Fonds Kongress 2012: Wenn Flipflops und Schnittchen auf Euro-Krise und Emerging Markets treffen

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Zwei Tage Fonds Kongress 2012 sind vorbei. Die Fülle an Informationen beginnt sich so langsam zu setzen. Vielleicht beschleunigt sich dieser Prozess ja während ich diesen Blogpost schreibe. Die Gästeschar in Mannheim war wie immer sehr bunt gemischt, angefangen vom kleinen Finanzmakler um die Ecke, über die Vertreter der Branchenriesen bis hin zu Versicherern, Banken und Fondsanbietern. Insgesamt rund 6.000 Besucher, die sich an den 222 Ständen tummelten oder den fast ebenso vielen Vorträgen lauschten.

Der Auftakt war wie gewohnt prominent besetzt: In diesem Jahr sprach Alt-Bundespräsident Horst Köhler zum Thema Emerging Markets. Er versucht den Zuhörern klar zu machen, welche Verantwortung auch auf der Fondsbranche lastet, dass die Emerging Markets voran kommen. Zwischendurch fand auch er höchst präsidale Töne, etwa als er die reinen Rohstoffspekulationen geiselte oder einen weltweiten Ethos forderte. In Sachen Euro-Krise verteidigte er seine damalige Rolle bei der Formulierung des Maastricht-Vertrages. Der sei gut gewesen, nur habe man sich eben später nicht mehr dran gehalten. Die Hilfsmaßnahmen für Staaten wie Griechenland seien als Zeichen der Solidarität wichtig, aber langfristig komme man um eine politische Union nicht herum. Das sei auch von Anfang an so gedacht worden. Ich kann mich jedoch nicht erinnern, dass 1992 auch nur ein Politiker ernsthaft von politischer Union gesprochen hat. Aber vielleicht sieht man im Nachhinein gewisse Dinge anders und konstruiert aus wenigen Sätze eine klare Haltung. Köhler fand dann auch ein Äquivalent zu Merkels „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“: „Der Wegfall des Euro wäre das größte Risiko für Deutschland“, vor allen anderen Risiken, die er indes nicht näher ausführte. Ob das wirklich so stimmt sei dahin gestellt.
Zurück zu den Emerging Markets: Die Rolle Chinas und deren Entwicklung hob Köhler immer wieder hervor. Er machte auch klar, dass man in Asien und Afrika sehr wohl ganz genau auf die Maßnahmen in Sachen Klimaschutz, die der Westen ergreift, beachtet. Überhaupt sei der Klimaschutz neben der Finanzkrise das wichtigste zu lösende Problem.
Alles in allem eine runde, schlüssige Rede, die er in der Form aber auch vor einem anderen Publikum hätte halten können. Zumal er offenbar nicht genau wußte, ob es jetzt Fondsmanager oder -verkäufer waren, aber das kann einem ja schon mal passieren.

Definitiv wußte dagegen der zweite große Redner am Mittwoch, der unmittelbar auf Köhler folgte, vor wem er sprach: Jim O’Neill. Der Erfinder der BRIC-Staaten und Goldman Sachs-Chefvolkswirt warb für die Emerging Markets wie sauer Bier. Nicht ohne zunächst einmal fishing for compliments auf seine eigene Art zu betreiben. Auf die Eingangsfrage, warum er nicht auf dem Weltwirtschaftsforum sei, entgegnete er: „Who needs Davos, when you have Mannheim“. Dass er vielleicht schlicht nicht eingeladen war, hielte das Gros der Zuhörer wohl schlicht nicht für möglich. In Bezug auf Griechenland stellte er recht schnell klar, dass dieses kleine Land unwichtig sei, schließlich schaffe China alle vier Monate ein neues Griechenland, zumindest in BIP-Zahlen gemessen. Dann stellte er seine neue Klassifizierung für die wichtigen Emerging Markets vor. Statt BRIC spricht er nun von von den „growth markets“ und bezieht dabei neben Brasilien, Russland, Indien und China auch Südkorea, Indonesien, Mexico und die Türkei mit ein. Damit hat zumindest teilweise eine Verschmelzung von BRIC und Next-Eleven stattgefunden. In besagten „growth markets“ spielt aus Sicht von Jim O’Neill in den kommenden Jahren die Musik. Tolle Wachstumsraten, niedrige Staatsschulden und günstigen Aktienbewertungen seien dabei die Kernfaktoren.

Diesem Begeisterungssturm setzte direkt im Anschluss ein mir unbekannter Fondsmanager einen Kontrapunkt. Luca Pesarini, bekannt offenbar für seinen Ethna-Fonds, hielt die Fahne für Europa hoch. Überhaupt werde der Westen weiterhin der dominierende Faktor in der Welt der Finanzen bleiben. Mit latentem Anti-Amerikanismus und Seitenhieben auf Goldman Sachs und seine Verwobenheit mit der US-Politik fing er das Publikum ein. Doch auch seine Lösung der Euro-Krise bot wenig neues. Bessere Regeln, die unter Sanktionen überprüft werden sowie eine Fiskalunion, sind jetzt eigentlich nichts überraschend neues. Auch die Details zur EZB, zu Target-2 und den unglaublichen 500 Mrd. Euro Tender brachten zumindest mich nicht auf seine Seite.

