Genug gespart?

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Nachdem sich die Regierungen Europas bisher einem rigorosen Sparkurs verschrieben hatten, scheint die europäische Politik nun ein wenig von diesem Kurs abzukommen. Bisher sorgte vor allem die Einigkeit Frankreichs und Deutschlands in dieser Frage dafür, dass auch in den anderen Staaten der EU die Disziplin bei der Senkung der Staatsdefizite hoch gehalten wurde. Zumindest diese Allianz scheint nun zu bröckeln.

Wachstumspaket soll EU-Wirtschaft ankurbeln

Es mehren sich immer mehr die Stimmen, die neben der fiskalpolitischen Seite, auch ein so genanntes Wachstumspaket für Europa fordern. Wobei unter einem solchen Paket viele europäische Politiker etwas anderes verstehen: Der Präsident der Europäischen Zentralbank fordert beispielsweise strukturelle Reformen, die einige Schranken für unternehmerisches Handeln beseitigen sollen. Mit mehr Freiheit für Unternehmer sollen auch mehr Jobs geschaffen werden können. Auch bei der Frage der Finanzierung eines solchen Pakets gehen die Meinungen noch teilweise sehr weit auseinander.

Zumindest scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass Europa allein durch Sparen nicht gesunden kann. Denn anhand der schlechten konjunkturellen Entwicklung, vor allem in Südeuropa kann man sehen wie sehr die rigorosen Sparprogramme die Wirtschaften dieser Staaten geradezu eingeschnürt haben. Ende Juni soll es dann so weit sein. Die Staats- und Regierungschefs möchten über ein Wachstumspaket entscheiden.

Sparen allein reicht nicht

Wie die Investoren letztlich auf eine mögliche Abkehr der europäischen Politik von ihrem Sparkurs reagieren werden bleibt abzuwarten. Die ersten Reaktionen fielen negativ aus und stürzten die Aktienkurse auf den internationalen Börsen zwischenzeitlich in den Keller.

Allerdings sorgen neben den hohen Staatsdefiziten auch die immer noch schlechten Konjunkturaussichten für die meisten Länder Europas für eine immer widerkehrende Sorge vor einer Verschärfung der Eurokrise. Damit muss man beide Probleme angehen, wenn man die Eurokrise nachhaltig lösen möchte. Nachdem man sich dem Thema Sparen lange Zeit gewidmet hat, scheint nun das Thema Wirtschafswachstum in den Fokus zu rücken. Sollte ein solches Wachstumspaket sich seinen Namen dann auch tatsächlich verdienen, wird dies letztlich auch von den Aktienmärkten goutiert werden.

US-Quartalszahlen überraschend positiv

Neben der Eurokrise und der möglichen Ausarbeitung eines Wachstumspakets für Europa sorgen zumindest die US-Unternehmen für anhaltend gute Stimmung bei den Anlegern. Während die US-Wirtschaft erste Anzeichen zeigt, dass das rasante Wachstum ein wenig abgebremst werden könnte, haben viele US-Firmen bei der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen positiv überraschen können. Darunter war einmal mehr Apple, das den Quartalsgewinn im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppeln konnte. Aus dem DAX überzeugten vor allem adidas, Bayer und VW.

Fazit

Aufgrund der immer noch schwierigen konjunkturellen Lage in Europa und der wachsenden Zahl der Befürworter eines Wachstumspakets sollte man weiter Vorsicht walten lassen. Es gilt abzuwarten ob ein solches Wachstumspaket tatsächlich die Abkehr vom Sparkurs bedeutet. Da diese Unsicherheiten weiter bestehen bleiben sollte man sich auf wenig zyklische Blue Chips konzentrieren. Wir sehen daher keinen Anlass, die Aktienquote in unserem Depotaufbau zu erhöhen. Wir bleiben bei der bisherigen Ausrichtung.


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3 KOMMENTARE

  1. Sparen allein reicht nicht. Warum eigentlich nicht. Wenn die Regierungen wieder nur soviel ausgeben, wie sie einnehmen, dann wird doch ihr Handlungsspielraum wesentlich grösser.

  2. Es kommt eine sehr schwierige Zeit für Europa. Man muss nämlich investieren und dies durch sparen, in anderen Bereichen, finanzieren. Dabei muss man sich auch noch sinvolle Investitionen überlegen. Weil ein, mit der Gießkanne, investierter Euro bringt keinen ganzen Euro in die Staatskasse zurück. Dazu wird man in Europa wesentlich mehr Synchronisieren müssen in Hinsicht von Steuersystemen und anderen Regelungen. Da wartet ein haufen Arbeit.

    Europäische Aktien sind zwar günstig.Aber der Prozess, den Europa leisten muss, ist noch sehr lang.

  3. Dennoch sollte man eines nicht vergessen: Eine Aktie ist ein Unternehmensanteil und nicht irgendein besch.. Zertifikat. Und wenn dann mal Daimler, Nestle oder sonst nen Euro-Blue-Chip etwas schwächet – meine Tochter freut es, wenn Papa nachkauft und so die Ausbildung finanziert. Ich bleibe derzeit bei Investments eindeutig in „heimischen Regionen“…

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