Presse: Konjunkturchef des DIW übt Kritik am Management der Staatsschuldenkrise

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Kam bei uns wieder ins Mailfach rein. EIn Interview mit Ferdinand Fichtner, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Er kritisiert das Management der internationalen Staatsschuldenkrise.

„Die Krise kann nicht so weitergehen wie bisher – was wir seit eineinhalb Jahren erleben, ist ein Durchwursteln“, sagte Fichtner im Interview mit dem Anlegermagazin ‚Börse Online‘ (Ausgabe 05/2012, EVT 26. Januar). Sehe man den immensen Refinanzierungsbedarf von Ländern wie Italien und Spanien, sei nicht vorstellbar, dass diese Länder Zinsen von sieben Prozent zahlen werden. „Das heißt, es muss jemand eingreifen.“

Hier sei die EZB gefordert, die sich Fichtner zufolge unter der Führung von Mario Draghi weniger gegen Interventionen sperren dürfte. Der DIW-Konjunkturchef geht davon aus, dass die Notenbank die Krise beenden könnte, wenn sie ankündigen würde, dass ihre Interventionsmasse quasi unbegrenzt sei „Dann würden die Marktteilnehmer erkennen, dass es sich nicht mehr lohnt, gegen die EZB zu zocken.“

Fichtner rechnet damit, dass die EZB im ersten Halbjahr interveniert und glaubt, dass es am saubersten wäre, wenn sie dem existierenden Rettungsschirm EFSF beziehungsweise dem künftigen Rettungsschirm ESM die Refinanzierung erleichtern würde. „Das könnte über die Vergabe einer Banklizenz erfolgen oder indem sie auf dem Sekundärmarkt für EFSF/ESM-Anleihen interveniert und dort versucht, den Zins zu manipulieren“, erklärte er gegenüber ‚Börse Online‘.

Auf lange Sicht kann sich Fichtner auch die Ausgabe von Eurobonds vorstellen. Für ein Europa, dass sich geldpolitisch so stark zusammengerauft hätte, müsste es ein Ziel sein, auch finanzpolitisch eng zusammenzuarbeiten. „Voraussetzung wäre aber, dass nicht jedes Land auf Kosten der anderen machen kann, was es will“, betonte er.

Deutschland könne sich zwar dem konjunkturellen Abwärtsstrudel, den die Staatsschuldenkrise in Euroland bewirkt hat, nicht ganz entziehen. So prognostiziert der Konjunkturexperte zwei Quartale mit eicht sinkender Wirtschaftsleistung für die hiesige Wirtschaft, was man eine technische Rezession nennt. „In einem breiteren Sinne würde ich dennoch nicht von Rezession sprechen“, ergänzte Fichtner. „Denn wir haben nicht, was man gemeinhin in einer Rezession hat, nämlich einen Einbruch des Arbeitsmarkts oder die Gefahr, dass die Wirtschaft in eine Negativspirale reinläuft.“

Originaltext: Börse Online, G+J Wirtschaftsmedien


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