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re:publica 2012, Finanzblogs und die ganze Online-Szene

Ich war in diesem Jahr das erste Mal (wie soviele andere Finanzblogger auch) auf der re:publica in Berlin. Der neue Ort (Station, ehem. Postbahnhof) sorgte von Anfang an auch für Neulinge für eine sehr lockere Atomsphäre. Den Friedrichstadtpalast stelle ich mir, ohne ihn zu kennen, dagegen etwas verstaubt vor. So konnte man sich also in historischer Industriearchitektur ganz auf das wesentliche konzentrieren: Die Sessions und vor allem die vielen Onliner (richtige Blogger waren eher in der Minderheit). Dank der Namensschilder (inkl. Twittername) kam man auch mit Leuten in Kontakt, die man bislang maximal über das Twitter-Profilbild kannte. Überhaupt stand der persönliche Kontakt (was auch am fehlenden W-Lan gelegen haben mag) im Vordergrund. Dies führte selbst bei alten Hasen, wie etwa Robert Basic oder Thomas Knüwer, für besondere Hervorhebung.

Wenn man sonst eher Veranstaltungen aus dem Finanzbereich gewohnt ist, stellt die re:publica eine erfrischende Abwechslung dar. Dies lag nicht nur an den Menschen, sondern auch an den Themen. Für mich besonders spannend war der Bereich Crowd Sourcing/Funding/Investing. Die enorme Bandbreite der „Bewegung“ war mir bislang nicht klar. Neben den vielen sozialen und kulturellen Projekten dürfte aber zunächst vor allem die Start-up-Finanzierung im IT-Bereich von dieser Entwicklung profitieren. Zum einen weil der Crowd-Gedanke aus eben diesem Bereich kommt und zum Anderen weil der Finanzbedarf hier sehr groß ist. So war es auch kaum verwunderlich wieviele Produkt-Ideen vorgestellt wurden. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass viele App-Entwickler zwar nette Ideen haben, aber sich um die Wirtschaftlichkeit keine Sorgen machen. Dazu passt heute eine Artikel im Basic Thinking Blog, wonach 80 Prozent der App-Entwickler nicht genug verdienen, um davon leben zu können. Der Bereich braucht offensichtlich noch etwas mehr betriebswirtschaftliche Unterstützung. Doch zurück zur re:publica. Das Interesse an Crowd-Finanzierungen war durchaus spürbar und so dürfte uns das Thema auch in der Zukunft noch beschäftigen. Zumal es auch das Thema Aktienkultur und Unternehmertum in breite Bevölkerungsschichten transportieren kann. Dazu ist ein Extra-Post in Arbeit.

Ansonsten bot die re:publica für jede Branche des Onlinesektors etwas. Von den politischen Bloggern aus Arabien, über die Euro-Blogger bis zu optischen Leckerbissen wie den Foodblogs. Natürlich kamen auch die Netzpolitik-Themen nicht zu kurz, aber sie nahmen erfreulicherweise auch nur einen gewissen Rahmen ein. Für die Finanzblogger wiederum war der finanzblog award der comdirect mit der vorgelagerten Diskussionsrunde sicher eines der Highlights. Einige Gedanken dazu hatte ich ja bereits im Vorfeld gepostet (Finanzblogs 2012 – Wohin geht die Reise?) Da ich annehme, dass ein Mitschnitt bald online geht, werde ich mich nicht großartig über den Inhalt auslassen. Das kann dann jeder selber ansehen, die Diskussion ging rund 45 Minuten. Die Preisträger, die direkt im Anschluss bekannt gegeben wurden, waren Blick Log (1. Platz), Fazit (2. Preis) und Never Mind The Markets (3. Preis). Der Sonderpreis der Jury ging an egghats „Die wunderbare Welt der Wirtschaft“. Siehe Video:

Glückwunsch nochmal von dieser Stelle an alle Preisträger!

Ebenfalls Teil der re:publica war der Nachhaltigkeitstag 2012. Dort ging es u.a. um die Zukunft des Kapitalismus und wie die Online-Szene das sieht. Neben bekannten Gesichtern wie Sascha Lobo wurden auch Joachim Goldberg und ich dazu befragt.

Wie man sieht bot die Reise nach Berlin auch für Finanzler jede Menge. Vor allem die persönlichen Kontakte sollte man nicht unterschätzen. Es kam dabei auch mehrfach der Gedanke auf, einmal ein eigenes „Klassentreffen“ der Finanzblogger zu organisieren. Ob es eher den gemütlichen Charakter haben sollte oder vielleicht doch professioneller mit Unterstützung von Sponsoren etc. kann man sich ja in nächster Zeit überlegen. Schwerpunkte der Debatte dürfte in nächster Zeit die engere Vernetzung und die gemeinsame Schaffung von mehr Öffentlichkeit und die Motivation neuer Leserschichten sein. Derzeit werden auch per Twitter Ideen gesammelt, welche Themen Finanzblogs enthalten müssen, um für mehr Leser noch interessanter zu sein: #fiblo2012.

So oder so, ich werde auf der nächsten re:publica wieder dabei sein! Als (inter)nationales Branchentreffen bietet es für jeden Online-Publizierenden viele neue Impulse!

Update 21.5.12

Wie angekündigt ist der Mitschnitt der Diskussion inzwischen online


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