Im Fokus: Kauf Dir ne Bank-Aktie oder geh doch lieber ins Casino?

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Ui, das hat weh getan. Vor allem den neuen Banken-Fans der letzten Wochen. Da dachte man nun nach den Supermegagigantischen Zahlen von Wells Fargo, Citgroup oder Banc of America „yes we can“ aber nu doch nicht. Morgan Stanley versalzt einem heute die Suppe. Das hat wohl auch der US-Finanzminister nicht gerne gesehen. War er es doch, der in diesen Tagen von guten Ergebnissen beim Stresstest geredet hatte. Nun hat er selbst wohl wieder jede Menge Stress. Auch nen Test wie ich finde.

Schaun wir uns mal die Morgan Stanley-Zahlen an. Der Verlust ist deutlich höher als erwartet. Ja wie? Können die nicht gescheit bilanzieren, wie all´ die anderen? Meine Güte, dass kann doch nicht so schwer sein, die neue Bilanzierungsmethode umzusetzen und vom Anleihenboom der Amis zu profitieren. Oder doch? Nun wird auch noch die Dividende bei Stanley gekürzt. Tja.

Die Jungs haben es geschafft, mal eben im ersten Quartal einen Verlust von 177 Mio. Dollar oder 57 Cent je Aktie auszuweisen. Hauptverantwortlich für das Minus war das Einengen der Aufschläge auf eigene Schulden, das buchhalterisch als Minus gewertet wurde, und Nettoverluste in Höhe von 1 Mrd. Dollar auf Immobilienengagements, so die schöne Formulierung in der FTD heute.

Es wäre ja unter dem Strich noch schlimmer gekommen, wenn man nicht noch positive Steuereffekte in Höhe von 330 Mio. Dollar gehabt hätte. Und nicht zu vergessen, die 1,3 Mrd. Dollar, die mal geschwind wegfallen, weil die neue Bilanzierung umgesetzt wurde. Aber hallo: Es nützt nichts. All das rumtürken. Dennoch ein Minus. Äätsch! Aber hey, man hilft sich in dieser schweren Zeit untereinander – mit moderaten Analystenkommentaren wie „Morgan Stanley ist ein solides Institut. Wir sehen aber nur wenig Aufwärtspotenzial“, so ein Bankanalyst der Citigroup.

Was lernen wir daraus? Hoffentlich eines: Bank-Aktien sind derzeit Zockerpapiere. Vor allem die Pendants aus den USA. Es ist für mich ganz klar. Die jüngste Kursexplosion bei den Finanzwerten ist fundamental völlig und so was von übertrieben. Ob Morgan Stanley oder bei uns in Europa die UBS – die ganzen Nachrichten zeigen, dass wir, die Anleger, wegen diesen, den Banken, in den kommenden Monaten mit weiteren Problemen sowie den weiteren Folgen der Finanzkrise zu kämpfen haben werden.

Man habe da nur den IWF im Hinterkopf: Dieser befürchtet, dass Finanzinstitute weltweit die gewaltige Summe von mehr als 4 Bio. Dollar durch all die ganzen Ramschpapiere und faule Kredite verlieren werden. Damit haben sich die potenziellen Verluste verdoppelt. Der IWF forderte Regierungen weltweit auf, die Banken ihrer Länder entschlossener zu stärken und, wenn es nötig sein sollte, sogar befristet zu verstaatlichen.

Aber egal: In Deutschland freuen wir uns bei n-tv über die „Verdoppelung des Commerzbank-Kurses“. Schön ist es, wenn die TV-Jogis da die Charts zeigen. Am Morgen hatte noch Mr. DAX alias Dirk Müller zu Recht vor den ganzen Finanzwerten gewarnt. Aber hey – warum nur, es geht doch hoch oder? – Ohne Worte.

„Die Erholung im Bankgeschäft ist sehr fragil“, konnte man neulich lesen. In der Süddeutschen, zitiert wurde Eileen Fahey von der Ratingagentur Fitch. Sie verweist darauf, dass die Qualität der Wertpapiere in den Bilanzen der US-Banken sich bis zuletzt verschlechtert hat. Außerdem würden die Ausfallrisiken bei gewerblichen Immobilienkrediten steigen.

Ich sage ganz klar: So schnell wie es in den letzten Wochen mit Commerzbank & Co. hochging, wird es auch bald wieder runtergehen. Es sei denn Angie und Peer veranlassen, dass auch bei uns in Deutschland die Banken demnächst so richtig die Bilanzen türken können. Aber wir haben dafür ja die Bad Banks demnächst. Dann kommen auf den deutschen Steuerzahler durch die gesetzliche Schaffung von Bad Banks Risiken von bis zu 200 Milliarden Euro zu. Alles kein Problem, unser BIP sinkt doch dieses Jahr nur um knapp 6%. In diesem Sinne…


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