Abseits der drögen Finanzwelt sorgte vor allem der Sport für Furore. So entpuppte sich Box-Weltmeister Wladimir Klitschko als überraschend guter Motivator und Unterhalter. Sport als die Schule für das Leben, besser als jede Universität. Den bedingungslosen Kampfeswillen lerne man eben nur im Sport. Besonders die weiblichen Fans brachten dann auch ihre Begeisterung darüber zum Ausdruck. Eine junge Dame aus Reihe 1 schaffte es sogar, ein Bild mit Klitschko zu machen. Getreu dem Motto „Nur wer wagt, gewinnt“ nutzte sie die Fragerunde: „Was muss ich tun, um ein Bild mit ihnen zu bekommen?“ Worauf er sie schlicht auf die Bühne bat… das nannte dann auch gleich erfolgreich gelebte Motivation.
Zum Thema Finanzanlage riet er halb auf Profis von den Banken zu setzen und einen anderen Teil selbst zu managen. Dabei schwärmte er natürlich auch von seiner jüngsten Lieblingsinvestition in einen Hersteller neuer ergonomischer Golfschläger… das Geschäft soll ja schließlich nicht zu kurz kommen. Auch Rallye-Legende Walther Röhrl wurde auf dem Fonds Kongress aufgeboten. Im Duell mit der Fidelity-Fondsmanagerin Catherine Young ging es um die ständigen Veränderungen, auf die man im Rallye-Sport ebenso reagieren muss, wie bei der Kapitalanlage. Auch hier wurde das hohe Lied auf den asiatischen Markt, insb. China, gesungen (die anderen Emerging Markets blieben weitgehend außen vor).

Erneute Begeisterungsstürme für die Gesamtheit der Emerging Markets kamen am Donnerstag bei Michael Hasenstab von Franklin Tempelton auf. Statt um Aktien ging es hierbei aber um Staatsanleihen. Auch hier wurden die bereits mehrfach genannten Vorteile von hohen Wachstumsraten, geringer Staatsverschuldung und wachsener Binnennachfrage (v.a. in China) hingewiesen. Schließlich druckten diese Staaten auch alle kein Geld, was er als großes Problem des Westens ausmachte. Allerdings sei die Entwicklung in den Emerging Markets noch immer stark von der in Europa und den USA abhängig. Insgesamt würden die Chancen jedoch überwiegen.

Als Fondsberater musste man nach den zwei Tagen also zum Schluss kommen: Egal ob Aktien oder Renten – Hauptsache Emerging Markets. Die wenigen Vorträge, die sich mit den Vorzügen der europäischen und US-Märkte bezogen, halfen da auch nicht weiter. Interessant war auch, dass das Thema Gold kaum eine Rolle spielte. Von den großen Rednern rechnet offenbar einzig Jens Ehrhardt mit steigenden Goldpreisen. Er begründet dies mit dem Jahr des Drachens in China, wo traditionell viele Kinder geboren würden, die wiederum viel Gold geschenkt bekommen, ferner würde sich auch die indische Nachfrage (Hochzeiten) weiterhin preistreibend auswirken. Auch ein Goldautomaten-Betreiber konnte offenbar nicht so recht die Lust auf das edle Metall wecken.

Alles in allem brachte der Fonds Kongress wenig neues zu Tage. Dafür wurde aber mal wieder deutlich, dass man als Anleger viel mehr auf die Chancen achten muss, denn sich über die Probleme den Kopf zu zerbrechen. Wenn für den Anleger in Europa eben keine Chancen mehr vorhanden sind, dann eben in Übersee? Es ist auf jeden Fall ein Gedanke Wert sich die „growth markets“ von O’Neill etwas näher zu betrachten. Doch ganz verloren geben sollte man auch die heimischen Märkte nicht. Weltmarktführer – egal welcher Branche – sitzen eben noch immer eher in Deutschland, als in Indonesien. Ansonsten dominierten wie stehts auf solchen Messen, die Taschenjäger. Man gewinnt den Eindruck, dass sie immer größer und bunter werden. Auch in Sachen Werbeartikel gibt es um neue Wege. Eine Bank bot Flipflops an (wobei man den zweiten nur beim Stand des neuen Partners bekam), eine andere Basketbälle oder kleine Stofftiger. Tja aber auch im Finanzsektor bleibt der Kuli das Maß aller Dinge – in diesem Sinne, freue ich mich bereits jetzt auf die Invest.


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