Rückblick: Apple’s Einfluss oder wie man eine Berichtssaison schönredet…

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Wie in vielen anderen Dingen auch, verstehen es die US-Amerikaner auch bei so etwas an sich nicht gerade spannendem, wie der Bekanntgabe der Geschäftszahlen von Unternehmen eine Art Hype und verstärktes Medieninteresse zu generieren. So geschieht es vier Mal im Jahr, dass die Finanzwelt gebannt auf die Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen von US-Unternehmen schaut.

Am 9. Januar dieses Jahres war es wieder einmal so weit. Die US-Berichtsaison, die „Earnings Season“, wurde traditionell mit der Bekanntgabe der Geschäftszahlen des Aluminiumkonzerns Alcoa eröffnet. In einem Zeitraum von anderthalb Monaten, etwa ein oder zwei Wochen nach dem letzten Monat jedes Quartals, legen dabei fast alle an der Börse notierten US-Unternehmen ihre Geschäftsergebnisse vor (gerade in dieser Woche bekommen wir noch die letzten Ausläufer mit).

Die Alcoa-Zahlen sind nicht nur deshalb von großem Interesse, weil sie den Start in die Berichtsaison einläuten, sondern auch weil diese immer als ein Frühindikator für die US-Konjunktur angesehen werden. Denn: Aluminium wird bei der Herstellung einer Reihe von Gütern verwendet, weshalb die Nachfrage nach diesem Metall als ein Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung herhalten kann.

Dieses Mal vermeldete Alcoa zwar einen Quartalsverlust für das Schlussquartal 2011, allerdings konnte das Unternehmen beim Umsatz die Analystenerwartungen mit 5,99 Mrd. US Dollar deutlich übertreffen, ebenso wurden die Prognosen für das Geschäftsjahr 2012 positiv bewertet, womit auch ein gutes Signal für eine konjunkturelle Erholung gesetzt werden konnte. Doch Alcoa ist mittlerweile nur ein Indikator für eine erfolgreiche Earning Season…

Denn eines ist bei der aktuellsten Runde der Bekanntgabe der US-Unternehmenszahlen allerdings überdeutlich geworden: Auf der einen Seite gibt es die Apple-Welt und auf der anderen Seite sind alle anderen Unternehmen. Der Einfluss, den Apple mit seinem geradezu schockierend großen Erfolg im vierten Quartal 2011 auf den gesamten Markt hatte, führte dazu, dass viele Analysten in ihren Bewertungen über die gesamte US-Berichtsaison jeweils zwei getrennte Analysen anfertigen, eine mit Apple und einmal eine Bewertung bei welcher der Einfluss des Apfel-Unternehmens herausgerechnet wird.

Unglaublich, aber wahr! Apple konnte einen Rekordquartalsgewinn von 13 Mrd. US Dollar (!) einfahren und damit mehr als eine Verdopplung des Ergebnisses aus dem gleichen Quartal des vorangegangenen Jahres erreichen. Beim Umsatz stand für den gleichen Zeitraum ein Anstieg von 73 Prozent auf 46 Mrd. US Dollar.

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Quelle: comdirect

Laut Berechnungen der Schweizer Bank UBS konnten die S&P 500-Unterehmen für das Schlussquartal 2011 insgesamt einen Anstieg des operativen Gewinns im Vergleich zum Vorjahresquartal von 6,6 Prozent verzeichnen. Wenn man allerdings das Ergebnis von Apple herausrechnet ergibt sich gerade einmal ein Plus 2,8 Prozent.

Jonathan Golub, Aktienstratege bei UBS beschrieb diese Situation gegenüber dem „Wall Street Journal“ folgendermaßen: „Es ist, als ob man mit der Isolierung dieses einen Unternehmens Licht durch ein Prisma betrachtet – man sieht die Dinge klarer“. Noch eindeutiger zeigt sich dieser Effekt, wenn man nur die Technologieunternehmen betrachtet. Wenn man nach den Berechnungen von Goldman Sachs geht betrug der Gewinnsprung 21 Prozent, ohne Apple dagegen lediglich 5 Prozent.

Nun besteht der US-Aktienmarkt natürlich nicht nur aus Apple. Zwar sollten insgesamt auch die amerikanischen Unternehmen von einer erwarteten Rezession im Euroraum nicht verschont bleiben, was auf die Erträge im Jahr 2012 drücken könnte. Allerdings dürften die Unternehmen auf der anderen Seite des Atlantiks von der deutlich besseren konjunkturellen Situation profitieren können.

Unter anderem aus diesem Grund gibt es eine Reihe weiterer Firmen außer Apple, die durchaus attraktive Anlagemöglichkeiten bieten können. Dazu gehört sicherlich der Gesundheitskonzern Johnson & Johnson. Wer also auf defensive Wachstumstitel setzen möchte, ist bei Johnson & Johnson genau richtig.

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Quelle: comdirect

Das Unternehmen hat es geschafft seine Gewinne in den letzten Jahren stetig auszubauen, was auch in Zukunft für einiges an Potenzial bei dem Papier sorgen sollte. Nach einem EPS von 5 US Dollar je Aktie im vergangenen Jahr wird für das laufende Geschäftsjahr ein Anstieg auf 5,11 US Dollar im Schnitt erwartet. Weiterhin ist die Bewertung mit einem 2012er-KGV von 13 und einer Dividendenrendite von 3,24 Prozent als durchaus attraktiv zu bezeichnen.


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