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Retten Crowd Investing (und Facebook) die Unternehmer- und Aktienkultur in Deutschland?

Die Crowd erobert derzeit Feld um Feld. Seit einiger Zeit steht auch die Unternehmensfinanzierung im Blick der Crowd-Bewegung. Unter dem Stichwort Crowd Funding bzw. Crowd Investing hat sich in Deutschland eine bunte Szene an interessierten Investoren, Kreativen und vor allem inzwischen auch Start-ups zusammengefunden. Das Prinzip des Crowd Investing ist dabei so einfach wie kurz erklärt: Viele interessierte Investoren geben kleinere Beträge und finanzieren durch die pure Masse neue Unternehmen. Während Neugründungen in Deutschland bislang meist (vergeblich) auf professionelle Gründungsfinanciers, Business Angel und entsprechende Gesellschaften gehofft haben, bietet sich hier nun für viele Gründer die Chance ihre Ideen umzusetzen. In den USA ist die Crowd bislang vor allem auf den kulturellen Bereich fokussiert, da der unternehmerische Sektor hinsichtlich Wagniskapital noch einmal anders strukturiert ist, von daher ist Deutschland ein interessanter Sonderfall. (Die Lage in den USA wird u.a. beim Blick Log beschrieben.)

Wie fruchtbar dieser Boden ist, zeigen die ersten Crowd Investing-Plattformen wie seedmatch, gründerplus oder Innovestment. Teilweise waren entsprechende Finanzierungsanfragen in wenigen Stunden erfolgreich beendet. Ein Hemmschuh ist derzeit noch das deutsche Verkaufsprospektgesetz, weshalb Finanzierungen über 100.000 Euro nur mit großem Aufwand und hohen Kosten getätigt werden können. Doch um das Gründungsklima hier voran zu bringen, müsste dies dringend geändert werden und bspw. eine halbe oder ganze Million auf dem Weg der Crowd-Finanzierung eingesammelt werden können.

So oder so hat die „Bewegung“ aber bereits jetzt einen großen Erfolg zu verzeichnen: Das Unternehmerische findet wieder bei viel mehr Menschen nicht mehr nur abstrakt statt. Vor allem technikaffine Menschen, die den 2000er Internetboom nicht oder nur am Rande mitgemacht haben, werden mit der Thematik auf ganz neue Ideen gebracht: Statt Karriere bei etablierten Konzernen vielleicht doch die eigene Idee zu verwirklichen. Und wenn aus den bislang vielleicht „nur“ UGs oder GmbHs auch mal eine AG wird, die irgendwann auch mal an die Börse geht, wäre die Scharte, die die T-Aktie in Deutschland in Sachen Aktienkultur gerissen hat, vielleicht ausgewetzt. Aber das ist noch ferne Zukunftsmusik. Denn nicht aus jeder Start-up-Finanzierung wird ein erfolgreiches Unternehmen und nicht jedem Unternehmen ist der eigenständige Erfolg vergönnt.

Die Geschwindigkeit mit der neue Firmen von etablierten Unternehmen geschluckt werden ist manchmal schwindelerregend. Für eine bislang gesunde Unternehmenskultur ist das dann oft das Ende. Dennoch sollte man auch nicht allzu Schwarz sehen. Allein durch die Masse an Neugründungen steigt die Chance, dass auch in Zukunft wieder heimische Stars heranwachsen. Wie Erfolg geht, zeigt ja etwa der Online-Spiele-Entwickler Wooga. Letztlich sollte man nur mal bedenken: Die Anfänge des jüngsten DAX-Konzerns SAP liegen bereits rund 40 Jahre zurück. Und zwischen Gründung und Börsengang lag noch einmal ein Jahrzehnt. Einen Gründungsboom wie zu Neuen Markt-Zeiten herbeizureden wäre jetzt sicher auch das Falsche. Dennoch wäre etwas mehr Mut manchmal nicht verkehrt. In Sachen Revitalisierung der Aktienkultur stehen die Chancen dank Crowd Investing auf jeden Fall wieder etwas besser.

