau dürften aber die ersten Zeichner auch ihre Zeichnungsgewinne mitnehmen, was aber wiederum bei zu kurz gekommenen Interessenten als Einstiegschance angesehen werden dürfte.

An dieser Stelle lohnt sich ein Blick auf die Fakten. Die im Zeichnungsprospekt angegebene Preisspanne für den Ausgabepreis lag zwischen 28 und 35 US-Dollar, inzwischen ist von bis zu 38 US-Dollar die Rede. Damit würden die Emissionserlöse bei bis zu 14,75 Mrd. US-Dollar liegen. Die Zahlen beruhen dabei auf rund 340 Millionen Aktien. Wobei mittlerweile bei CNBC auch schon eine Ausweitung auf 420 Millionen Aktien erwartet wird. Dann lägen die Emissionserlöse bei fast 20 Mrd. US-Dollar und der Börsengang in der Liga der größten Börsengänge aller Zeiten. Vom gesamten Unternehmenswert her spielt Facebook eh schon in einer eigenen Liga (mit Apple zusammen). Geht man klassische Bewertungsmodelle wie etwa das KGV an, so kommt man mit dem letztjährigen Gewinn von 1 Mrd. US-Dollar auf ein KGV von rund 100. Damit läge Facebook aber sogar noch unter dem von Amazon, was derzeit bei 185 liegt.

Doch sind diese ganzen Zahlen überhaupt gerechtfertigt? Ganz so skeptisch wie mein Blogger-Kollege Ivan, der eine neue Dotcom-Blase heraufkommen sieht, bin ich nicht. Sicher ist das Werbegeschäft (das von GM künftig nicht mehr genutzt wird) noch längst nicht auf Google-Niveau. Dennoch ergibt sich allein aufgrund der Masse an Facebook-Usern ein entsprechendes Potential.
Außerdem bietet Facebook noch andere Vorteile. Neben Google dürfte Facebook die meisten Menschen weltweit auf einer Plattform verbinden. Und diese Menschen werden ihr Geld mehr und mehr Online ausgeben. Da sich Facebook immer mehr zu einem universellen Zugangsschlüssel für die verschiedensten Webangebote entwickelt, dürfte man mittelfristig mit dieser Schiene richtig Geld verdienen können. Angenommen man loggt sich nur einmal bei Facebook ein und hat dann direkten Zugriff auf seine persönlichen Lieblingsseiten: Für die derzeit heranwachsende Generation kann dies durchaus Realität werden – ähnlich wie heute 30-jährige automatisch zu Amazon einkaufen gehen. Und Phantasien in Richtung Banking sind noch garnicht enthalten. Das Thema Facebook-Apps bietet daneben noch jede Menge weitere Umsatzphantasie. Die Spielefabrik Zynga ist ja nur ein erstes Beispiel in dieser Richtung. Weitere Erfolgsbeispiele dürften in den nächsten Monaten die Runde machen. Ferner gibt es ja auch noch die Ideen in Richtung Suchmaschinenfunktionen, so dass auch hier jede Menge Potential herrscht.
Und man sollte einen weiteren Punkt nicht vergessen: Im Gegensatz zu Apple bietet Facebook deutlich mehr Schnittstellen nach außen, so dass die Argumente von einem abgeschotteten System nicht zutreffen. Gleichzeitig schafft es Facebook aber dennoch Herr über die Daten zu bleiben und sich so auch alle Optionen in Richtung Vermarktung und damit Geld verdienen offen zu halten. Erstaunlicherweise hatten bislang auch alle „Skandale“ in Sachen Datenschutz keine negativen Imagefolgen. Facebook kann also auf eine hohe Zustimmung seiner Nutzer bauen. Diejenigen die Facebook kritisieren, nutzen das System meist eh nicht und sind daher für Facebook uninteressant.

Alles in allem werden wir am Freitag einen fulminanten Börsengang erleben. Facebook ist eben „The next big thing“ des aktuellen Jahrzehnts.

