Optionsscheine – wenn mein Nachbar das Traden anfängt…

3

Jetzt sind wieder alle am Zocken. Zumindest wenn man in diversen Foren unterwegs ist. Mein Nachbar auch. Und der hat von Börse so viel Ahnung, wie mein Labbi vom Zeitung lesen. Aber egal. Neulich kam er zu mir und sagte, dass er nur noch mit „Zertis“ an der Börse arbeite und nicht mehr mit den Optionsscheinen. Zu riskant, das wären Zockerpapiere“ und „Abzocker“-Produkte seitens der Finanzindustrie.

Aha dachte ich mir – ein gutes Thema für den Blog 🙂

Keine Frage, wer sich nur wenig mit Optionscheinen beschäftigt, dem wird schon bei den vielen Fachausdrücken gang schwindelig. Implizite Volatilität, Theta oder Omega schrecken einen ab. Und oftmals haben viele Anleger ihre ersten negativen Erfahrungen mit Optionsscheinen – eben wegen der mangelnde Kenntnis der Funktionsweise.

Fakt ist aber:  Diverse Umfragen in den vergangenen beiden Jahren haben ergeben, dass das beliebteste Finanzderivat der Optionsschein ist. Fast drei Viertel der Befragten gaben an, derartige Produkte schon einmal gehandelt zu haben. Hebelprodukte folgen in der Beliebtheitsskala mit 69,2%. Platz drei behaupten Indexzertifikate (48,5%), so eine Umfrage von Ende 2011.

Und ebenfalls interessant sind die Gründe: Ausschlaggebend für die Wahl des Emittenten, so die Umfrage sind in erster Linie dessen Bonität (67,3%) und ein gutes Pricing (59,9%). Es folgen eine breite Produktpalette (32,2%) und eine hohe Servicequalität (24,2%). Positive Zertifikate-Ratings spielen mit 18,5% nur eine nachgeordnete Rolle.

Aus der Emission eines Emittenten kann man erkennen, ob dieser eine positive oder negative Marktmeinung hat – ganz charmante These. Optionsscheine werden von Emittenten begeben, um Anlegern ein Instrument zur Verfügung zu stellen. Da Emittenten sowohl Call als auch Put Optionsscheine anbieten, spielt die Markteinschätzung des Emittenten somit überhaupt keine Rolle.

Ebenso charmant ist die These, dass der Emittent gegen den Anleger wettet. Oder anders formuliert: Verliert der Optionsschein des Anlegers, gewinnt der Emittent. Dies entspricht nicht der Realität, denn die in den Optionsscheinen getätigten Geschäfte werden von Emittenten abgesichert. Die Commerzbank schreibt dazu in einer Broschüre: „Erwirbt ein Anleger beispielsweise einen Call Optionsschein, wird sich der Emittent zum Beispiel über den Terminmarkt oder sogar direkt über ein Aktiengeschäft absichern. Sobald der Investor seinen Optionsschein wieder veräußert, wird der Emittent seine eingegangene Absicherungsposition (Hedge) wieder auflösen. Aufgrund der Vielzahl und der verschiedenen Arten von Optionsscheinen besitzt jeder Emittent eine Art Gesamtportfolio aller Absicherungspositionen. Dieses wird elektronisch über die Handelssysteme der Emittenten gesteuert und vom eigens dafür entwickelten Risikomanagement überwacht“. Anders gesagt: Emittenten spekulieren nicht gegen Anleger. Sie verdienen ihr Geld hauptsächlich durch den Spread (Differenz zwischen An- und Verkaufskurs des Optionsscheins) und durch das im Optionsschein enthaltene Aufgeld.

Das größte Vorurteil gegenüber einen Optionsschein ist – wie soll es bei uns Deutschen anders sein – die Preiskritik. Der Preis eines Optionsscheins ist demnach vollkommen intransparent. Quatschkram. Dazu wieder die Commerzbank: „So wird der Preis eines Optionsscheins von mehreren Faktoren wie zum Beispiel der Entwicklung des Basiswerts, der Volatilität, der Restlaufzeit des Optionsscheins, möglichen Dividendenzahlungen oder Zinsveränderungen beeinflusst. Der Preis eines Optionsscheins ist aber deswegen nicht intransparent, sondern lediglich nicht so leicht nachvollziehbar“.

An dieser Stelle einen Tipp:

Um die Preisbildung eines Optionsscheins besser nachvollziehen zu können, bietet beispielsweise die Commerzbank im Internet einen Optionsscheinrechner an. Hier können Optionsschein-Investoren die Veränderung preisbestimmender Faktoren von Options-scheinen simulieren und nachvollziehen, wie sich die veränderten Einflussgrößen auf den Preis auswirken. Der Optionsscheinrechner steht im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de/Optionsscheinrechner zur Verfügung.

Fazit: Optionsscheine sind ein tolles Produkt, nur sollten sie eigentlich nur von erfahrenen und risikobewussten Anlegern eingesetzt werden. Denn nur weil wir alle einen Führerschein haben, können wir nicht gleich alle in der DTM oder Formel1 mitfahren. So einfach ist das…


TEILEN

3 KOMMENTARE

  1. Hallo,
    etwas arrogant sind Sie ja schon in Ihrer Schreibweise.
    Fakt ist jedenfalls, dass gerade „Weit aus dem Geld“ laufende OS sehr erheblich von dem Faktor „Implizite Volatilität“ beeinflusst werden. Diese implizite Volatilität wird vom Händler des Emittenten „festgestellt“.
    Als ich neulich bei einem dieser Emittenten anrief (Vontobel) um zu fragen nach welchem Vorgehen denn die implizite Vola ermittelt wird, wurde mir nur mit nichtssagenden, hohlen Phrasen geantwortet.
    Kurzum: Vontobel konnte und/oder wollte mir nicht transparent darlegen wie sie ihre implizite Vola ermitteln…auf jeden Fall gibt es dafür in der Branche kein standardisiertes Vorgehen, da es zwischen einzelnen Emittenten große Unterschiede in der ermittelten Impl. Vola gibt….
    Für mich ist diese Art des Pricings jedenfalls intransparenter als auf einem Autobasar in Kirgisistan, auch wenn Sie meine Argumente wieder als „Quatschkram“ bei Seite bügeln….

    Vermutlich verstehen Sie auch nicht wirklich viel von Derivaten mit nicht-linearem Risiko, wenn Sie hier Sales-People der Commerzbank zitieren müssen….
    Danke!

  2. die furcht ist natürlich nicht ganz unberechtigt und das hat mehrere Gründe 1) die OS sind sehr oft zum Ungunsten des Kunden gepreist 2) man muss nicht nur den Faktor Zeit richtig treffen sondern ebenso auch noch den Faktor „Richtung“ (dh gehts rauf oder runter in den nächsten 3 Mo etwa

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here