Und an dieser Stelle kommt auch der Facebook-Effekt zum Tragen. Die jetzt mit Facebook heranwachsende Generation der unter 20-jährigen, hat kein T-Saster (böses Wortspiel) erlebt. Stattdessen wächst diese Generation vor allem mit Zuckerbergs Lebenswerk heran. Der Börsengang von Facebook war bekanntermaßen nicht mit einem glanzvollen Start ausgestattet. Dennoch muss das ja nicht so bleiben, denn das Geschäftsmodell von Facebook bietet nach wie vor die Chance auf das große Geld. Und letztlich taugt das Modell Facebook-Gründung ja auch unabhänig vom weiteren Kursverlauf als Vorbild: Zuckerberg hat bereits mit dem Börsengang einen so guten Schnitt gemacht, wie mancher in einem ganzen Leben nicht.
Facebook verändert die Welt – auch wenn sich mancher das nicht vorstellen mag oder kann. Gerade im Marketing passiert sehr vieles. Statt Zeitungsanzeigen und Plakatwänden wird Werbung deutlich kommunikativer – sowohl in Richtung Unternehmen, als auch in Richtung Kunde. Und hier ist Facebook, neben Google, derzeit am besten aufgestellt.
Und letztlich hat Facebook nun die Chance den Erfolg der Aktiengesellschaft wieder einmal zu demonstrieren und diese Gesellschaftsform wieder in den Vordergrund zu rücken. Schließlich befindet sich diese nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, wie der Economist warnt, seit Jahren auf dem Rückzug.

Doch zurück zum Crowd Investing. Es passiert aktuell sehr viel in diesem Bereich, dass es fast schwerfällt auf dem laufenden zu bleiben. Die co:funding Konferenz Anfang Mai in Berlin im Rahmen der re:publica hat das wieder einmal gezeigt. Die entsprechenden Mitschnitte der Vorträge und Podien dürften in Kürze dort zu finden sein.

Wer sich in das Thema Crowd Investing weiter einlesen möchte, sei auf zwei Beiträge von Lothar Lochmaier verwiesen:

Crowdinvesting: Die neue C-Klasse etabliert sich

Cofunding: Wer das Geld hat, besitzt die Gestaltungsmacht

Zum Schluss noch eine Hoffnung, die Boris Janek auf seinem Blog Finance 2.0 äußert:

Crowdinvesting bietet eine Chance die Menschen wieder näher an die Unternehmen und an das was sie tun, heranzuführen. Crowd Investing kann die Möglichkeit einer Harmoniniserung von Interessen herbeiführen, es bietet die Möglichkeit sich stärker an den Entscheidungen der Unternehmen zu beteiligen. Investieren sollte weniger abstrakt sein.


5 Kommentare zu Retten Crowd Investing (und Facebook) die Unternehmer- und Aktienkultur in Deutschland?

  1. Danke für den Artikel! Ich denke auch, dass der Trend/Hype/die Entwicklung von Crowdfunding/-investing zumindest große Chancen bietet, unternehmerisches Denken und Handeln in Deutschland aufzuwerten. Ich bin mir aber nicht so sicher ob zwangsweise auch die „Aktienkultur“ davon profitieren wird. Bisher zumindest scheint mir Crowdf/i in der breiten Öffentlichkeit doch als etwas „ganz neues, cooles“ und komplett anderes wahrgenommen zu werden und die Ähnlichkeiten ausgeblendet zu werden. Bin mal gespannt…

  2. Ich setze wie gesagt ganz auf die Generation 20-. Die wachsen derzeit in der Hinsicht mit so vielen neuen Produkten und Kommunikationsmitteln auf. Und auf die passenden Instrumente stößt man da von ganz alleine.
    Gibt es eigentlich Studien dazu, was Jugendliche (+/-16-20jährige) zu den Themen Unternehmertum, „Kapitalismus“, Aktiengesellschaft, etc. denken?

  3. Würde mich auch interessieren. (Mein Verdacht wäre, wie gesagt, dass sie Aktien/Konzerne etc in einer ganz anderen Welt ansiedeln als Crowd-X/Startups etc. Ha, solche Forschungen würd ich sogar gern selbst machen 😉 )

  4. Crowdinvesting kann in der Tat zu einer neuen, direkten Anlegerkultur beitragen. Gerade jungen, internetaffinen Menschen, die zuvor als Anlegerklasse gar nicht angesprochen wurden, eröffnet Social Media einen anderen Zugang zum Thema. Die Mikroinvestoren können mit den Startups kommunizieren, Fragen stellen, Ideen anschieben.

    Auf der Crowdinvesting-Plattform Companisto finden Mikroinvestoren und Startups zusammen. Die Einbindung von Social Media und der bewusste Verzicht auf eine Mindestinvestitionssumme garantieren dabei eine möglichst große Crowd, die unsere Startups unterstützt. Kostenloses und dennoch sehr effektives Marketing.

    Die Beteiligungen der Mikroinvestoren werden seitens Companisto gebündelt, so dass Großinvestoren nur einen Ansprechpartner haben. Gleichzeitig ist das Companisto-Modell mit Beteiligungsgesellschaften und Corporate Finance-Experten abgestimmt; unsere Investoren profitieren von zukünftigen Gewinnen, der Steigerung des Unternehmenswertes und auch im Exit-Fall.

    Auch wir hoffen, dass Investing damit konkreter wird: näher an den Unternehmen und für jeden zugänglich.

  5. Dann mal viel Erfolg mit Companisto. Die Szene verträgt neue Ideen und Player…

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