Update 16.5. Erste Preisindikationen für Facebook-Aktien

Lang & Schwarz bietet den Handel verschiedener Optionsscheine auf Facebook-Aktien an. Die Preisindikation für die Facebook-Aktie selbst liegt um kurz vor 18 Uhr am 16.5. bei 56,50 US-Dollar.

Update 17.5. Preisindikationen für Facebook-Aktien steigen
Die Preisindikation für die Facebook-Aktie von L&S liegt am 17.5. um kurz nach 12 Uhr bereits bei 60,80 US-Dollar.

Update 17.5. Facebook-Aktien kommen zu 38 US-Dollar
Die Zeichnungsfrist wurde am Ende voll ausgeschöpft. Der Ausgabepreis liegt bei 38 US-Dollar. Insgesamt wurden 421.233.615 Aktien angeboten, davon 180 Millionen von Facebook selbst, der Rest von Altaktionären. Dazu kommt eine Option von 63.185.042 Aktien in den nächsten 30 Tagen.

Update 18.5. Preisindikationen für Facebook-Aktien

Die Preisindikation für die Facebook-Aktie von L&S liegt am 18.5. um kurz nach 9 Uhr wieder bei 59,00 US-Dollar.
Um Verlauf des Morgens steigt der Kurs bis kurz vor 10 auf 63,00 US-Dollar.
Um 11.30 Uhr liegt die Indikation bereits bei 66,75 US-Dollar.
Bis 13.30 Uhr sinkt die Indikation wieder auf 62,00 US-Dollar.
Um 16.00 Uhr liegt die Indikation bei 64,80 US-Dollar.
Um 16.15 Uhr liegt die Indikation bei 68,50 US-Dollar.

Update 18.5. Erster Kurs der Facebook-Aktien

Um 17.30 Uhr wurde nach minutenlanger Verzögerung der erste Kurs der Facebook-Aktie (WKN: A1JWVX) an der NASDAQ mit 42,05 US-Dollar festgestellt (Zunächst war von 42,99 US-Dollar die Rede). In den ersten 30 Handelssekunden wurden die Transaktionen von mehr als 82 Millionen Aktien berücksichtigt. In der Zwischenzeit war die Website er NASDAQ zusammengebrochen.

In den folgenden Handelsminuten fällt der Kurs auf knapp 40 US-Dollar. Handelsvolumen inzwischen 120 Millionen Aktien. Nach knapp 20 Handelsminuten fällt der Kurs auf den Ausgabepreis von 38 US-Dollar. Das Handelsvolumen beträgt bereits 190 Millionen Aktien.

Gegen 18.15 Uhr liegt der Kurs der Facebook-Aktie deutlich über 40 US-Dollar. Handelsvolumen mittlerweile 250 Millionen Aktien.

Um 19.30 Uhr, nach knapp zwei Handelsstunden notiert die Aktie um 41 US-Dollar. Das Handelsvolumen liegt inzwischen bei fast 340 Millionen Aktien.

Gegen 20.45 Uhr liegt der Kurs bei knapp 40 US-Dollar. Das Handelsvolumen stieg inzwischen auf über 430 Millionen Aktien. Damit wurde das gesamte Emissionsvolumen bereits einmal umgesetzt.

Update 18.5. Erster Schlusskurs der Facebook-Aktien

Die Facebook-Aktie endet bei 38,23 US-Dollar knapp über dem Ausgabepreis. In den letzten Handelsminuten wurde um einen Schlusskurs bei hohen Umsätzen über dem Ausgabepreis gerungen. Das Handelsvolumen lag bei rund 566 Millionen Aktien.

Weitere interessante Stimmen zum Facebook-Börsengang (wird aktualisiert):

Hinweis auf weitere interessante Artikel bitte in den Kommentaren. Werde das dann gerne aufnehmen.

Warum die Facebook-Aktie wie die Muppets ein Welthit wird (egghats blog)

Facebook-Aktie: Kursrakete oder Rohrkrepierer? (Tim Schäfer, finanzen)

Facebook: Wie die ganze Branche einem Börsengang entgegen zittert (Basic Thinking Blog)

Facebook – Greed is good?! (Investors Inside)

IPO: Facebook Aktien sind Bestseller (start-trading.de)

Facebook: kurzfristige Gewinne möglich (start-trading.de)

Der Facebook-Börsengang ist der Gegenbeweis für eine neue Dotcom-Blase (Indiskretion Ehrensache)

Facebook: die 100-Milliarden-Dollar-Frage (blognition.de)

Versteht die Börse Facebook? (Gründerszene)

Pro & Contra: Ist Facebook Unsinn? (FAZ)

Alle Daten und Fakten rund um den heutigen Facebook-Börsengang (Kroker’s Look @ IT)

Facebook-Aktie ist für Muppets: Finger weg (+ #facebookguess 38,50 US$) (Blick Log)

Die Facebook-Blase (Wirtschaftsphilosoph)

Facebook ohne Geschäftsmodell (Daniel Daffke)

Sieben Gründe, Facebook nicht zu kaufen (WiWo)

Das Rätsel Facebook (FAZ)

Facebook-Aktie? Gefällt mir nicht! (ARD-Börse)


10 Kommentare zu Facebook-Börsengang: The next big thing (#facebookguess 46,35 USD) inkl. Presseschau

  1. Interessanter Artikel. Bei Facebook ist die WebOS Idee sicher attraktiv. Nur glaube ich nicht, dass die anderen Big Player dass Feld Facebook so einfach überlassen werden. Aber ich bin gespannt, wie sich das entwickelt.

  2. @Ulrich
    Bislang macht die Konkurrenz jedenfalls wenig sinnvolles in Richtung Wettbewerbsmodell zu Facebook…abwarten

  3. das kommt, man hat hoffentlich aus Causa Apple gelernt, ich will nur hoffen, dass wir auch aus 2000/2001 Neuer Markt etc. gelernt haben… aber ich hoffe, dass es schon bald Puts von den bekannten Derivate-Emittenten auf facebook geben wird 🙂

  4. Bei L&S gibts nicht nur Calls 😉

  5. aber net vom Marktführer, aber zum Zocken reichst 🙂 lass uns mal uff Firmekoschte was machen 🙂

  6. sicher ned… da sind jetzt nur noch Zocker unterwegs…

  7. Dankeschön für den Hinweis auf unser Crowdguessing! 🙂 #facebookguess

    Tina Halberschmidt
    Social-Media-Redakteurin Handelsblatt Online

  8. und die Aktie steht nun bei 34,07 Dollar 🙂 ein Schelm, der vorher das in Aussicht gestellt… Wo sind nur die ganzen „I like it-Fans?“ An der Börse heißt es wohl eher “ ich mag das nicht mehr..“

  9. ui.. minus 10%, bei 33 Dollar…

  10. Ein wirklich sehr interessantes Thema. Die Thematik der Unternehmensbewertung wird beinahe in allen Finanzbereichen gebraucht. Je nach Anlass muss dabei differenziert werden. Der Anlass ist relevant für den Zweck, aus welchem wieder die Funktion abgeleitet wird. Je nach Funktion wird dann das Bewertungsverfahren ausgewählt, welches schlussendlich für den Unternehmenswert verantwortlich ist. Der Unternehmenswert ist jedoch nicht gleich der Unternehmenspreis!
    Facebook war / ist eine Besonderheit der Unternehmensbewertung. Aufgrund des immensen Wachstums und der Innovationskraft sind „alte“ Methoden der Unternehmensbewertung nicht anwendbar. Das Ziel des IPOs war es einen möglichst hohen Preis zu erzielen, was auch gelang. Damals war es ein „objektiver“ Preis, auch wenn dies zu hinterfragen ist, da der Primebroker angeblich unzählige Aktien am ersten Handelstag aufkaufen musste! Nach und nach spiegelt der Aktienkurs jetzt den wirklichen Unternehmenswert /-preis wider!

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